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Corona-Impfung: Diese Nebenwirkungen traten bisher auf

LR/RF/NK  |  10.05.2021

Bei der Impfung gegen das Coronavirus beschäftigt viele die Frage: Welche Nebenwirkungen können dabei auftreten? Seit die Impfkampagne Ende 2020 in Deutschland startete, protokollieren Gesundheitsbehörden die gemeldeten unerwünschten Wirkungen. Zu den weitaus häufigsten gehören eher harmlose Impfkomplikationen, wie die Sicherheitsberichte des Paul-Ehrlich-Instituts zeigen. Aber auch schwerere Nebenwirkungen wie Thrombosen oder Anaphylaxien traten auf.

Mann zeigt seine mit Pflaster beklebte Impfstelle am Oberarm.
Die meisten Menschen bemerken kaum unerwünschte Effekte durch die Covid-19-Impfung.
© Prostock-Studio/iStockphoto.com

Bislang kamen in Deutschland die Covid-19-Impfstoffe Comirnaty von Biontech/Pfizer, Covid-19-Impfstoff Moderna, Vaxzevria der Firma AstraZeneca und COVID-19-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson zum Einsatz. Zu diesen verzeichnet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in seinem aktuellen Sicherheitsbericht insgesamt 49.691 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. 4.916 davon wurden als schwerwiegend eingestuft. Wie sich die Melderate auf die einzelnen Impfstoffe verteilt, zeigt die folgende Tabelle. 

Melderate von Nebenwirkungen für Covid-19-Impfstoffe in Deutschland

Melderate pro 1000 ImpfungenDurchschnittComirnaty
(Biontech/Pfizer)
ModernaVaxzevria
(AstraZeneca)
Janssen
insgesamt1,70,91,84,51,4
schwerwiegend0,20,10,10,4-

Quelle: Sicherheitsbericht PEI vom 7.5.2021

Etwa drei Viertel der Verdachtsfallmeldungen betreffen Frauen - für alle Impfstoffe fast gleichermaßen. Das PEI führt das auf den höheren Frauenanteil bei den Impfungen zurück. Ob die Verdachtsfallmeldungen nach der ersten oder zweiten Impfung erfolgt sind, kann das PEI nicht immer eindeutig feststellen, da teilweise die Angabe dazu in den Berichten fehlt. Der Wert für Covid-19-Vaccine Janssen ist noch ungenau, da im aktuellen Berichtszeitraum bis zum 30.4.2021 erst gut 2.000 Impfungen damit stattfanden. Spitzreiter war Comirnaty mit insgesamt über 21 Millionen Impfungen.

Häufige Nebenwirkungen halten nur kurz an

Allgemein sind die häufigsten Impfreaktionen eher harmlos, dauern nur wenige Stunden bis Tage an. Sie unterscheiden sich je nach Impfstoff: Nach Comirnaty standen Kopfschmerzen, Ermüdung und Schmerzen an der Injektionsstelle im Vordergrund, nach Vaxzevria lauteten die Meldungen vor allem grippeähnliche Erkrankung, Fieber und Schüttelfrost. Nach Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff Moderna wurden am häufigsten Lokalreaktionen, inklusive Schmerzen an der Injektionsstelle, gemeldet. 

Bei den bisher in Deutschland gemeldeten Reaktionen handele es sich laut PEI „um bekannte und in der Fachinformation aufgeführte systemische, vorübergehende unerwünschte Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl, die insgesamt als Grippe-ähnliche Beschwerden zusammengefasst werden können“. Diese Reaktionen treten kurz nach der Impfung auf und seien nicht mit schwereren oder länger andauernden Erkrankungen verbunden. Solche Impfreaktionen lassen sich mit schmerz- und fiebersenkenden Arzneimitteln behandeln. Experten empfehlen die Mittel jedoch mit Einschränkungen

Schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in sehr seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen wie der sogenannten Anaphylaxie. Seit dem Impfstart in Deutschland bis zum 30. April 2021 traten laut PEI insgesamt 147 Fälle auf, bei denen die Reaktion der internationalen Klassifizierung entsprach. 113 davon betrafen den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Bei dem Impfstoff des US-Konzerns Moderna wurden in Deutschland bisher 10 Fälle, bei AstraZeneca 42 Anaphylaxie-Fälle berichtet.

In Deutschland wurden die Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca zwischen dem 15.03.2021 und dem 19.03.2021 kurzzeitig ausgesetzt. Grund dafür war ein vermehrtes Aufreten von Blutgerinnseln der Hirnvenen, die im zeitlichen Zusammenhang mit dem AstraZeneca-Impfstoff standen. Die Entscheidung sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat daraufhin die Vorfälle genau geprüft und am Donnerstag, 18.3.2021, bekanntgegeben, dass der Nutzen des Impfstoff von AstraZeneca die möglichen Risiken bei weitem übertreffe. Künftig gibt es aber einen Warnhinweis in der Liste der möglichen Nebenwirkungen. Seit Freitag, 19.03.2021, geht es mit den Impfungen in Deutschland weiter. 

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, nur noch Personen über 60 Jahre mit dem Impfstoff von AstraZeneca zu impfen. Grund dafür sind Thrombosen mit begleitender Thrombozytopenie (TTS), zum Teil auch mit Blutungen. Bei einer Thrombozytopenie sinkt die Zahl der Blutplättchen unter einen bestimmten Wert, was Blutungen hervorrufen kann. Diese Komplikationen wurden in sehr seltenen Fällen bei Menschen unter 60 Jahren nach der Impfung mit Vaxzevria in Deutschland und anderen europäischen Ländern beobachtet. Dies schließt sowohl Meldungen venöser Thrombosen, wie zerebralen Sinusthrombosen, als auch arterieller Thrombosen ein. 

Das PEI und der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz der EMA haben einen ursächlichen Zusammenhang zwischen der Impfung mit Vaxzevria und den TTS als möglich angesehen. Unter 60-Jährige, die bereits einmal mit Vaxzevria geimpft wurden, sollen für die zweite Impfung einen anderen Wirkstoff erhalten. Mehr dazu lesen Sie in dem Beitrag Corona-Impfung von AstraZeneca nur noch ab 60 Jahre. Bis zum 30.04.2021 wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 67 Fälle einer TTS berichtet, die nach Impfung mit Vaxzevria auftraten. Nach Comirnaty und COVID-19-Impfstoff Moderna wurde bisher kein Fall eines TTS berichtet.

Thrombosen: Warnhinweis für Impfstoffe von AstraZeneca und Janssen

Auch die „Covid-19-Vaccine Janssen“ kann in seltenen Fällen ungewöhnliche Thrombosen verursachen, wie die die EMA festgestellt hat. Darüber informiert auch der Hersteller in einem Rote-Hand-Brief an die Fachkreise. Trotzdem empfehlen die Experten den Impfstoff ohne Einschränkungen, da die Nebenwirkungen sehr selten seien. 

Wer vier bis 16 Tage nach einer Impfung – also nach Abklingen der üblichen Impfreaktionen – Symptome wie Kurzatmigkeit, Unterleibsschmerzen oder Schwellungen in Armen oder Beinen entwickelt, soll sich an einen Arzt wenden. Auch bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sollten Betroffene sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ausführlicher informiert dazu der Beitrag Kopfschmerzen nach Impfung: Ist es eine Thrombose?.

Vereinzelt wurde auch über Todesfälle berichtet. Bis zum 30. April 2021 verstarben insgesamt 524 Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung, durchschnittlich im Alter von 82 Jahren. Diese Zahl übersteigt jedoch nicht den Wert, der statistisch im selben Zeitraum in dieser Altersgruppe zu erwarten ist. Bei der Mehrzahl der verstorbenen Personen bestanden mehrfache Vorerkrankungen, wie z. B. Krebsleiden, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen und arteriosklerotische Veränderungen, die vermutlich todesursächlich waren. 

Insgesamt betrachtet sind schwerwiegende Nebenwirkungen sehr selten und der Nutzen einer Impfung gegen Covid-19 überwiegt deutlich den Risiken. Zur selben Einschätzung gelangte auch die Europäische Arzneimittelagentur EMA in ihren Auswertungen zu Comirnaty, dem Moderna-Impfstoff und der AstraZeneca-Impfstoff. Sie sieht darüber hinaus keine Anhaltspunkte für bisher unbekannte Risikofaktoren.

Die 10 häufigsten Nebenwirkungen

  1. Kopfschmerzen
  2. Ermüdung
  3. Schmerzen an der Impfstelle
  4. Örtliche Reaktion
  5. Fieber
  6. Schüttelfrost
  7. Muskelschmerzen
  8. Grippeähnliche Erkrankung
  9. Schwindelgefühl
  10. Unwohlsein

Wie häufig welches Präparat verimpft wurde und weitere Statistiken rund um den Fortschritt der Covid-19-Impfkampagne gibt das Robert Koch-Institut tagesaktuell auf der Website impfdashboard.de bekannt.

 

Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

Quellen:
Aktueller Sicherheitsbericht des PEI (v. 7.5.2021)
PEI zu AstraZeneca-Impfstoff

 

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