Eine überstandene Brustkrebserkrankung bedeutet für viele Frauen Hoffnung auf dauerhafte Gesundheit. Doch neue Forschung zeigt: Atemwegsinfektionen wie Covid-19 oder die Grippe könnten schlafende Tumorzellen in der Lunge wieder aktivieren – mit Folgen für das Rückfallrisiko.

Auch nach erfolgreicher Behandlung können vereinzelt Tumorzellen im Körper verbleiben – bei Brustkrebs häufig in der Lunge. Diese sogenannten „schlafenden“ Zellen (DCC) können jahrzehntelang unbemerkt bleiben. Eine neue Studie legt nahe, dass Virusinfektionen wie SARS-CoV-2 oder Influenza diese ruhenden Zellen wieder aktivieren könnten.
Ein Team um Dr. Shi Biao Chia von der University of Colorado fand heraus: Bei Mäusen mit ruhenden Brustkrebszellen führte eine Infektion mit Grippe- oder Coronaviren zu einer starken Vermehrung der DCC in der Lunge: 100- bis zu 1000-fach im Vergleich zu gesunden Tieren. Innerhalb weniger Tage zeigten die Krebszellen typische Zeichen der Reaktivierung.
Der entscheidende Auslöser: ein körpereigener Entzündungsbotenstoff namens Interleukin-6. Dieser verändert die schlafenden Zellen so, dass sie sich wieder teilen – ein möglicher Beginn der Metastasenbildung.
Eine weitere überraschende Erkenntnis: CD4-T-Zellen, normalerweise Teil der körpereigenen Abwehr, scheinen das erneute Wachstum der Krebszellen sogar zu unterstützen. Die Beobachtung, dass diese Krebszellen das Immunsystem manipulierten, um sich selbst zu schützen, anstatt sie zu eliminieren, sei „wirklich ziemlich schockierend“ gewesen“, so Studienleiter Professor James DeGregori.
Zwei große Datensätze aus Großbritannien und den USA bestätigen den Verdacht: Brustkrebspatientinnen, die sich mit Covid-19 infiziert hatten, entwickelten deutlich häufiger Lungenmetastasen. Auch die Sterblichkeit war erhöht – besonders in den ersten Monaten nach der Infektion.
Die Ergebnisse der Studie werfen die spannende Frage auf, ob Medikamente, die IL-6 blockieren das Risiko einer Metastasenbildung nach Virusinfektionen verringern könnten. Noch fehlt dazu der Beweis, doch die Forschung läuft auf Hochtouren.
Quellen: DOI https://doi.org/10.1038/s41586-025-09332-0; DOI https://doi.org/10.1038/d41586-025-02420-1
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel, Luftbelastung durch duftende Putzmittel…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern