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Bundestagswahl 2021: Wie geht es mit der Apotheke vor Ort weiter?

ck/PZ/NK  |  21.09.2021

Im Vorfeld der Bundestagswahl haben Apotheker die Direktkandidaten aller 299 Wahlkreise in Deutschland zu Apotheken-Themen befragt. Um die Zukunft der Apotheken zu sichern, haben die künftigen Abgeordneten viele Ideen: Etwa Werbung für den Beruf in Schulen, einen Sonderfonds für Apotheken in strukturschwachen Gebieten oder eine variable Vergütung, die kleine Apotheken unterstützen soll.

Junge Apothekerin in der Offizin.
Einige Parteien fordern eine kostenfreie Ausbildung für angehende Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) und damit die Abschaffung des Schuldgelds.
© davit85/iStockphoto

Bei der Bundestagswahl am Sonntag wird es spannend: Wie es für die Apotheken vor Ort künftig weitergeht, ist unter anderem von diesem Wahlergebnis abhängig. Die Kandidatinnen und Kandidaten für den 20. Deutschen Bundestag haben dabei unterschiedliche Vorstellungen davon, wie die Pharmazeuten in ihrer Arbeit gestärkt werden können und wie die Arzneimittelversorgung weiter sichergestellt werden kann. Unter der Initiative „Wahlradar Gesundheit“, ins Leben gerufen und verantwortet von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V., befragen Apothekerinnen und Apotheker in allen 299 Wahlkreisen ihre Direktkandidatinnen und -kandidaten der Parteien CDU/CSU, SPD, Bündnis90/Die Grünen, FDP und Die Linke zu Apotheken-Themen. Nicht alle haben geantwortet, aber dennoch sind in den letzten Wochen einige Antworten eingegangen, die ein Bild darüber geben, was die Politikerinnen und Politiker in diesem Bereich vorhaben.

So haben auch einige aus der Bundespolitik bekannte Politikerinnen und Politiker die Fragen der Pharmazeuten beantwortet, etwa die CDU-Politikerin und derzeitige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner aus dem Wahlkreis Kreuznach (Rheinland-Pfalz). Sie will sich auf europäischer Ebene beispielsweise dafür einsetzen, „dass gesundheitspolitische Entscheidungen, die unsere Grundversorgung vor Ort betreffen, auch weiter auf nationaler Ebene getroffen werden“. Dies sei wichtig, „weil Apotheken vor Ort eine so zentrale Rolle im Alltag der Menschen spielen“.

Die große Mehrheit der Kandidatinnen und Kandidaten zeigt sich dankbar gegenüber den Apotheken, insbesondere aufgrund der Aufgaben, die die Offizinen in der Pandemie übernommen haben. Konkret wünschen sich einige Politikerinnen und Politiker verstärkt pharmazeutische Dienstleistungen in den Apotheken. Die Einführung dieser Dienstleistungen ist mit dem Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetz zwar bereits beschlossene Sache, allerdings ist noch nicht klar, welche Aufgaben die Apotheken übernehmen werden. Entsprechenden Verhandlungen zwischen den Kassen und der Apothekerschaft sind erst vor kurzem gescheitert.

Idee: Kleine Apotheken bekommen mehr Vergütung

Bei der Frage nach der Konzentration vieler Apotheken in einer Hand wolle sich die Linke klar gegen die Einführung großer Apothekenketten und gegen Apotheken in der Hand von Kapitalgesellschaften einsetzen, erklärt beispielsweise Katja Kipping, die bis vor Kurzem noch Vorsitzende der Partei Die Linken war. Sie kandidiert in Dresden als Direktkandidatin erneut für den Bundestag. Zudem fordert die Linke durchweg eine Abschaffung der Rabattverträge und der Import-Förderklausel.

Um weiter zu verhindern, dass sich nur „ganz große Apotheken und Versandapotheken auf dem Markt durchsetzen“, hat Linda Heitmann von den Grünen, die in Hamburg antritt, zudem eine Idee. Sie schlägt vor, dass größere Apotheken pro Packung eine niedrigere Vergütung erhalten sollten als kleine Apotheken. Allerdings sei dies innerhalb der Partei noch nicht ausdiskutiert und dafür gebe es derzeit keine offizielle Beschlusslage. Aber auch ihre Parteikollegin Uta Brehm aus dem Wahlkreis Wiesbaden in Hessen, will sich dafür einsetzen, „dass die Höhe der packungsabhängigen Vergütung an den Umsatz der abgebenden Apotheke gekoppelt wird.“

Apotheken sollen in Schulen um Nachwuchs werben

Auch mit der Frage, wie genügend pharmazeutischer Nachwuchs gewonnen werden kann, um die Zukunft der Apotheken sicherzustellen, beschäftigen sich viele potenzielle Abgeordnete. Parteiübergreifend fordern einige eine kostenfreie, bundesweite Ausbildung beispielsweise für angehende Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) und damit die Abschaffung des Schuldgelds. Dies schreibt beispielsweise Torsten Herbst aus Dresden, der für die FDP antritt, aber auch Kirsten Kappert-Gonther aus Bremen, die derzeitige Sprecherin für Drogenpolitik bei den Grünen im Bundestag. Sie fordert zudem den Studiengang der Pharmazie weiterzuentwickeln: "Notwendig ist außerdem, die pharmazeutische Betreuung und Therapiebewertung ausführlicher zu behandeln, Kenntnisse in psychologischen Grundlagen sowie in Ethik zu vermitteln. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Bedeutung biotechnologisch hergestellter Arzneimittel und der zunehmenden Resistenzentwicklung bei Antibiotika unterstützen wir eine stärkere Behandlung auch dieser Themengebiete."

Wer es nach der Wahl in den Bundestag geschafft hat, wird der Bundestag am 27. September auf seiner Website mit Kurzbiografien und Fotos der Abgeordneten präsentieren.

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