Krankheitsbild
Bisswunden entstehen in Deutschland am häufigsten durch Hunde- und Katzenbisse. Aber auch Bisse durch Menschen kommen relativ oft vor. Besonders häufig betroffen sind Kinder und Jugendliche. Schätzungen besagen, dass in Industrieländern 50 Prozent der Menschen einmal im Leben gebissen werden. Bisse führen zu Schürf-, Riss- oder Quetschwunden, teilweise bis zu Verletzungen von Muskeln und Knochen. Auch wenn sie auf den ersten Blick harmlos wirken, sind Bissverletzungen medizinisch ernst zu nehmen. Der Grund: Mit dem Biss gelangen Bakterien aus der Mundhöhle mitunter tief in das Gewebe. Dadurch ist das Infektionsrisiko deutlich höher als bei vielen anderen Verletzungen. Besonders tückisch sind Katzenbisse, da ihre feinen Zähne kleine, aber tiefe Wunden verursachen.
Symptome / Verlauf
In 70 bis 80 Prozent der Fälle entstehen Bissverletzungen an Händen, Armen und Beinen. Schwerwiegendere Verletzungen im Bereich von Kopf, Hals und Nacken treten vor allem bei Kindern unter 10 Jahren auf. Etwa 10 bis 20 Prozent der Bisswunden infizieren sich, bei Katzen ist die Gefahr deutlich höher, weil die spitzen Zähne oft sehr tief eindringen und Bakterien sich in den tieferen Gewebsschichten verbreiten. Typische Anzeichen einer Infektion sind Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerzen, Eiterbildung sowie Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl. Diese Symptome treten meist innerhalb von 12 bis 24 Stunden auf, manchmal aber auch erst nach einigen Tagen. Vor allem nach Katzenbissen kann sich der Zustand der Wunde sehr schnell verschlechtern. Unbehandelt kann sich die Entzündung im Gewebe ausbreiten.
Folgen / Komplikationen
Bleibt eine infizierte Bisswunde unbehandelt, können Sehnen, Gelenke oder Knochen geschädigt werden. In schweren Fällen kann Gewebe absterben und muss dann operativ entfernt werden. In selten Fällen entwickelt sich aus der Infektion eine Blutvergiftung (Sepsis), die lebensbedrohlich ist. Ausserdem können in Ausnahmefällen Krankheiten wie Tetanus oder Tollwut übertragen werden.
Ursachen / Risikofaktoren
Ein besonders hohes Infektionsrisiko besteht generell bei tiefen und verschmutzten Wunden, starker Gewebszerstörung sowie bei Wunden an Händen, Füssen, Gesicht, Genitalien und im Bereich von Knochen, Gelenken und Sehnen. Auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie Säuglinge und Kleinkinder haben ein höheres Risiko. Katzenbisse infizieren sich häufiger als Hundebisse.
Das kann helfen
Das kann man selbst tun: Blutet die Bisswunde, sollte man warten bis die Blutung stoppt und dann die Wunde mit kaltem, klarem Wasser ausspülen. Anschliessend mit Wunddesinfektionsmittel desinfizieren und mit sterilem Verband abdecken. Generell empfiehlt es sich, mit Bisswunden zum Arzt zu gehen. Spätestens aber, wenn erste Anzeichen einer Infektion bemerkt.
Das macht der Arzt: Der Arzt reinigt und beurteilt die Wunde, prüft den Impfstatus (vor allem Tetanus) und verordnet bei Bedarf ein Antibiotikum. Bei Bisswunden an kritischen Körperregionen wie Händen, Füssen, gelenknahen Regionen, Gesicht oder Genitalien oder bei Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko gibt der Arzt oft auch prophylaktisch Antibiotika. Ausserdem prüft der Arzt, ob in seltenen Fällen eine Tollwutprophylaxe gegeben werden muss.Quellenangabe:
Wülker, Orthopädie und Unfallchirurgie, Thieme, (2009), 2. Auflage
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.