Gesundheit

Spinnengift gegen Reizdarm-Syndrom

Dr. Karen Zoufal  |  25.06.2021

Gegen das Reizdarm-Syndrom gibt es bislang noch keine wirksame Behandlung. Forscher haben nun in Tierversuchen gute Erfolge mit dem Gift von Taranteln erzielt: Schon nach einer Dosis waren die Symptome deutlich geringer.

Vogelspinne, sitzt auf der Hand eines Menschen.
Das Gift der Vogelspinne enthält ein Molekül, das Reizdarm-Patienten helfen könnte.
© Iuliia Safronova/iStockphoto

Die Forscher vermuteten, dass bestimmte Kanäle in den Zellmembranen von Nervenzellen für die Schmerzen beim chronischen Reizdarmschmerzen verantwortlich sind. Um diese zu blockieren, untersuchten sie verschiedene Spinnengifte, von denen bekannt ist, dass sie die Aktivität solcher Kanäle verändern. Im Gift einer peruanischen Vogelspinne wurden sie fündig und entdeckten ein Molekül mit vielversprechender blockierender Wirkung. Über ihre Ergebnisse berichten sie in der Zeitschrift „ACS Pharmacology & Translational Science“.

Um das Potenzial dieses Spinnengiftes für die Behandlung zu testen, untersuchten die Forscher Schmerzreflexe bei Mäusen mit einem Reizdarmsyndrom. Bereits eine einzige Behandlung mit dem Gift, das in den Dickdarm der Mäuse verabreicht wurde, reduzierte das Auftreten dieses Reflexes deutlich, was eine effektive Schmerzlinderung andeutet. Darüber hinaus schien das Gift sehr spezifisch zu wirken und störte andere Körperfunktionen nicht. Das lässt darauf hoffen, dass es ohne schwere Nebenwirkungen auch beim Menschen verwendet werden kann.

Das Reizdarmsyndrom geht mit chronischen Bauchschmerzen und Darmbeschwerden einher. Derzeit gibt es keine wirksamen Behandlungsmöglichkeiten. Das Schmerzempfinden entsteht durch elektrische Signale, die von Nervenzellen zum Gehirn übertragen werden. An der Signalübertragung sind winzige Kanäle in der Oberfläche der Nervenzellen beteiligt, die Natriumionen in die Zelle fließen lassen. Es gibt zahlreiche Arten dieser Natriumkanäle. Einige schmerzstillende Medikamente wirken, indem sie diese blockieren. Sie wirken jedoch nicht sehr spezifisch, so dass für andere Körperfunktionen wichtige Kanäle ebenfalls blockiert werden, was nur eine kurzzeitige Anwendung erlaubt.

Quelle: DOI 10.1021/acsptsci.1c00072

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