Arzneimitteldatenbank

Gicht

Was ist das? - Definition
Gicht ist eine Stoffwechselkrankheit, bei der sich Gelenke entzünden. Sie entsteht aufgrund einer gestörten Harnsäureverwertung, wobei sich Kristalle in Geweben bevorzugt in Gelenken ablagern. Diese Kristallablagerungen lösen akute Entzündungsreaktionen aus, die mit starken Schmerzen verbunden sein können. Während die Gicht früher meist nur bei wohlhabenderen Menschen auftrat, die sich Fleisch leisten konnten, ist sie heute sehr verbreitet. Man spricht deshalb auch von einer Wohlstandskrankheit.



Krankheitsbild
Gicht ist eine sehr schmerzhafte, entzündliche Gelenkerkrankung, die durch erhöhte Harnsäurewerte im Blut (Hyperurikämie) entsteht. Überschüssige Harnsäure lagert sich in Form feiner Kristalle in Gelenken ab und ruft dort akute Entzündungsreaktionen hervor. Diese geht mit starken Schmerzen, Schwellung und Rötung einher. Besonders häufig ist das Grundgelenk des grossen Zehs betroffen. Aber auch andere Gelenke können sich entzünden, etwa die Mittelfuss- und Sprunggelenke, Knie, Ellbogen, Hand- und Fingergelenke. Unbehandelt droht die Erkrankung chronisch zu werden und langfristig Gelenkschäden oder Nierenprobleme zu verursachen. Gicht betrifft vor allem Männer ab dem mittleren Lebensalter. Frauen erkranken meist erst nach der Menopause, ab dem 60. Lebensjahr. Die Krankheit lässt sich durch gezielte Massnahmen gut behandelbar.

Symptome/Verlauf
Ein Gichtanfall beginnt oft plötzlich und meist nachts oder in den frühen Morgenstunden. Typisch sind sehr starke Schmerzen. Das betroffene Gelenk ist gerötet, heiss, geschwollen und sehr druckempfindlich. Schon das Gewicht der Bettdecke oder leichteste Berührungen können heftige Schmerzen auslösen. Gelegentlich kommt es sogar zu Fieber. Ohne Behandlung erreichen die Beschwerden nach wenigen Stunden ihren Höhepunkt und können Tage anhalten, manchmal sogar Wochen.

Folgen/Komplikationen
Wiederholen sich die Anfälle und bleibt eine Therapie aus, kann die Gicht chronisch werden. Die Gelenke sind dann dauerhaft leicht entzündet und es kann zu Gelenkveränderungen und -verformungen kommen. Lagert sich Harnsäure in der Niere ab, kann dies die Bildung von Nierensteinen begünstigen und langfristig zu einer eingeschränkten Nierenfunktion führen.
Eine andere mögliche Folge sind sogenannte Tophi oder Gichtknoten. Dabei handelt es sich um sichtbare Harnsäureknoten unter der Haut. Sie entstehen zum Beispiel am Ellbogen, an der Achillessehne, den Zehen- und Fingergelenken sowie am Rand der Ohrmuschel.

Ursachen/Risikofaktoren
Gicht entsteht durch einen dauerhaft zu hohen Harnsäurespiegel im Blut. Harnsäure fällt beim Abbau von Purinen an, die Bestandteil der DNA sind und somit in jeder Zelle vorkommen. Sie werden mit der Nahrung aufgenommen, aber auch im Körper selbst gebildet. Normalerweise wird genug Harnsäure über die Niere mit dem Urin ausgeschieden. Wird zu viel Harnsäure gebildet oder zu wenig ausgeschieden, etwa aufgrund einer Nierenerkrankung oder durch manche Medikamente, sammeln sich Kristalle im Gewebe an.
Zu den Risikofaktoren zählen:

  • Ungünstige Ernährung: Besonders purinreiche Lebensmittel wie rotes Fleisch, Innereien, fetter Fisch und Meeresfrüchte und Hülsenfrüchte
  • Alkohol hemmt die Ausscheidung von Harnsäure. Das gilt besonders für Bier. Es enthält Stoffe, die zu Harnsäure abgebaut werden.
  • Zuckerhaltige Getränke fördern die Bildung von Harnsäure.
  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Genetische Veranlagung
  • Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Nierenfunktionsstörungen
  • Bestimmte Medikamente, wie Diuretika oder Betablocker
  • Geringe Flüssigkeitszufuhr, die die Harnsäureausscheidung verringert.

Nicht jeder Mensch mit einem erhöhten Harnsäurespiegel entwickelt Gicht. Dennoch ist die Hyperurikämie der wichtigste Risikofaktor.

Das kann helfen
Was man selbst tun kann:
Eine purinarme Ernährung ist der wichtigste Ansatz zur Vorbeugung weiterer Gichtanfälle. Fleisch, fette Fischsorten, Hülsenfrüchte und Alkohol, vor allem Bier, sollten stark eingeschränkt, Wasser und ungesüsste Getränke dagegen reichlich konsumiert werden. Zwei bis drei Liter Flüssigkeit täglich unterstützen die Harnsäureausscheidung. Eine gezielte Gewichtsabnahme und regelmässige Bewegung ohne Gelenküberlastung können helfen, den Stoffwechsel zu stabilisieren. Von Fastenkuren wird abgeraten, da hier körpereigene Zellen abgebaut werden, wodurch der Harnsäurespiegel ansteigen kann. In akuten Phasen kann Kühlen des Gelenks Betroffenen oft helfen, Beschwerden zu lindern.
Was der Arzt tun kann:
Bei akuten Anfällen stehen entzündungshemmende Schmerzmittel oder Kortisonpräparate zur Verfügung. Ziel ist die rasche Schmerzlinderung und Eindämmung der Entzündung. Helfen eine Ernährungsumstellung und weniger Alkohol nicht, die Gichtanfälle in den Griff zu bekommen, können Ärzte Medikamente verschreiben, die den Harnsäurespiegel senken. Darüber hinaus gibt es Mittel, die die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere fördern. Eine regelmässige Kontrolle der Harnsäurewerte und Anpassung der Medikation sind essenziell, um Rückfälle und Folgeschäden zu vermeiden.


Bearbeitungsstand: 02.01.2026

Quellenangaben:
Andreae, von Hayek, Weniger, Krankheitslehre für Altenpflege, Thieme, (2006) - Brunkhorst, Schölmerich, Differenzialdiagnostik und Differenzialtherapie, Elsevier (Urban & Fischer), (2010), 1. Auflage - Wülker, Orthopädie und Unfallchirurgie, Thieme, (2009), 2. Auflage - Herold, Innere Medizin, Herold, (2011)


Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Die Datenbank enthält keine homöopathischen und anthroposophischen Arzneimittel.

 

Einfach und schnell Medikamente finden

Unsere Arzneimitteldatenbank hilft Ihnen, wenn Sie ein Medikament suchen – ob rezeptfrei oder rezeptpflichtig. Geben Sie einfach den Namen des Arzneimittels, einen Wirkstoff oder Ihre Beschwerden in die Suchbox ein. Die Medikamentensuche zeigt Ihnen in deutschen Apotheken verfügbare Präparate, inklusive Informationen zu Anwendungsgebieten, Wirkung, Dosierung, Darreichungsformen und Packungsgrößen. Sie erhalten zudem detaillierte Angaben zu möglichen Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen.

Mit Beipackzettel und Fotos

In vielen Fällen können Sie sich den Beipackzettel herunterladen und vergrößerte Abbildungen der Arzneiformen anschauen. Ideal zur schnellen Orientierung vor dem Apothekenbesuch oder der näheren Information über ein neu vom Arzt verschriebenes Arzneimittel. 

Bitte beachten Sie: Die Datenbank enthält keine Nahrungsergänzungsmittel und keine homöopathischen oder anthroposophischen Präparate.

Heilpflanzenlexikon

Kompakte Informationen zu über 130 bekannten Heilpflanzen gibt es in diesem Lexikon.

Gesunde Rezepte

Leckere und gesunde Rezepte von A bis Z mit Nährwertangaben.

Ernährung

Alles über gesundes Essen, Abnehmen und Genuss.

Newsletter

Täglich oder einmal pro Woche: Der Newsletter von aponet.de bringt aktuelle Gesundheits-Nachrichten direkt in Ihr Postfach.

nach oben