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Corona-Impfung: Diese Nebenwirkungen traten bisher auf

Natascha Koch / Apotheker Rüdiger Freund  |  19.07.2021

Welche Nebenwirkungen können nach der Covid-19-Impfung auftreten? Das Spektrum reicht von eher harmlosen grippeähnlichen Reaktionen über Zyklusstörungen bis hin zu seltenen schwereren Impfkomplikationen wie Thrombosen, Anaphylaxien, Herzmuskelentzündungen oder dem Guillain-Barré-Syndrom. Wie häufig sie vorkommen und wie sie verlaufen, zeigt der aktuelle Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts sowie die Auswertungen internationaler Gesundheitsbehörden zu den Impfstoffen von Biontech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson.

Mann zeigt seine mit Pflaster beklebte Impfstelle am Oberarm.
Die meisten Menschen bemerken kaum unerwünschte Effekte durch die Covid-19-Impfung.
© Prostock-Studio/iStockphoto.com

Seit die Corona-Impfkampagne in Deutschland startete, protokollieren Gesundheitsbehörden alle Impfungen und die gemeldeten unerwünschten Wirkungen. Bislang kamen in Deutschland die mRNA-Impfstoffe "Comirnaty" von Biontech/Pfizer und "Spikevax" von Moderna zum Einsatz, sowie die Vektor-Impfstoffe "Vaxzevria" der Firma AstraZeneca und "COVID-19-Impfstoff Janssen" von Johnson & Johnson. Zu diesen verzeichnet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in seinem aktuellen Sicherheitsbericht insgesamt 106.835 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. 10.578 davon wurden als schwerwiegend eingestuft. Wie sich die Melderate auf die einzelnen Impfstoffe verteilt, zeigt die folgende Tabelle. 

Melderate von Nebenwirkungen für Covid-19-Impfstoffe in Deutschland

Melderate pro 1000 ImpfungenDurchschnittComirnaty
(Biontech/Pfizer)
Spikevax
(Moderna)
Vaxzevria
(AstraZeneca)
Janssen
(Johnson & Johnson)
insgesamt1,40,92,23,41,6
schwerwiegend0,10,10,10,30,1

Quelle: Sicherheitsbericht PEI vom 15.7.2021

Knapp drei Viertel der Verdachtsfallmeldungen betreffen Frauen - für alle Impfstoffe fast gleichermaßen. Ob die Verdachtsfallmeldungen nach der ersten oder zweiten Impfung erfolgt sind, kann das PEI nicht immer eindeutig feststellen, da teilweise die Angabe dazu in den Berichten fehlt. Seit dem 31.05.2021 ist Comirnaty auch für 12- bis 15-Jährige zugelassen. Das PEI erhielt 24 Nebenwirkungsmeldungen aus dieser Altersgruppe bis zum 30.6.2021 - fast ausschließlich zu Lokalreaktionen und bekannten Allgemeinreaktionen..

Häufige Nebenwirkungen halten nur kurz an

Allgemein sind die häufigsten Impfreaktionen eher harmlos, dauern nur wenige Stunden bis Tage an. Sie unterscheiden sich je nach Impfstoff: Nach Comirnaty standen Kopfschmerzen, Ermüdung und Schmerzen an der Injektionsstelle im Vordergrund, nach Vaxzevria lauteten die Meldungen vor allem grippeähnliche Erkrankung, Fieber und Schüttelfrost. Nach Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff Moderna wurden am häufigsten Lokalreaktionen, inklusive Schmerzen an der Injektionsstelle, gemeldet. 

Bei den bisher in Deutschland gemeldeten Reaktionen handele es sich laut PEI „um bekannte und in der Fachinformation aufgeführte systemische, vorübergehende unerwünschte Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl, die insgesamt als Grippe-ähnliche Beschwerden zusammengefasst werden können“. Diese Reaktionen treten kurz nach der Impfung auf und seien nicht mit schwereren oder länger andauernden Erkrankungen verbunden. Solche Impfreaktionen lassen sich mit schmerz- und fiebersenkenden Arzneimitteln behandeln. Experten empfehlen die Mittel jedoch mit Einschränkungen

Die 10 häufigsten Nebenwirkungen

  1. Schmerzen an der Impfstelle
  2. Ermüdung
  3. Kopfschmerzen
  4. Örtliche Reaktion an der Impfstelle
  5. Fieber
  6. Muskelschmerzen
  7. Schüttelfrost
  8. Schwindelgefühl
  9. Grippeähnliche Erkrankung
  10. Unwohlsein

Das PEI hat sich ebenfalls speziell mit Meldungen zu Zyklusstörungen, die mit Blutungen einhergingen, befasst: z.B. starke Menstruationsblutung, vaginale Blutung, Zwischenblutungen aber auch Dysmenorrhoe und postmenopausale Blutungen. Hierzu gab es insgesamt 131 Meldungen (45 Comirnaty, 4 Spikevax, 86 Vaxzevria). Aufgrund der Zahl der Spontanmeldungen unter Berücksichtigung der Impfquote sieht das PEI hier derzeit kein Risikosignal. Mehr dazu lesen Sie auch im Beitrag Beeinflusst die Covid-Impfung die Menstruation? auf aponet.de.

Schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in sehr seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen. Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, die die Experten als medizinisch bedeutsam einstufen oder bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden, wie bei der sogenannten Anaphylaxie. Seit dem Impfstart in Deutschland bis zum 30. Juni 2021 traten laut PEI insgesamt 224 Fälle auf, bei denen die Reaktion der internationalen Klassifizierung entsprach. 167 davon betrafen den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Bei dem Impfstoff des US-Konzerns Moderna wurden in Deutschland bisher 14 Fälle, bei AstraZeneca 40 Anaphylaxie-Fälle berichtet, bei Janssen 2. Ein weiterer Fall konnte keinem Impfstoff zugeordnet werden.

Den Impfstoff von AstraZeneca empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) mittlerweile nur noch für Personen über 60 Jahre. Grund dafür sind Thrombosen mit begleitender Thrombozytopenie (TTS), zum Teil auch mit Blutungen. Bei einer Thrombozytopenie sinkt die Zahl der Blutplättchen unter einen bestimmten Wert, was Blutungen hervorrufen kann. Diese Komplikationen wurden in sehr seltenen Fällen bei Menschen unter 60 Jahren nach der Impfung mit Vaxzevria in Deutschland und anderen europäischen Ländern beobachtet. Dies schließt sowohl Meldungen venöser Thrombosen, wie Blutgerinnsel der Hirnvenen, so genannten Sinusthrombosen, als auch arterieller Thrombosen ein.  Bis zum 30.6.2021 wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 157 Fälle eines TTS berichtet, die nach Impfung mit Vaxzevria auftraten. Nur ein Fall trat nach der Zweitimpfung auf. Daraus ergibt sich eine Gesamtmelderate von 1,35 Fällen eines TTS auf 100.000 Erstimpfungen mit Vaxzevria. Unter 60-Jährige, die bereits einmal mit Vaxzevria geimpft wurden, sollen für die zweite Impfung einen anderen Wirkstoff erhalten. Mehr dazu lesen Sie in dem Beitrag Corona-Impfung von AstraZeneca nur noch ab 60 Jahre. Mittlerweile weisen die Spontanmeldungen darauf hin, dass TTS alle Altersgruppen und beide Geschlechter betrifft. Aber auch bei den anderen Impfstoffen wurden Fälle verzeichnet: sechs Fälle nach Impfung mit dem COVID-19 Impfstoff Janssen, zwölf Fälle nach Comirnaty und nach Spikevax wurde ein Fall eines TTS berichtet. 

Wer vier bis 16 Tage nach einer Impfung – also nach Abklingen der üblichen Impfreaktionen – Symptome wie Kurzatmigkeit, Unterleibsschmerzen oder Schwellungen in Armen oder Beinen entwickelt, soll sich an einen Arzt wenden. Auch bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sollten Betroffene sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ausführlicher informiert dazu der Beitrag Kopfschmerzen nach Impfung: Ist es eine Thrombose?.

Entzündungen am Herzen unter Beobachtung

Weitere Nebenwirkungen, die das Paul-Ehrlich-Institut genauer betrachtet, sind eine Herzmuskelentzündung, fachsprachlich Myokarditis, bzw. eine Entzündung des Herzbeutels, Perikarditis genannt. Meistens verläuft die Myokarditis ohne Symptome, es können dadurch aber auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten. Im zeitlichen Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung wurden bisher in Deutschland 226 Fälle einer Myokarditis und/oder Perikarditis diagnostiziert, hauptsächlich nach Impfung mit den mRNA-Impfstoffen Comirnaty und Spikevax und bei Personen unter 50 Jahren. 

Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die US-Amerikanische Gesundheitsbehörde CDC haben die Berichte zu Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen genauer ausgewertet. Alle kommen zu der Bewertung, dass der Nutzen der Covid-19-Impfung trotzdem in allen Bevölkerungsgruppen die Risiken überwiegt. Lediglich bei Jüngeren (mit dem höchsten Myokarditis-Risiko) fällt der Nutzen wegen eines niedrigeren Risikos für schwere Covid-19-Verläufe geringer aus als bei Älteren. Die entzündlichen Erkrankungen traten in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung auf, bei der zweiten Dosis etwas häufiger als bei der ersten. Geimpfte, die einen mRNA-Impfstoff erhalten haben, sollten auf folgende Symptome achten:

  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • kräftiger Herzschlag, der auch arrhythmisch sein kann 

In der Regel verbessern sich die Beschwerden durch eine Behandlung oder durch Ruhe.

Seltene Nervenerkrankung nach Vektor-Impfstoffen?

Darüber hinaus beobachtet das PEI auch Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (GBS), einer Entzündung von Nerven, die mit Lähmungen einhergeht. Insgesamt wurden 91 Fälle davon ans PEI gemeldet, 54 in Zusammenhang mit der Gabe von Vaxzevria, 28 für Comirnaty, 5 für Spikevax und 4 für den Impfstoff von Johnson & Johnson. Auf folgende mögiche Symptome weist die US-Arzneimittelbehörde FDA in diesem Zusammenhang hin: 

  • Schwäche in Armen und Beinen
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Schwierigkeiten bei Bewegungen des Gesichts (auch beim Kauen, Sprechen und Schlucken)
  • Schwierigkeiten, Blase und Darm zu kontrollieren
  • Schwierigkeiten, die Augen zu bewegen, und Doppeltsehen

Wer diese Symptome bemerkt, sucht am besten einen Arzt auf. In den der FDA gemeldeten Fällen traten sie meist innerhalb von 42 Tagen nach der Impfung auf.

Einhellige Meinung zum Nutzen-Risiko-Verhältnis

Vereinzelt wurde auch über Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung berichtet. Bis zum 31.5.2021 verstarben insgesamt 873 Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung, durchschnittlich im Alter von 82 Jahren. Bei der Mehrzahl der verstorbenen Personen bestanden mehrfache Vorerkrankungen, wie z. B. Krebsleiden, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen und arteriosklerotische Veränderungen, die vermutlich todesursächlich waren. 73 verstarben an Covid-19.

Insgesamt betrachtet sind schwerwiegende Nebenwirkungen sehr selten und der Nutzen einer Impfung gegen Covid-19 überwiegt deutlich die Risiken. Zur selben Einschätzung gelangte auch die Europäische Arzneimittelagentur EMA in ihren Auswertungen zu Comirnaty, dem Moderna-Impfstoff und der AstraZeneca-Impfstoff. Sie sieht darüber hinaus keine Anhaltspunkte für bisher unbekannte Risikofaktoren.

    Wie häufig welches Präparat verimpft wurde und weitere Statistiken rund um den Fortschritt der Covid-19-Impfkampagne gibt das Robert Koch-Institut tagesaktuell auf der Website impfdashboard.de bekannt.

     

    Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

    Quellen:

    Aktueller Sicherheitsbericht vom 15.7.2021
    Sicherheitsbericht des PEI (v. 10.6.2021)
    Sicherheitsbericht des PEI (v. 7.5.2021)
     

     

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