Schilddrüsenknoten häufiger bei veganen Frauen

pta-Forum  |  16.02.2026 14:27 Uhr

Deutschland ist wieder zu einem Jodmangelland geworden. Betroffen sind laut des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner vor allem Schwangere und Veganerinnen und Veganer.

Eine junge Frau in weißem Hemd und Jeans sitzt auf einem Stuhl im Wartebereich. Sie lächelt.
Junge Veganerinnen entwickeln häufig aufgrund eines Iodmangels Schilddrüsenknoten. Ein Experte sagt: Er erkenne Betroffene in der Praxis oft bereits am Ausschnitt.
© SementsovaLesia/iStockphoto

Knapp ein Drittel der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben ein erhöhtes Risiko für eine Jodunterversorgung. Das ergab das aktuelle Jodmonitoring des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Das hat Folgen: „Wir sehen in unserer Ambulanz immer häufiger junge Veganerinnen, die in Folge eines Joddefizits Schilddrüsenknoten entwickeln“, so Professor Markus Essler vom Universitätsklinikum Bonn.

Mehr junge Frauen mit Jodmangel 

Für den Experten ist diese Entwicklung bedenklich: Typischerweise treten Schilddrüsenknoten erst im Alter auf. „Jetzt aber schicken hausärztliche Praxen vermehrt auch junge Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter zu uns, die sich vegan ernähren.“ Das zeigt, dass die jungen Frauen häufig ersatzlos auf wichtige Jodlieferanten wie Milch, Milchprodukte, Eier und Meeresfisch verzichten. 

Ein empfindlicher Hals deutet auf einen Jodmangel hin

Zu frühen Anzeichen eines Jodmangels zählen:

  • Müdigkeit,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Gewichtszunahmen,
  • Frieren,
  • Verstopfung,
  • Haarausfall,
  • depressive Stimmung,
  • trockene Haut und
  • brüchige Nägel.

Spezifischere Symptome seien Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder empfindliche Hälse. „Wir erkennen die Patientinnen oft schon daran, dass sie mit großen Pulloverausschnitten im Wartezimmer sitzen, weil sie Rollkragen als störend empfinden und den Hals frei haben möchten“, so Essler. 

Mit Jod-Substitution vorbeugen

Essler weist daher dringend darauf hin, dass Veganerinnen und Veganer unbedingt täglich Jodsalz verwenden, Kaliumjodid-Tabletten einnehmen oder den veganen Produkten Jodtropfen zusetzen sollten. Auch Seealgen seien eine natürliche und vegane Quelle. Hier bestehe jedoch aufgrund stark schwankender und oft hoher Jodgehalte das Risiko einer Jodvergiftung.

Das Problem ist nicht völlig neu

Die Ursachen für die aktuelle Jodunterversorgung sind bekannt. Die Böden in Deutschland enthalten wenig Jod, sodass Pflanzen und Tiere so nur wenig davon aufnehmen. Das wirkt sich auf die regionalen Produkte aus. In den 1990er-Jahren wurden gezielt Maßnahmen ergriffen und Tierfutter Jod beigemischt oder Jodsalz für Back- und Fleischwaren verwendet. Dieser Trend ist inzwischen stark rückläufig. Auch die Fertigprodukte enthalten meist kein jodiertes Salz.

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