Schlechte Blutfettwerte schaden insbesondere durch hohe Spiegel an LDL-Cholesterin Herz und Kreislauf. Ist zu viel davon im Blut, lagert sich Cholesterin in den Blutgefäßwänden ab und fördert die auch als Gefäßverkalkung bekannte Arteriosklerose. Damit steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche – oft lange unbemerkt. Wer überhöhte LDL-Werte konsequent senkt, kann vorbeugen. Doch hier gibt es Probleme in Deutschland.
Studie zeigt: Viele Patienten erreichen ihre Cholesterin-Ziele nicht
Das von drei deutschen Fachgesellschaften aus den Bereichen Kardiologie und Fettstoffwechselstörungen ins Leben gerufene Forschungsprojekt „LipidSnapshot“ erhob Daten in Kardiologischen Arztpraxen und analysierte rückwirkend Daten aus Allgemeinarztpraxen. Es sollte festgestellt werden, welcher Anteil der Patienten mit erheblichen Herz-Kreislauf-Krankheiten jeweils eine das LDL-Cholesterin senkende medikamentöse Therapie bekam. Außerdem wurde geprüft, welcher Prozentsatz an Patienten die von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie für sie empfohlenen LDL-Zielwerte von 55 mg/dl (1.4 mmol/l) und darunter erreichten. Das Ergebnis:
- Bei Kardiologen schafften den Zielwert nur etwa 27 Prozent der Patienten.
- In Hausarztpraxen erreichten ihn nur rund 12 Prozent.
Frauen bekommen seltener Medikamente zur Cholesterinsenkung verschrieben
Gut jeder vierte Herzpatient in Hausarztpraxen erhielt laut Studie keine medikamentöse Therapie zur Senkung des LDL-Cholesterins, bei Kardiologen waren es nur 1,5 Prozent. Zudem erhielten Patientinnen seltener eine entsprechende Therapie als Patienten und sie erreichten auch weniger häufig den empfohlenen LDL-Zielwert.
Warum die Therapie oft nicht optimal läuft
Die Gründe sind vielfältig. Unterschiedliche Leitlinien führen dazu, dass Hausärzte teils weniger strenge Zielwerte verfolgen als Kardiologen. Ein weiteres Problem besteht aus Sicht von Experten darin, dass die Behandlung mit sogenannten PCSK9-Hemmern, die LDL-C besonders stark senken, in Deutschland zunächst nur von bestimmten Fachärzten begonnen werden darf, nicht aber von Fachärzten für Allgemeinmedizin. Die Folgeverordnung sei ist dann zwar theoretisch möglich, werde Experten zufolge in der Praxis aber nur selten umgesetzt.
Statine wirken oft besser als ihr Ruf
Hinzu kommt: Patienten und mitunter auch Ärzte unterschätzen das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Krankheiten, wenn ungünstige Blutfettwerte unzureichend gesenkt werden. Das geschieht oft aus Sorge vor Nebenwirkungen. Dabei zeigen Studien, dass gängige Medikamente zur Senkung hoher LDL-Cholesterinwerte wie etwa Statine gut verträglich sind.
Was Fachleute jetzt fordern
Experten sind sich einig: Je stärker das LDL-Cholesterin gesenkt wird, desto besser sind Herz und Gehirn geschützt – besonders bei Menschen mit hohem Risiko oder bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine konsequente Therapie kann viele schwere Ereignisse verhindern. Um bestehende Versorgungslücken zu schließen, fordern Fachleute unter anderem:
- Einigung auf einheitliche Therapieziele,
- weniger Bürokratie beim Zugang zu modernen Medikamenten,
- mehr Aufklärung und Transparenz für Patienten,
- Hausärzte sollen noch besser in die Versorgung eingebunden werden,
- eine engere Nachsorge, beispielsweise durch digitale Erinnerungen.
Eine wirksame Senkung des LDL-Cholesterins ist heute gut möglich, wird aber noch zu selten konsequent umgesetzt. Doch wer seine Werte regelmäßig kontrolliert und die Therapie einhält, kann sein Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich senken.