Antikörper-Therapien gegen Alzheimer-Demenz scheinen keinen klinisch bedeutsamen Nutzen zu bringen, aber das Risiko für Veränderungen im Gehirn zu erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktuelles, internationales Cochrane-Review, auf das die Landesorganisation Cochrane Deutschland hinweist. Eingeflossen waren die Daten von mehr als 20.000 Menschen hin, die im Mittel zwischen 70 und 74 Jahre alt waren und entweder milde, kognitive Einschränkungen oder ein Frühstadium der Alzheimer-Erkrankung hatten.
Antikörper gegen Eiweiß Beta-Amyloid analysiert
Die 17 Studien erforschten die Wirkung von Donanemab und Lecanemab, beide in der EU für Frühstadien von Alzheimer in der EU zugelassen, und fünf weiteren Antikörpern im Vergleich zu Scheinmedikamenten. Das Ziel all dieser Antikörper ist, den Abbau der Eiweißplaques aus Beta-Amyloid zu fördern. Dieses Eiweiß ist in den Gehirnen von Menschen mit Alzheimer-Erkrankung schon vor Symptombeginn zu finden und steht im Verdacht, das Absterben von Gehirnzellen zu fördern. In den Studien waren die Antikörper erfolgreich dabei, die Plaques zu reduzieren.
Kaum Einfluss auf geistige Fähigkeiten mit Antikörpern
Aber nutzt das auch den Betroffenen in spürbarer Weise? Das Review beantwortet die Frage ernüchternd: Über etwa eineinhalb Jahre hinweg war entweder keine Wirkung auf die geistigen Fähigkeiten festzustellen oder sie war so gering, dass er nicht als relevant eingeordnet wird. Erstautor Francesco Nonino vom IRCCS Institut für Neurologische Wissenschaften in Bologna, Italien, bedauert: „Leider legt die Evidenz nahe, dass diese Medikamente für die Erkrankten keinen klinisch bedeutsamen Unterschied machen.“ Einzelne statistische Effekte reichten nicht aus, um eine spürbare Verbesserung im Alltag zu belegen.
Antikörper-Nebenwirkung: Risiko für Hirnschwellungen gestiegen
Gleichzeitig zeigt die Analyse ein erhöhtes Risiko für bestimmte Veränderungen im Gehirn. Dazu zählen Hirnschwellungen und kleinste Blutungen, die in den Studien vor allem durch bildgebende Verfahren entdeckt wurden. Häufig traten dabei keine direkten Beschwerden auf. Die Zahlen verdeutlichen den Unterschied: Ohne Antikörper-Therapie waren etwa 12 von 1.000 Menschen betroffen – mit Therapie rund 119 von 1.000. Welche langfristigen Folgen diese Veränderungen haben, ist anhand der Daten noch nicht zu sagen.
Auch Gemeinsamer Bundesausschuss sah keinen Zusatznutzen für Donanemab und Lecanemab
Konkret zu Donanemab und Lecanemab: Auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte auf Basis der Herstellerstudiendaten keinen Zusatznutzen im Vergleich zum bisherigen Therapiestandard festgestellt. Auf Grundlage der G-BA-Beschlüsse verhandeln in Deutschland der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und die Hersteller den Preis der Arzneimittel.
Quelle: DOI 10.1002/14651858.CD016297