Psyche

Lena Meyer-Landrut: "Musik ist für mich ein Ausdruck von Liebe"

aponet.de  |  03.06.2024

Seit Lena Meyer-Landrut 2010 den Eurovision Song Contest gewann, gehört sie zu den größten deutschen Popstars. Wie sie an neuer Musik arbeitet und sich aus psychischen Tiefs befreit, lesen Sie im Interview.

Lena Meyer-Landrut.
Lena hat Ende Mai 2024 ihr fünftes Album veröffentlicht.
© Marius Knieling

Ihr letztes Album erschien vor fünf Jahren. Was war Ihnen seitdem besonders wichtig und hört man das auf dem neuen Album?

Lena: Die letzten fünf Jahre waren insgesamt super durchwachsen, natürlich auch bedingt durch die Pandemie und ich glaube, dass ich generell eine Person bin, die durch eine Art von kreativem Schmerz gehen muss, um so ein Album zur Welt zu bringen. Also entweder es strömt so aus mir hinaus oder es ist einfach ein total harter Weg und ein großer Aufwand mit viel Hin und Her, damit ich mir sicher darüber sein kann, dass es das Richtige ist, was ich da so mache. Inhaltlich ist es einfach das, was mich in den jeweiligen Momenten, in denen ich die Songs schreibe, am meisten beschäftigt. Das Allerwichtigste ist für mich, dass es authentische Momentaufnahmen sind.

Um welche zentralen Themen geht es auf der neuen Platte?

Lena: Zentrale Themen sind für mich immer alles, was sich um Liebe dreht, so wie eigentlich immer für mich in der Musik: Selbstliebe, Liebe zu anderen, zu Freunden, zur Familie, romantische Liebe, allgemein Liebe. Man könnte also sagen, für mich ist Musik ein Ausdruck von Liebe.

Auf Social Media haben Sie offen über einen Depressionsrückfall gesprochen; wie haben Sie ihn überwinden können?

Lena: Ich schaffe es aus so einem Tal wieder raus mit Hilfe von Therapie und ganz viel Kraft und Energie, die ich aufbringe. Ausruhen und Energie sammeln, das ist für mich die Ausgewogenheit aus Ruhe, Power und Therapie. Ich habe das große Glück, dass ich ein soziales Umfeld habe, sowohl privat als auch beruflich, das sich so gut mit psychischen Krankheiten und Belastungen auskennt und auseinandersetzt und mir da einfach in den richtigen Momenten entweder die Ruhe oder die Unterstützung gibt, die ich dann brauche.

Nach einem harten Jahr 2023 wollten Sie etwas im Leben ändern. Hat es geklappt?

Lena: Also ich muss wirklich sagen, lustigerweise hat es tatsächlich geklappt und ich kann mich ganz genau an den Moment erinnern, in dem das passiert ist. Ich saß Anfang des Jahres im Auto und habe gerade ein Video aufgenommen, ich glaube sogar für eine “Making loyal”-Episode. Also praktisch eine Momentaufnahme von meinen Gedanken, von meinem Leben und ich habe dadurch genau den Moment auf Video, in dem ich die Erkenntnis hatte. Und ich spreche immer so gerne von einer Erkenntnis, weil das so ist, als würde man plötzlich die Wahrheit für sich selbst wissen. Ich finde Erkenntnis ist eigentlich das richtige Wort, um zu beschreiben, dass nicht nur rational, sondern auch emotional ankommt, dass ich mich in diesem Moment dazu entschieden habe: »Ich möchte nicht genervt sein«, »Ich möchte nicht alles scheiße finden, die Welt, die Branche, alle mich herum«, »Ich möchte nicht die Umwelt dafür verantwortlich machen, wie ich mich fühle«, »Ich will nicht irgendwann eine alte, verbitterte Frau sein«, »Ich will fröhlich sein und mein Leben genießen und es in vollen Zügen auskosten.« Und es ist total verrückt, weil es seitdem in mir einen Wechsel gibt. Irgendwie hat sich ein Schalter in mir umgelegt.

In dem Lied "Loyal To Myself" singen Sie davon, Ihr wahres Ich gefunden haben. Was gefällt Ihnen an der wahren Lena besonders gut?

Lena: Dass ich wieder so sein kann, wie ich eigentlich programmiert bin und nicht mehr von einer psychischen Krankheit gesteuert werde.

Neben Kreativität sind Selbstzweifel wohl ein Markenzeichen vieler Künstler. Sind Selbstzweifel für Sie eher Ansporn oder eher Hindernis bei der Musik?

Lena: Für mich sind Selbstzweifel auf jeden Fall eher ein Hindernis. Ich finde das gar nicht gut, diese Selbstzweifel und Selbstmitleid, aber es ist für mich ehrlicherweise auch ein sehr komfortabler Raum des Altbekannten. Ich fühle mich in dem Raum des Zweifelns und Bemitleidens sicher und wohl, weil ich ihn so gut kenne, aber ich will das eigentlich überhaupt gar nicht. Also es ist für mich kein kreatives Brennmaterial, aus dem ich irgendwie schöpfen kann, sondern es stört mich eher.

Von außen betrachtet ist Ihr Karrierestart mit dem ESC-Sieg perfekt gelungen. Gibt es etwas, das Sie der 18-jährigen Lena aus heutiger Sicht dringend raten würden, anders zu machen?

Lena: Ja, ganz viele Sachen würde ich mir raten anders zu machen, weil ich damals einfach eine ganz unerfahrene 18-Jährige war, die sich selbst in diese Welt reingeschmissen oder vielmehr hat reinfallen lassen. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es überhaupt nichts bringt, beziehungsweise selbst wenn ich meinem jüngeren Ich etwas raten könnte, dann würde ich es nicht machen wollen. Denn das würde bedeuten, dass ich dann nicht da wäre, wo ich heute bin, weil dann alles ein bisschen anders gelaufen wäre und ich nicht weiß wie. Und ich habe so ein Grundvertrauen in den Lauf der Dinge, ich habe gar nicht das Bedürfnis etwas zu verändern in der Vergangenheit. Es ist schon alles gut so, wie es ist und ich durfte viel erfahren und lernen in den Jahren.

Lang schlafen, dann im Whirlpool liegen und abends Champagner trinken: So stellt sich mancher Ihren Arbeitstag vor. Ist er so?

Lena: Also, das hört sich für mich sowas von herrlich an! (lacht) Aber ich würde sagen, solche Tage gibt es bei mir nur ein bis maximal zwei Mal im Jahr. Jeder Arbeitstag ist bei mir irgendwie anders: Ich bin selbstständig, deswegen bin ich auch auf eine Art selbst verantwortlich dafür, wie viel oder wenig ich arbeite oder was ich mache. An manchen Tagen gehe ich ins Büro, andere Tage gehe ich ins Studio, habe Jobs in Berlin oder anderswo in Deutschland, sowas wie Fotoshootings, TV-Formate, Promo-Reisen. Also mein potenzieller Arbeitstag ist immer super divers. Und chillig im Whirlpool Champagner trinken ist auf jeden Fall eine absolut super-rare Ausnahme, das ist auf jeden Fall nicht der Alltag, bei kaum einem Künstler, würde ich behaupten.

Würde es Sie reizen, auch einmal ein Album mit deutschen Texten zu veröffentlichen? Welchen Unterschied bedeutet die jeweilige Sprache für die Musik?

Lena: Die jeweilige Sprache für die Musik bedeutet auf jeden Fall den großen Unterschied, dass die Deutschen deutsche Texte einfach sehr viel besser verstehen und somit auch sehr viel besser nachempfinden können. Selbst wenn meine Texte echt sind und zu 100 Prozent authentisch und wahr, haben sie für viele deutschsprachige Hörer:innen nicht das gleiche Gewicht wie ein deutscher Text, der persönlich ist und das ist für mich ein großes Problem. Ich habe das Gefühl, ich schreibe mir die Seele aus dem Leib und ich bin super-echt und super-authentisch und werde trotzdem nicht als 100 Prozent real wahrgenommen, einfach weil ich englische Popmusik mache. Deswegen kann ich mir auf jeden Fall vorstellen, irgendwann mal Deutsch zu singen oder schreiben.

War die Vorbereitung auf Ihre aktuelle Tour aufregend oder sehen Sie das locker?

Lena: Ich sehe es alles andere als locker, ich stehe unter massivem Stress und Druck und fürchte mich davor, aber gleichzeitig freue mich natürlich auch darauf. Aber ich glaube, die Freude kommt erst dann, wenn ich auf der Bühne stehe und wenn ich das Gefühl habe, alles funktioniert und fügt sich so, wie ich mir das vorgestellt habe. Aktuell ist es noch so viel Arbeit, die gemacht werden möchte, bevor ich da irgendeine Art von Freude aufbringen kann, deswegen ist für mich der Stress gerade noch größer als alles andere. Meistens geht es mir, wenn ich dann das Konzert gespielt habe, aber richtig richtig gut und ich finde alles total toll und unglaublich super und wenn die erste Euphorie vorbei ist, dann kommt die Müdigkeit, bevor dann vor der nächsten Show wieder das Adrenalin kickt.

Wie haben Sie sich auf die Konzerte vorbereitet? Mit speziellem Stimmtraining oder strengem Fitnessregime?

Lena: Zum Thema Vorbereitung gehören auf jeden Fall natürlich die Tour-Proben. Die dauern gerne mal ein paar Wochen und das ist ehrlich gesagt auch meine körperliche und stimmliche Vorbereitung, denn in den Wochen werde ich körperlich und stimmlich schon so strapaziert, dass das sozusagen mein Training ist. Da mache ich mir jetzt Monate vorher keinen Stress, aber ich habe ehrlich gesagt auch nicht vor, eine Show wie zum Beispiel andere Kolleg:innen zu machen, die quasi eine komplette Akrobatik-Vorstellung auf der Bühne absolvieren. Da braucht man definitiv noch mal eine ganz andere Art von Training und Kondition. Das ist aber nicht meine Art der der Liveshow, deswegen beschränkt sich das bei mir eher auf, ich sag mal, "normale Fitness" und "normales Stimmtraining". (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Rüdiger Freund.

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