Gesundheit

Norovirus-Ausbruch am Gardasee: Was hilft und wie schützt man sich?

Dr. Frank Schäfer  |  03.07.2024

Übelkeit, heftiger Brechdurchfall, Bauch- und Muskelschmerzen: Wegen eines Norovirus-Ausbruchs am Gardasee mussten in den vergangenen Tagen viele Urlauber im Krankenhaus behandelt werden. Ursache ist vermutlich verunreinigtes Trinkwasser. Wie schützt man sich und was ist zu tun, wenn man sich angesteckt hat?

Junge Frau, liegt mit Bauchschmerzen im Bett.
Starke Bauchschmerzen und Brechdurchfall, der plötzlich beginnt, sind charakteristisch für eine Infektion mit dem Novovirus.
© Ivan-balvan/iStockphoto

In den vergangenen Tagen mussten bereits mehr als 300 Gäste und Einwohner der am Gardasee gelegenen Gemeinde Torri del Benaco wegen einer Norovirus-Infektion in Klinken behandelt werden, etwa 900 Fälle von Magen-Darm-Infektionen wurden bis zum 1. Juli registriert.

Norovirus-Ausbrüche wie aktuell in Oberitaliensind nicht nur in der Urlaubssaison, sondern das ganze Jahr über möglich – mit einem saisonalen Höhepunkt in den Monaten Oktober bis März. Infizierte scheiden das Virus vor allem über den Stuhl aus. Es gilt als extrem ansteckend und breitet sich daher besonders in Gemeinschaftseinrichtungen rasch aus. Nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) können schon 10 bis 100 Viruspartikel genügen, wenn man sie etwa über infizierte Oberflächen mit den Händen und über diese in den Mund aufnimmt. Weitere Infektionswege: Einatmen virushaltiger feinster Wassertröpfchen, wie sie Infizierte beim Erbrechen abgeben, oder der Verzehr virusbelasteter Lebensmittel.

Wie schützt man sich?

Gesunde können sich vor Noroviren nur durch einige Verhaltensmaßregeln schützen, eine Impfung gegen diese Viren gibt es nicht. Wichtig ist eine gute Handhygiene mit Wasser und Seife, vor allem nach Toilettengängen sowie vor der Zubereitung von Speisen und vor dem Essen. Zudem sollte man die Hände stets mit einem sauberen Handtuch sorgfältig abtrocknen, so die BzGA. Durch diese Handhygienemaßnahmen könne man verhindern, dass Krankheitserreger aus dem Darm über verunreinigte Hände in den Mund gelangen.

Infizierte sind oft länger ansteckend

Die Zeit von der Ansteckung bis zu den oft plötzlich auftretenden Symptomen beträgt sechs Stunden bis zu zwei Tage. Die Beschwerden klingen meist nach ein bis zwei Tagen vollständig ab. Bis etwa 48 Stunden danach werden noch recht viele Erreger mit dem Stuhl ausgeschieden. Doch auch bis zu zwei Wochen oder vereinzelt länger können Erkrankte Viren abgeben und ansteckend sein, informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzGA) im Internet.

An einer Norovirus-Infektion erkrankten Personen empfiehlt die BzGA, sich zu schonen, den Kontakt zu anderen Menschen einzuschränken und gibt ihnen darüber hinaus folgende Hinweise: 

  • Bei Durchfall und Erbrechen ist es wichtig, viel zu trinken.
  • Um den Verlust von Salzen auszugleichen, kann gegebenenfalls der Einsatz von Elektrolyt-Ersatzlösungen aus der Apotheke sinnvoll sein.
  • Achten Sie auf leicht verdauliche Nahrung mit ausreichender Salzzufuhr.
  • Vor allem Kleinkinder, Schwangere, Senioren oder geschwächte Menschen sollten ärztlich behandelt werden, besonders, wenn Durchfälle oft auftreten und/oder länger als zwei bis drei Tage anhalten und zusätzlich Fieber oder Erbrechen hinzukommen.
  • Es lassen sich nur Beschwerden lindern, Antibiotika sind gegen Noroviren unwirksam.
  • Benutzen Sie, wenn möglich, eine eigene Toilette bis zu zwei Tage nach Genesung. Achten Sie besonders in den zwei Wochen nach der Erkrankung darauf, sich nach jedem Toilettengang gründlich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen und die Toilette sauber zu halten!
  • Beseitigen Sie immer sehr zügig die Reste von Erbrochenem oder Stuhl, da diese sehr ansteckend sind. Achten Sie danach auf gründliche Händehygiene!
  • Bereiten Sie im Erkrankungsfall keine Speisen für andere zu. Geschirr kann wie üblich gereinigt werden.
  • Wechseln Sie im Krankheitsfall Leib- und Bettwäsche, Waschlappen und Handtücher häufig und waschen Sie diese mit einem Vollwaschmittel bei mindestens 60 Grad Celsius.
  • Vermeiden Sie auch nach Abklingen der Beschwerden mindestens für zwei Tage den Besuch von Altenheimen oder Krankenhäusern, um eine Ansteckung dort zu verhindern.
  • Achten Sie auch im Anschluss grundsätzlich immer auf sorgfältige Hände- und Sanitärhygiene. Bei einem Ausbruch im Krankenhaus wird das Personal besondere Hygienemaßnahmen ergreifen.
  • Bei Noroviren gelten die Regelungen des Infektionsschutzgesetzes. Kinder unter sechs Jahren, bei denen ansteckendes Erbrechen und/oder Durchfall festgestellt wurde bzw. der Verdacht darauf besteht, dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten vorübergehend nicht besuchen. Eltern müssen die Gemeinschaftseinrichtung über die Erkrankung ihres Kindes informieren. In der Regel kann die Einrichtung erst zwei Tage nach Abklingen der Beschwerden wieder besucht werden. Den genauen Zeitpunkt bestimmt das zuständige Gesundheitsamt. Ein schriftliches ärztliches Attest ist nicht erforderlich.
  • Wer beruflich mit bestimmten Lebensmitteln zu tun hat, darf bei ansteckendem Erbrechen und/oder Durchfall frühestens zwei Tage nach Abklingen der Beschwerden wieder arbeiten. Das gilt auch für den Verdachtsfall.

Quellen: RKI: Ratgeber Noroviren, infektionsschutz.de, zeit.de, tagesschau.de

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