SeniorenGesundheit

Makulaödem: Eine Spritze für das Sehen

Peter Erik Felzer  |  16.09.2021

Diabetiker leiden häufiger unter Augenproblemen. Dr. Hakan Kaymak erklärt, warum das so ist und was sich dagegen tun lässt. Er ist Augenarzt, Augenchirurg und leitender Operateur der Breyer, Kaymak & Klabe Augenchirurgie in Düsseldorf.

Mann beim Augenarzt bei der Kontrolle.
Patienten mit Diabetes sollten mindestens einmal im Jahr zum Augenarzt gehen - auch dann, wenn sie keine Beschwerden haben.
© Inside Creative House/iStockphoto

Warum haben Diabetiker so oft Augenprobleme?

Kaymak: Diabetes führt zu Entzündungen der Gefäße. Dies betrifft nicht nur die großen, sondern auch die kleinen – und das Auge ist voll von kleinen Gefäßen. Mikroangiopathie nennen dies die Mediziner. Diese Entzündungen können die Linse, aber auch die Hornhaut oder die Netzhaut betreffen.

Wann sollten Diabetiker zum Augenarzt?

Kaymak: Wir Augenärzte empfehlen Diabetikern generell, einmal im Jahr zu uns zu kommen. Je nach Befund entscheiden wir, ob die Intervalle kürzer oder auch länger sein können.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Kaymak: Zunächst überprüft der Augenarzt die Sehschärfe der Patienten. Ein wichtiger Test ist auch, ob der Patient Linien gerade oder wellenförmig sieht. Dies erlaubt Rückschlüsse auf mögliche Netzhautschäden. Zudem untersucht der Augenarzt den vorderen und den hinteren Augenabschnitt mit der Netzhaut. Dies geschieht mithilfe einer beleuchteten Speziallupe, der Spaltlampe. Hierzu werden die Pupillen mit Augentropfen geweitet. Bei Bedarf kommen auch weitere Untersuchungsmethoden zum Einsatz.

Welches sind die häufigsten Erkrankungen?

Kaymak: Bei Diabetikern spielen vor allem Probleme der Netzhaut eine wichtige Rolle, besonders das diabetische Makulaödem. Dabei schwillt die Stelle des schärfsten Sehens an, und die Sehschärfe verschlechtert sich. Im fortgeschrittenen Stadium der diabetischen Netzhautveränderung können auch krankhafte Gefäße in die Netzhaut wachsen. Im Extremfall erblinden die davon Betroffenen. Aber auch der Graue Star, bei dem sich die Linse des Auges immer mehr eintrübt, tritt bei Diabetikern häufiger und auch früher auf.

Wie häufig tritt das diabetische Makulaödem auf?

Kaymak: Leider sehr häufig. Die Statistik zeigt, dass 15 Jahre nach der Diagnose fast jeder dritte Diabetiker unter einem diabetischen Makulaödem leidet. Die Untersuchungen beim Augenarzt spielen eine wichtige Rolle.

Aber gibt es auch Warnzeichen, auf die Diabetiker achten können?

Kaymak: Ich habe bereits die Linien angesprochen. Es gibt den sogenannten Amslertest mit geraden, senkrechten und waagerechen Linien. Sieht man diese wellenförmig, sollte man rasch einen Augenarzt aufsuchen. Wer keinen Amslertest zur Hand hat, kann auch auf die Fliesen im Bad oder in der Küche schauen. Ebenfalls ein Warnzeichen ist, wenn sich die Sehschärfe plötzlich verschlechtert. Auch ein trockenes Auge sollte zu einem Augenarztbesuch veranlassen.

Wie wird das diabetische Makulaödem behandelt?

Kaymak: Hierzu spritzt der Augenarzt sogenannte VEGF-Hemmer in das Auge. Diese bremsen das Wachstum der krankhaften Gefäße in der Netzhaut. Der kurze Eingriff erfolgt unter sterilen Bedingungen in einem OP-Raum. Deswegen bieten nur spezielle Augenärzte diese Therapie an. Und keine Angst: Der Augenarzt desinfiziert das Auge vorher und betäubt es mit Tropfen. Die Patienten bekommen nichts von der Spritze mit. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen.

Wie oft muss gespritzt werden?

Kaymak: Es handelt sich um eine chronische Erkrankung. Eine Spritze reicht deswegen nicht aus, und die Therapie dauert mehrere Jahre. Ein typischer Patient würde im ersten Jahr sieben Spritzen erhalten, im zweiten Jahr wären es sechs und im dritten fünf. Die gute Nachricht: Durch eine gesunde Ernährung, Sport und einen gut eingestellten Blutzucker wirken die Spritzen besser und eventuell lässt sich auch die Zahl der Behandlungen reduzieren. Umgekehrt verschlechtert sich die Wirkung der VEGF-Hemmer durch Übergewicht, Bluthochdruck und schlechte Blutzuckerwerte. Die Spritzen helfen dann nicht so gut, wie sie eigentlich könnten.

Viele Patienten scheuen sicher die Spritzen …

Kaymak: Um die Spritze kommt man nicht herum. Aber es gibt mittlerweile auch Langzeitpräparate, die über ein halbes bis zu drei Jahren wirken. Der Wirkstoff befindet sich dann in einem speziellen Depot im Auge, aus dem er sich mit der Zeit langsam herauslöst und zur Netzhaut gelangt.

Was können Diabetiker vorbeugend tun?

Kaymak: Es spielt eine entscheidende Rolle, dass Diabetiker ihren Langzeitblutzuckerwert, den sogenannten HbA1c, im Griff haben. Das ist der beste Schutz für die Augen. Dies gilt in beide Richtungen. Der HbA1c-Wert sollte weder zu hoch noch zu niedrig sein. Zudem tut den Augen gut, wenn der Blutdruck nicht zu hoch ist und man nicht unter Übergewicht leidet.

Vielen Dank für das Gespräch!

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