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Videosprechstunde: „Für einige perfekt, für andere katastrophal“

Dr. Karen Zoufal  |  02.11.2021

Die Corona-Pandemie hat der Telemedizin einen Schub gegeben. Eine Studie unter Rheumapatienten und ihren Ärzten hat ergeben, dass die meisten zwar Telefon- oder Videosprechstunden bequemer fanden als den Praxisbesuch vor Ort, sich aber weniger gut versorgt fühlten oder andere Probleme beim Zugang zur medizinischen Versorgung hatten.

Ärztin im Behandlungszimmer mit Tablet in der Hand.
Viele Ärzte haben während der Corona-Pandemie verstärkt auf Online-Sprechstunden gesetzt.
© jacoblund/iStockphoto

Mit 86 Prozent der Patienten und 93 Prozent der Ärzte war eine überwältigende Mehrheit der Befragten der Meinung, dass Diagnosen per Telemedizin weniger genau gestellt werden als bei einer persönlichen Konsultation. Die Telemedizin erschwere es Patienten und Ärzten, ein vertrauensvolles medizinisches Verhältnis aufzubauen, meinten 90 Prozent der Kliniker und 69 Prozent der Patienten. Über 60 Prozent der Ärzte und Patienten fanden Telemedizin jedoch bequemer als persönliche Arztbesuche.

Während Ärzte ein besonders Potential der Videosprechstunden für eine schnelle Reaktion auf plötzliche Verschlechterungen bei ihren Patienten sahen, schilderten  viele Patienten Schwierigkeiten damit, eine Antwort auf ihr Anfrage oder einen Termin zu bekommen. Es gab auch Bedenken, dass Telemedizin Ungleichheiten bei der Behandlung von ohnehin benachteiligten Patientengruppen noch verschärfen könnten.

Das Forschungsteam kam zu dem Schluss, dass die Telemedizin durch Schulungen und eine sorgfältige Auswahl der Patienten verbessert werden kann. Prof. Caroline Gordon von der Universität Birmingham sagte: „Einige Patienten mit stabilen rheumatischen Erkrankungen können von Telemedizin profitieren, aber neue Patienten, solche mit sich verschlechternden Symptomen oder komplexeren Erkrankungen brauchen schnell zugängliche, persönliche Termine.“ Ein Klinikleiter, der an der Studie teilgenommen hatte, fasste dies prägnant zusammen: „Eine angemessene Patientenauswahl ist der Schlüssel; Telemedizin ist für einige perfekt, für andere katastrophal“.

Für die Studie, die in der Fachzeitschrift Rheumatology veröffentlicht wurde, wurden Online-Umfragen unter 1.340 Patienten und 111 Ärzten sowie ausführliche Interviews mit 31 Patienten und 29 Ärzten durchgeführt. Die Mehrheit der Patienten hatte eine entzündliche Arthritis (32 Prozent) oder systemischen Lupus erythematodes (32 Prozent). Dies ist die erste Studie zur Telemedizin, in die Daten von Rheumatologen, Hausärzten und Krankenhausärzten eingingen.

Quelle: DOI 10.1093/rheumatology/keab796

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