Neue Analysen im WHO-Auftrag zu GLP-1-Medikamenten zeigen Wirkung beim Abnehmen, aber auch Lücken in unabhängiger Forschung.

GLP-1-Medikamente wie Semaglutid, Tirzepatid oder Liraglutid – auch bekannt als „Abnehmspritze“ – gelten als neue Hoffnung für Menschen mit starkem Übergewicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat drei aktuelle Cochrane-Analysen in Auftrag gegeben, um den Effekt bei Adipositas zu prüfen.
Das Ergebnis in aller Kürze: Die Medikamente können zu einem deutlichen Gewichtsverlust führen. Aber bei der Analyse ist den Forschenden aufgefallen: Die Hersteller hatten bei vielen Studien ihre Finger im Spiel, unabhängige Daten fehlen also.
Die Wirkstoffe ahmen ein Hormon nach, das die Verdauung verlangsamt und das Sättigungsgefühl verlängert. Ergebnisse im Detail:
Hinsichtlich Herzkreislauf-Erkrankungen, Lebensqualität oder Sterblichkeit schnitten die GLP-1-Medikamente kaum besser ab als Schein-Medikamente. Übelkeit und Schwierigkeiten im Magen-Darm-Trakt waren allerdings unter Nutzern der GLP-1-Arzneien üblicher und einige beendeten die Behandlung wegen der Nebenwirkungen.
„Diese Medikamente haben das Potenzial, in den ersten zwölf Monaten erheblichen Gewichtsverlust zu bewirken“, fasst Juan Franco von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf die Ergebnisse in einer Mitteilung zur Analyse zusammen. Allerdings fehlten Daten: „Wir brauchen mehr Daten zu langfristigen Auswirkungen und zum Herz-Kreislauf-System“, betont Eva Madrid von der Universidad de Valparaíso in Chile.
Denn bei den meisten Studien waren Hersteller bei der Planung, Durchführung, Analyse und Veröffentlichung der Ergebnisse wesentlich beteiligt, kritisiert das Autorenteam. Dadurch bestehe die Gefahr von Interessenkonflikten. Es fehlen unabhängige Studien. Zudem seien fast alle Untersuchungen in reichen Ländern durchgeführt worden. Studien vom afrikanischen Kontinent, aus den Ländern Zentralamerikas und Südostasiens fehlten.
Neben wissenschaftlicher Unabhängigkeit fordern Fachleute auch faire Preise – denn die hohen Kosten für Abnehmspritzen wie Semaglutid oder Tirzepatid erschweren den Zugang.
Die Ergebnisse sollen in neue WHO-Leitlinien zur Behandlung von Adipositas einfließen, die bald veröffentlicht werden. Sie sollen helfen, Nutzen und Risiken der GLP-1-Arzneien besser abzuschätzen.
Quelle: DOI 10.1002/14651858.CD015092.pub2
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