SeniorenGesund leben

Sturzgefahr: E-Bikes können Senioren überfordern

20.07.2018

Gerade für ältere Menschen sind E-Bikes interessant, denn sie ermöglichen schnelles Fahrradfahren ohne große Anstrengung. Dies birgt allerdings auch Gefahren: Viele unterschätzen die Geschwindigkeit und überschätzen das eigene Können.

Die Gefahr von Gehirnerschütterungen beim Radfahren steigt mit der Motorisierung.
Neben einer vorsichtigen Fahrweise bietet auch der Helm Schutz vor Kopfverletzungen.
© pipapur - Fotolia.com

„Senioren bauen manchmal körperlich ab und rüsten technisch auf“, so Professor Stefan Knecht, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN). Gerade ältere Menschen unterschätzen dabei häufig die Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern, die motorisierte Fahrräder erreichen können. In der Folge sind sie häufiger in schwere Unfälle verwickelt. Wer körperlich nicht mehr ganz fit sei, traue sich dank der motorisierten Unterstützung außerdem eher schwierige und anstrengende Strecken zu. „Das kann zu Kontrollverlust und Stürzen führen“, warnt Knecht, der auch Chefarzt der Klinik für Neurologie der St.-Mauritius-Therapieklinik in Meerbusch ist. Da Pedelecs ein anderes Antriebs- und Bremsverhalten haben als ein normales Fahrrad, empfiehlt er Menschen, die damit nicht vertraut sind, ein paar Übungsrunden.

Kommt es doch zu einem Unfall mit einem Sturz auf den Kopf, muss bei Senioren immer eine Gehirnerschütterung und vor allem eine schwere Kopfverletzung wie ein Schädelbruch oder eine Hirnblutung ausgeschlossen werden. „Bewusstlosigkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen sind klassische Symptome einer Gehirnerschütterung“, erklärt Knecht. „Aber auch wenn der Betroffene keine dieser Beschwerden feststellt, kann eine Hirnverletzung vorliegen.“ Der Mediziner rät, im Zweifel immer einen Arzt aufzusuchen. Dieser könne einschätzen, wie schwer eine Gehirnerschütterung sei und mit einer Bilduntersuchung wie einer Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie eine schwere Gehirnverletzung ausschließen.

Auch ein leichter Sturz ist bei Senioren nicht zu unterschätzen. So forderten Autoren einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 2017 sogar, bei Patienten über 65 Jahren nach einem Sturz auf den Kopf grundsätzlich einen CT-Scan durchzuführen, berichtet Knecht. Grund dafür seien strukturelle Veränderungen im alternden Gehirn: Die Blutgefäße sind weniger elastisch und damit anfälliger für Verletzungen. Zudem schwindet im Alter die Gehirnmasse insgesamt. Dadurch könnten untypische neurologische Befunde auftreten, die es erschweren, das Ausmaß der Verletzung ohne CT korrekt einzuschätzen.

DGKN/HH

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