Deutschland ist wieder zu einem Jodmangelland geworden. Betroffen sind laut des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner vor allem Schwangere und Veganerinnen und Veganer.

Knapp ein Drittel der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben ein erhöhtes Risiko für eine Jodunterversorgung. Das ergab das aktuelle Jodmonitoring des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Das hat Folgen: „Wir sehen in unserer Ambulanz immer häufiger junge Veganerinnen, die in Folge eines Joddefizits Schilddrüsenknoten entwickeln“, so Professor Markus Essler vom Universitätsklinikum Bonn.
Für den Experten ist diese Entwicklung bedenklich: Typischerweise treten Schilddrüsenknoten erst im Alter auf. „Jetzt aber schicken hausärztliche Praxen vermehrt auch junge Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter zu uns, die sich vegan ernähren.“ Das zeigt, dass die jungen Frauen häufig ersatzlos auf wichtige Jodlieferanten wie Milch, Milchprodukte, Eier und Meeresfisch verzichten.
Zu frühen Anzeichen eines Jodmangels zählen:
Spezifischere Symptome seien Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder empfindliche Hälse. „Wir erkennen die Patientinnen oft schon daran, dass sie mit großen Pulloverausschnitten im Wartezimmer sitzen, weil sie Rollkragen als störend empfinden und den Hals frei haben möchten“, so Essler.
Essler weist daher dringend darauf hin, dass Veganerinnen und Veganer unbedingt täglich Jodsalz verwenden, Kaliumjodid-Tabletten einnehmen oder den veganen Produkten Jodtropfen zusetzen sollten. Auch Seealgen seien eine natürliche und vegane Quelle. Hier bestehe jedoch aufgrund stark schwankender und oft hoher Jodgehalte das Risiko einer Jodvergiftung.
Die Ursachen für die aktuelle Jodunterversorgung sind bekannt. Die Böden in Deutschland enthalten wenig Jod, sodass Pflanzen und Tiere so nur wenig davon aufnehmen. Das wirkt sich auf die regionalen Produkte aus. In den 1990er-Jahren wurden gezielt Maßnahmen ergriffen und Tierfutter Jod beigemischt oder Jodsalz für Back- und Fleischwaren verwendet. Dieser Trend ist inzwischen stark rückläufig. Auch die Fertigprodukte enthalten meist kein jodiertes Salz.
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