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Fakten-Check: 4 Mythen zur Corona-Impfung

Pharmazeutin Laura Rudolph  |  21.01.2021

Kaum ist die Corona-Impfaktion angelaufen, verbreiten sich im Netz Gerüchte zu den Impfstoffen. Von Unfruchtbarkeit, Erbgutveränderung und Nebenwirkungen ist die Rede. Ist da etwas dran? aponet.de hat sich die vier gängigsten Impf-Mythen genau angeschaut.

Älterer Mann lässt sich impfen.
Viele Bürger fürchten, die Corona-Impfstoffe seien durch die schnelle Zulassung unsicherer als andere Impfstoffe. Diese Sorge ist jedoch unbegründet.
© Drazen Zigic/iStockphoto

Kurz zur Theorie der neuartigen Impfstoffe: Eine Impfung macht den Körper mit einem Krankheitserreger bekannt, ohne dass man krank wird. Das ist auch bei der Corona-Impfung so. Hier wird sogenannte messengerRNA, kurz mRNA, gespritzt. Diese Molekülkette enthält einen Bauplan, mit dem menschliche Zellen ein bestimmtes Coronavirus‑Eiweiß, das Spike-Protein, selbst herstellen. Das ist für den Körper nicht gefährlich, führt aber dazu, dass unser Immunsystem dieses Virus-Protein kennenlernt und passende Abwehrstoffe und Gedächtniszellen bildet. So erinnert es sich noch lange Zeit an den Erreger und kann ihn beim nächsten Kontakt abwehren.

Mythos 1: mRNA-Impfstoffe verändern das Erbgut

Nein. Die mit der Impfung verabreichte mRNA unterscheidet sich strukturell von menschlichem Erbgut, der DNA. mRNA besteht aus einer einzelnen Kette von Molekülen, DNA dagegen aus einem Doppelstrang, ähnlich einer verdrehten Leiter. Außerdem sind beide Varianten aus verschiedenen Grundbausteinen aufgebaut. Um mRNA in DNA umzuwandeln, bräuchte es ein ganz bestimmtes Enzym, die Reverse Transkriptase, die normale menschliche Zellen nicht besitzen. Und ohne diesen Umbau in DNA ist es dem Impfstoff unmöglich, sich in das Erbgut einzulagern.

Mythos 2: Frauen werden durch die Impfung unfruchtbar

Im Netz kursiert folgendes Gerücht: Das Spike-Protein, das Zellen nach der Impfung herstellen, ähnele stark dem sogenannten Synticin‑1-Protein. Dieses Eiweiß braucht der Körper in der Schwangerschaft für den Aufbau der Plazenta, die den Nachwuchs mit Nährstoffen versorgt. Deshalb könnten Antikörper gegen das Corona-Eiweiß auch das Synticin‑1 angreifen und die Funktion des Mutterkuchens stören. Bisher gibt es keine Belege, dass das zutrifft. Daher sind sich Experten sicher, dass die Impfung die weibliche Fruchtbarkeit nicht beeinträchtigt. Zum einen ähneln sich die genannten Proteine nur zu einem sehr geringen Teil. Zum anderen hätte es bei Schwangeren, die bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben, bereits zu negativen Auswirkungen auf das ungeborene Kind kommen müssen, was jedoch nicht der Fall ist. Denn auch bei einer richtigen Corona-Infektion bildet der Körper eben jene Antikörper gegen das Spike-Protein.

Mythos 3: Ein Impfstoff, der so schnell entwickelt wurde, kann nicht ausreichend sicher sein

Vorweg: Die Impfstoffe gegen Covid-19 müssen die gleichen hohen Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit erfüllen wie andere Impfstoffe auch. Das Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland überwacht die Einhaltung dieser Kriterien.

Pharmazeutische Hersteller müssen die Zulassung des Impfstoffes bei der European Medicines Agency (EMA) beantragen. Die EMA beschleunigte das Verfahren für die Corona‑Impfstoffe wegen hoher Dringlichkeit. In Form von sogenannten „Rolling Reviews“ bewertete sie fortlaufend Zwischenergebnisse von Studien, anstatt erst nach Erhalt aller Daten mit der Auswertung zu beginnen. Die Hersteller führten die drei für die Zulassung notwendigen Stufen der klinischen Prüfung teilweise parallel durch anstatt nacheinander.

Zudem konnten Erkenntnisse über den Aufbau und die Eigenschaften von bereits bekannten, artverwandten Coronaviren teilweise auf das SARS-CoV-2-Virus übertragen werden. Als Beispiel sei an dieser Stelle der Erreger der SARS-Pandemie von 2002 erwähnt. Forschung von damals bildete die Basis und beschleunigte die aktuelle Impfstoff-Findung. Die neuartigen mRNA-Impfstoffe können zudem mit höchst effizienten Methoden der Gentechnologie hergestellt werden. Bei früheren Impfstoff-Entwicklungen wurden abgeschwächte Viren benötigt, die zuvor erst in zeitaufwändigen Prozessen vermehrt werden mussten.

Fazit: Eine Kombination aus neueren Technologien, bereits vorhandener wissenschaftlicher Forschung und niedrigeren bürokratischen Hürden ermöglichte eine schnelle Zulassung mit gewohnter Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit.

Mythos 4: Der Impfstoff hat mehr Nebenwirkungen als andere Impfungen

Stimmt nicht. Von den 613.347 Menschen, bis zum 10. Januar 2021 mit dem Präparat von Biontech/Pfizer geimpft worden waren, meldeten insgesamt 325 Personen Nebenwirkungen. Das zeigt ein Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI). Kopfschmerzen, lokale Reaktionen an der Einstichstelle wie Schwellungen und Schmerzen sowie Müdigkeit standen dabei oben auf der Liste. Diese vorübergehenden Reaktionen zeigen, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert und kommen in ähnlicher Häufigkeit auch bei anderen Impfstoffen beispielsweise gegen Tetanus oder Grippe vor.

51 Personen klagten über schwerwiegendere Nebenwirkungen, davon 17 allergische Reaktionen, die laut PEI auf den Impfzusatz Polyethylenglykol zurückzuführen sein könnten. Bezogen auf die Allergien entspricht das einer derzeit geschätzten Melderate von 9,8 Fällen pro eine Million verabreichte Impf-Dosen. Die durchschnittliche Häufigkeit solcher Reaktionen liegt bei in Deutschland zugelassenen Impfstoffen zwischen 0,4 und 11,8. 

Es traten auch einzelne Todesfälle in zeitlicher Nähe zu den Impfungen auf. Hier halten die PEI-Experten Vorerkrankungen der Geimpften für die wahrscheinlichste Ursache. Die Zahl der Todesfälle insgesamt entsprach in etwa der, die normalerweise statistisch in einer solch großen Gruppe von Menschen im selben Zeitraum zu erwarten ist.

Insgesamt lässt sich bisher sagen, dass sich die Nebenwirkungen der neuen mRNA-Impfung nicht auffällig von denen anderer Impfungen unterscheiden.

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