Arzneimitteldatenbank

Multiple Sklerose

Was ist das? - Definition
Es handelt sich bei Multipler Sklerose um ein chronisches, nicht heilbares Nervenleiden, das sich in Schüben oder fortlaufend entwickelt. Im Gehirn und im Rückenmark werden dabei Umhüllungen von Nervenfasern zerstört, was die Weiterleitung von Nervensignalen beeinträchtigt. Dadurch kommt es zu neurologischen Ausfällen, zum Beispiel zu Gang- oder Gefühlsstörungen.



Krankheitsbild
Bei Multipler Sklerose - kurz MS - greift das Immunsystem den eigenen Körper an, genauer die Isolationshüllen um Nervenfasern im Gehirn und im Rückenmark. Werden diese geschädigt, leiten die Fasern schlechter Signale weiter. Schliesslich kommt es auch zum Absterben von Nervenzellen. Als Folge davon können neurologische Probleme wie Geh-, Gefühls-, Seh- oder Blasenstörungen auftreten. Man kennt verschiedene mögliche Formen der Erkrankung.

  • 1. Schubförmig wiederkehrende MS: Es kommt unvermittelt für einige Tage bis Wochen zu Beschwerden. Meist bilden sie sich vollständig zurück, es können im weiteren Verlauf zwischen den Schüben aber Beschwerden zurückbleiben. Pausen von einem Schub zum anderen halten für Monate oder Jahre an.
  • 2. Primär fortschreitende MS: In diesem Fall entwickeln sich die Beschwerden von Beginn an schleichend aber stetig. Akute Schübe treten nicht auf.
  • 3. Sekundär fortschreitende MS: Hierbei werden die anfangs auftretenden Schübe seltener und bleiben schliesslich aus. Es kommt dann aber zu einer stetigen, schleichenden Verschlechterung der Beschwerden.

In der Mehrzahl der Fälle zeigt sich zu Beginn ein schubförmiger MS-Verlauf. Die Schwere der auftretenden Symptome kann unterschiedlich sein. Typischerweise wird die Krankheit zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr festgestellt. Aber auch bei Kindern oder älteren Erwachsene kann sie erstmals auftreten. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung verläuft chronisch und ist bisher nicht heilbar. Wichtig zu wissen: MS ist nicht ansteckend und auch nicht zwangsläufig mit starken Beeinträchtigungen verbunden, zumal sich die Behandlungsmöglichkeit über die Jahre deutlich verbessert haben.

Symptome/Verlauf
Multiple Sklerose ruft sehr von Fall zu Fall unterschiedliche Beschwerden hervor und gilt von daher auch als Krankheit der tausend Gesichter. Möglich sind beispielsweise Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln, Bewegungs- und Sehstörungen, Blasen- oder Mastdarmstörungen, Einschränkungen der geistigen Fähigkeiten wie etwa Konzentrationsprobleme und starke Ermüdung. Der individuelle Verlauf ist schwer vorherzusehen. Die neurologischen Ausfälle treten zu Beginn der Erkrankung bei der Mehrzahl der Betroffenen in Schüben auf und können sich ganz oder mitunter nur zum Teil zurückbilden. Später können die Symptome kontinuierlich zunehmen. Schwere Verläufe sind möglich, treten aber mittlerweile eher bei einem kleineren Teil der Patienten auf. Häufig kann eine moderne Therapie Behinderungen oder Beschwerden deutlich abmildern oder sogar dazu führen, dass sie zeitlebens kaum auftreten.

Folgen/Komplikationen
Bei ungünstigen Verläufen von MS treten vermehrt spürbare Beeinträchtigungen auf, bilden sich nicht mehr zurück und verschlechtern sich zunehmend. Das kann Gleichgewichtsprobleme und Gangunsicherheiten betreffen, aber auch Sehstörungen oder Muskelschwäche mit teilweiser oder kompletter Lähmung bestimmter Muskeln, Muskelsteifheit und -verkrampfung, Blasen- und Darmprobleme oder Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit. Auch die Wahrscheinlichkeit für psychische Erkrankungen wie Depressionen steigt. Insgesamt ist die durchschnittliche Lebenserwartung bei MS-Patienten verkürzt, wobei sie sich durch moderne Therapien an die nicht von MS Betroffener anzugleichen scheint. Auch auf Schwere und Verlauf der Erkrankung wirken sich moderne Immuntherapien mittlerweile sehr vorteilhaft aus.

Ursachen/Risikofaktoren
Die Ursache von MS ist ein Angriff des Immunsystems auf Nervengewebe, was dort zu Entzündungen und Schäden führt. Was genau diese Autoimmunreaktion auslöst, ist noch nicht geklärt. Im Hinblick auf Risikofaktoren diskutieren Wissenschaftler eine erbliche Neigung, an MS zu erkranken, aber auch äussere Einflüsse wie bestimmte Viruserkrankungen oder das Rauchen. Es müssen wohl mehrere Faktoren zusammenkommen, um die Krankheit zum Ausbruch zu bringen.

Das kann helfen
Was man selbst tun kann:
Leidet man unter neurologischen Beschwerden wie beispielsweise merklichen Gang- oder Gefühlsstörungen, sollte man unbedingt ärztlichen Rat einholen. Steht die Diagnose einer MS fest, empfiehlt eine aktuelle Fachleitlinie Betroffenen unter anderem Sport, eine gesunde Ernährung, den Abbau von Übergewicht und besonders auch einen Rauchverzicht. Hierzu sollte man sich von den behandelnden Ärzten beraten lassen, speziell auch zu individuell empfehlenswerten Sportarten. Hilfreich kann für viele Betroffene ausserdem der Kontakt zu Selbsthilfegruppen sein.
Das macht der Arzt:
Wichtig ist eine genaue Diagnose durch eine Neurologin oder einen Neurologen. Beurteilt werden dabei vom Patienten berichtete Symptome und MRT-Aufnahmen des Kopfbereiches, auf denen Entzündungsherde im Gehirn sichtbar werden. Es müssen zudem andere mögliche Ursachen der von den Patienten beschriebenen Beschwerden ausgeschlossen werden. Die ärztlich empfohlene Behandlung der MS basiert vor allem auf Medikamenten, die die überschiessende Reaktion des Immunsystems dämpfen. Hierzu gibt es mittlerweile eine breite Palette an Wirkstoffen, mit denen sich die Erkrankung zwar nicht heilen, aber in vielen Fällen recht gut kontrollieren lässt. Hinzu kommen Empfehlungen für hilfreiche Lebensstiländerungen. Die Planung der Behandlung erfolgt in enger Absprache zwischen Ärzten und Patienten.


Bearbeitungsstand: 02.01.2026

Quellenangaben:
Thieme, Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, (2006) - S. Andreae et al., Gesundheits- und Krankheitslehre für die Altenpflege, Thieme, (2011), 3. Aufl. - W.F. Haupt et al., Krankheitslehre Neurologie und Psychiatrie für Krankenpflege, Thieme, (2009), 10. Auflage


Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

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