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Wie sich Coronavirus, Grippe und Erkältung unterscheiden

NK/RF  |  15.03.2021

Bei Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen und Kopfschmerzen fürchten aktuell viele, dass sie sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 angesteckt haben. Gibt es spezielle Symptome? Bei einem Vergleich sprechen bestimmte Merkmale für Corona und erlauben eine erste Unterscheidung von der Grippe oder einer Erkältung. Endgültige Klarheit schafft jedoch nur ein Test.

Frau, liegt im Bett mit Fieberthermometer.
Fieber ist eines der häufigsten Symptome bei Covid-19.
© iStock.com/demaerre

Einen typischen Verlauf bei Covid-19 gibt es nach aktuellem Kenntnisstand nicht: Die Symptome sind vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen.

Für Deutschland hat das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Webseite eine Stellungnahme zu den häufigsten Symptomen bei Covid-19 veröffentlicht. Demnach litten die meisten Patienten an Husten (40 Prozent), Fieber (27 Prozent), Schnupfen (29 Prozent), Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns (22 Prozent) und/oder einer Lungenentzündung (1 Prozent). Weitere Symptome können Halsschmerzen, Atemnot, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Bindehautentzündung, Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Apathie und Schläfrigkeit sein. Infektionen mit dem neuen Coronavirus können jedoch auch mild bis symptomlos verlaufen. 

Von den Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, brauchten laut einer deutschen Studie mit ca. 10.000 Erkrankten 17 Prozent eine Behandlung mit Sauerstoff, 19 Prozent mussten in der Intensivstation behandelt werden. Bei neun Prozent war der Verlauf so schwerwiegend, dass sie künstlich beatmet werden mussten, und bei zwei Prozent musste das Blut sogar außerhalb des Körpers, mit einer künstlichen Lunge, mit Sauerstoff versorgt werden. Die Sterberate lag bei den Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, bei 22 Prozent. 

Eine generelle Aussage über die Sterberate von Covid-19-Patienten ist schwierig zu treffen, da sie stark mit dem Alter der Erkrankten zusammenhängt. Während der Fall-Verstorbenen-Anteil bei Erkrankten laut RKI bis etwa 50 Jahren unter 0,1 Prozent liegt, steigt er ab 50 Jahren zunehmend an und liegt bei Personen über 80 Jahren über 10 Prozent. 

Symptomvergleich im Überblick

© aponet.de (nach Robert Koch-Institut, wissenschaftlicher Literatur, Expertenaussagen; Angaben bieten ungefähre Größenordnungen)
SymptomCovid-19Grippe/InfluenzaErkältung
Fieber +++ +++++ ++
trockener Husten ++++ ++++ +++
allgemeine Schwäche ++ +++++ ++
Atemnot ++ + +
verstopfte/laufende Nase +++ +++ +++++
Halsschmerzen ++ +++++ +++++
Kopfschmerzen ++ +++++ +++
Gliederschmerzen ++ +++++ +++
Geruchs- und Geschmacksverlust +++ + +
Magen-Darm-Beschwerden ++ + +
Ausschlag an Füßen od. Händen + - -
Risiko für schweren Verlauf ++ + -

Covid-19 ist vor allem zu Beginn sehr ansteckend

Die Inkubationszeit, also der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung, wird derzeit auf durchschnittlich fünf bis sechs Tage geschätzt. Die angegebene Spannweite reicht von einem bis zu 14 Tagen. Es ist zurzeit noch nicht ganz klar, wie lange ein mit SARS-CoV-2 infizierter Mensch andere anstecken kann. Als sicher gilt, dass die Ansteckungsfähigkeit in der Zeit um den Symptombeginn am größten ist und dass Patienten auch schon vor dem Auftreten erster Symptome infektiös sind. Bei einem normalen Verlauf nimmt die Ansteckungsfähigkeit im Laufe der Erkrankung innerhalb von zehn Tagen deutlich ab. Bei einem schweren Verlauf sind die Patienten oft noch lange darüber hinaus ansteckend.

Kinder zeigen andere Symptome

Kinder, die sich mit SARS-CoV-2 angesteckt haben, zeigen oft andere Symptome als Erwachsene. Eine Studie mit knapp 1.000 jungen Menschen aus Großbritannien ergab beispielsweise, dass die Hälfte der infizierten Kinder gar keine Symptome hatte. Bei der anderen Hälfte traten am häufigsten Fieber (31 Prozent), Durchfall, Erbrechen und Bauchkrämpfe (zusammen 19 Prozent) sowie Kopfschmerzen auf (18 Prozent). Husten und Atemnot kamen viel seltener vor als bei Erwachsenen. Zudem hatte jedes sechste Kind Hautausschläge.

Covid-19 verläuft in Schüben

Eine weitere Beobachtung aus der Praxis ist, dass Covid-19 in Schüben verläuft. "Vom Beginn der Symptome an dauert es etwa eine Woche, bis der Patient Atemnot entwickelt", berichtet Dr. Holger Neb, Intensivmediziner an der Universitätsklinik in Frankfurt am Mai, im Juni 2020 auf dem Fortbildungskongress pharmacon, der in diesem Jahr digital stattgefunden hat. Bemerkenswert sei, dass die Sauerstoffsättigung des Bluts in der Regel bereits vorher abgenommen habe. Diesen stillen Sauerstoffmangel bemerkten die Patienten nicht; er sei aber von außen erkennbar, da die Betroffenen blaue Lippen hätten. Danach vergehe oft noch etwa eine Woche, bis die Patienten ins Krankenhaus kämen und von da an noch einmal anderthalb Wochen, bevor sie künstlich beatmet werden müssten. "Diese Verschlechterung ist aber kein Muss", betonte Neb. Nur etwa 10 Prozent der Infizierten würden schwer krank und etwa 5 Prozent intensivpflichtig.

Was tun bei Covid-19-Verdacht?

Wer die oben beschriebenen Symptome an sich bemerkt, ruft beim zuständigen Gesundheitsamt oder seinem Arzt an und teilt den Verdacht mit, anstatt unangemeldet in der Praxis zu erscheinen. Welches Gesundheitsamt für Sie zuständig ist, lässt sich über die Suche auf der Webseite des RKI herausfinden. Das Amt bzw. der Arzt entscheidet dann, ob ein Test auf Covid-19 sinnvoll ist. Mittlerweile gibt es auch viele Testzentren, in denen sich Bürger mit oder ohne Symptome testen lassen können, mitunter sogar kostenfrei. Zudem gibt es in der Apotheke Corona-Selbsttests, die von zu Hause durchgeführt werden können.

Schon bevor das Testergebnis vorliegt, sollte man sich selbst isolieren, sprich: zu Hause bleiben, Abstand zu anderen Personen halten (mindestens 1,5 Meter), eine gute Händehygiene einhalten und bei Kontakt zu anderen zusätzlich eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

Grippe startet schnell

Von den Symptomen her sind Grippeerkrankungen oft schlecht von Infektionen mit dem neuen Coronavirus zu unterscheiden. Beide verursachen Anzeichen von Atemwegserkrankungen, können aber auch symptomlos verlaufen. Typisch für eine Influenza-Infektion, also eine Grippe, sind neben trockenem Husten und plötzlich einsetzendem, oft hohem Fieber auch ein starkes Krankheitsgefühl sowie Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Inkubationszeit der Grippe ist kurz, laut RKI beträgt sie 1 bis 2 Tage.

Erkältung verläuft schleichend

Typische Symptome einer banalen Erkältung sind Halsschmerzen, Schnupfen, schleimiger Husten, leicht erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit und leichte bis mäßige Kopfschmerzen, die meist schleichend über mehrere Tage auftreten. Oft schmerzt zunächst nur der Hals, der Husten kommt in der Regel erst später dazu. Man fühlt sich zwar krank, aber nicht so vollkommen kraftlos wie bei einer echten Grippe. 

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag wird regelmäßig nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand aktualisiert.

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