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Ein Jahr Corona-Impfung: Diese Nebenwirkungen traten bisher auf

Natascha Koch / Apotheker Rüdiger Freund  |  28.12.2021

Nach der Covid-19-Impfung treten bei vielen Menschen Impfreaktionen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle auf. In sehr seltenen Fällen wird auch von schweren Impfkomplikationen berichtet. Lesen Sie hier, wie häufig diese vorkommen.

 

Zwei Senioren mit Maske und Pflaster auf dem Oberarm, halten einen Daumenhoch in die Kamera.
Impfreaktionen nach einer Covid-19-Impfung sind völlig normal und harmlos. Nur in sehr seltenen Fällen gibt es unerwünschte Komplikationen.
© whyframestudio/iStockphoto

Seit die Corona-Impfkampagne in Deutschland vor einem Jahr am 27.12.2020 startete, protokollieren Gesundheitsbehörden alle Impfungen und die gemeldeten unerwünschten Wirkungen. Deutlich wurde in dieser Zeit: Die ganz überwiegende Mehrzahl der Nebenwirkungen sind vorübergehende
lokale und systemische Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit. Schwerwiegende Nebenwirkungen, über die im Folgenden berichtet wird, sind sehr selten, der Nutzen der Impfung übertrifft diese Risiken bei Weitem. 

Bislang kamen in Deutschland die mRNA-Impfstoffe "Comirnaty" von Biontech/Pfizer und "Spikevax" von Moderna zum Einsatz, sowie die Vektor-Impfstoffe "Vaxzevria" der Firma AstraZeneca und "COVID-19-Impfstoff Janssen" von Johnson & Johnson. Zu diesen verzeichnet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in seinem aktuellen Sicherheitsbericht insgesamt 196.974 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. Die Melderate betrug für alle Impfstoffe zusammen 1,6 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Reaktionen 0,2 Meldungen pro 1.000 Impfdosen. Wie sich die Melderate auf die einzelnen Impfstoffe verteilt, zeigt die folgende Tabelle. 

Melderate von Nebenwirkungen für Covid-19-Impfstoffe in Deutschland

Melderate pro 1000 ImpfungenDurchschnittComirnaty
(Biontech/Pfizer)
Spikevax
(Moderna)
Vaxzevria
(AstraZeneca)
Janssen
(Johnson & Johnson)
insgesamt1,61,22,73,62,2
schwerwiegend0,20,170,180,480,27

Quelle: Sicherheitsbericht PEI vom 23.12.2021

Bei der Auffrischungsimpfung liegt die Zahl der gemeldeten Nebenwirkungen deutlich niedriger: Bis zum 30.11.2021 wurden insgesamt 268 Meldungen schwerwiegender Reaktionen nach der dritten Impfung gemeldet. Gerade die Fälle von Herzmuskelentzündungen sind nach der Booster-Impfung deutlich seltener als nach der ersten oder zweiten Impfung.

Häufige Nebenwirkungen halten nur kurz an

Allgemein sind die häufigsten Impfreaktionen harmlos und dauern nur wenige Stunden bis Tage an. Solche Impfreaktionen lassen sich mit schmerz- und fiebersenkenden Arzneimitteln behandeln. Experten empfehlen die Mittel jedoch mit Einschränkungen

Die 10 häufigsten Nebenwirkungen

  1. Schmerzen an der Impfstelle
  2. Ermüdung
  3. Kopfschmerzen
  4. Schwindelgefühl
  5. Muskelschmerzen
  6. Grippeähnliche Erkrankung
  7. Gliederschmerzen
  8. Übelkeit
  9. Unwohlsein
  10. Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Ameisenlaufen, Taubheit)

Nebenwirkungen bei den 12- bis 17-Jährigen

Seit Juni 2021 werden die Impfstoffe Comirnaty und Spikevax auch für die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen verwendet. Dem Paul-Ehrlich-Institut sind seit Beginn der Impfkampagne insgesamt 2.777 Verdachtsfälle einer Nebenwirkung gemeldet worden, in denen bei Kindern und Jugendlichen mindestens eine Impfreaktion berichtet worden ist. Die häufigsten Nebenwirkungen ähneln denen der Erwachsenen, am häufigsten wurden Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Ermüdung, Fieber, Schwindelgefühl und grippeähnliche Erkrankung genannt.

Anaphylaxie: Allergischer Schock

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in sehr seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen. Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, die die Experten als medizinisch bedeutsam einstufen oder bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden, wie bei der sogenannten Anaphylaxie. Bis zum 30.11.2021 wurden in Detuschland 452 Meldungen einer anaphylaktischen Reaktion berichtet.   

Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei jungen Männern

Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und/oder eine Entzündung des Herzbeutels (Perikarditis) sind ebenfalls eine sehr seltene Nebenwirkungen nach den mRNA-Impfstoffen Comirnaty und Spikevax. Eine Myokarditis kann sich mit Brustschmerzen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen äußern. Häufig ist gleichzeitig auch der Herzbeutel entzündet. In den meisten Fällen bildet sich eine akute Entzündung des Herzens innerhalb kurzer Zeit von alleine oder mit Hilfe von Medikamenten und körperlicher Schonung zurück.

Laut PEI haben männliche Jugendliche und junge Männer zwischen 18 und 29 Jahren nach der zweiten Impfung das größte Risiko für diese Impfkomplikation (8,97 bzw 8,68 Fälle pro 100.000 Impfdosen). Bei weiblichen Jugendliche und jungen Frauen ist die Melderate in der gleichen Altersgruppe mit 0,76 bzw. 1,53 Fälle pro 100.000 Impfdosen deutlich geringer. In beiden Fällen sinkt die Melderate mit steigendem Alter. Da die Melderate nach einer Impfung mit Spikevax deutlich höher lag als bei Comirnaty, wird dieser Impfstoff in Deutschland nur noch für Personen über 30 Jahren verwendet.

Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die US-Amerikanische Gesundheitsbehörde CDC haben die Berichte zu Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen genauer ausgewertet. Alle kommen zu der Bewertung, dass der Nutzen der Covid-19-Impfung trotzdem in allen Bevölkerungsgruppen die Risiken überwiegt. Lediglich bei Jüngeren (mit dem höchsten Myokarditis-Risiko) fällt der Nutzen wegen eines niedrigeren Risikos für schwere Covid-19-Verläufe geringer aus als bei Älteren. Die entzündlichen Erkrankungen traten in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung auf, bei der zweiten Dosis etwas häufiger als bei der ersten. Geimpfte, die einen mRNA-Impfstoff erhalten haben, sollten auf folgende Symptome achten:

  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • kräftiger Herzschlag, der auch arrhythmisch sein kann 

In der Regel verbessern sich die Beschwerden durch eine Behandlung oder durch Ruhe.

Thrombosen nach der Impfung

Den Impfstoff von AstraZeneca empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) nur für Personen über 60 Jahre. Grund dafür sind Thrombosen mit begleitender Thrombozytopenie (TTS), zum Teil auch mit Blutungen. Bei einer Thrombozytopenie sinkt die Zahl der Blutplättchen unter einen bestimmten Wert, was Blutungen hervorrufen kann. Diese Komplikationen wurden in sehr seltenen Fällen bei Menschen unter 60 Jahren nach der Impfung mit Vaxzevria in Deutschland und anderen europäischen Ländern beobachtet. Dies schließt sowohl Meldungen venöser Thrombosen, wie Blutgerinnsel der Hirnvenen, so genannten Sinusthrombosen, als auch arterieller Thrombosen ein. Bis zum 30.11.2021 wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 200 Fälle eines TTS berichtet, die nach Impfung mit Vaxzevria auftraten. Aber auch bei den anderen Impfstoffen wurden Fälle verzeichnet: 24 Fälle nach Impfung mit dem COVID-19 Impfstoff Janssen, 36 Fälle nach Comirnaty und nach Spikevax wurde 5 Fälle eines TTS berichtet. 

Wer vier bis 16 Tage nach einer Impfung – also nach Abklingen der üblichen Impfreaktionen – Symptome wie Kurzatmigkeit, Unterleibsschmerzen oder Schwellungen in Armen oder Beinen entwickelt, soll sich an einen Arzt wenden. Auch bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sollten Betroffene sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ausführlicher informiert dazu der Beitrag Kopfschmerzen nach Impfung: Ist es eine Thrombose?.

Guillain-Barré-Syndrom nach Vektor-Impfstoffen?

Darüber hinaus beobachtet das PEI auch sehr seltene Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (GBS). Insgesamt wurden 314 Fälle gemeldet, die Melderate liegt bei 0,45 pro 100.000 Impfungen. Beim GBS handelt es sich um eine Entzündung von Nerven, die mit Lähmungen einhergeht. Auf folgende mögliche Symptome weist die US-Arzneimittelbehörde FDA in diesem Zusammenhang hin: 

  • Schwäche in Armen und Beinen
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Schwierigkeiten bei Bewegungen des Gesichts (auch beim Kauen, Sprechen und Schlucken)
  • Schwierigkeiten, Blase und Darm zu kontrollieren
  • Schwierigkeiten, die Augen zu bewegen, und Doppeltsehen

Wer diese Symptome bemerkt, sucht am besten einen Arzt auf. In den der FDA gemeldeten Fällen traten sie meist innerhalb von 42 Tagen nach der Impfung auf. 

    Wie häufig welches Präparat verimpft wurde und weitere Statistiken rund um den Fortschritt der Covid-19-Impfkampagne gibt das Robert Koch-Institut tagesaktuell auf der Website impfdashboard.de bekannt.

    Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

    Quellen:
    Aktueller Sicherheitsbericht des PEI vom 23.12.2021
    Sicherheitsbericht des PEI vom 29.10.2021
    Sicherheitsbericht des PEI v. 20.9.2021
    Sicherheitsbericht des PEI v. 15.7.2021
    Sicherheitsbericht des PEI v. 10.6.2021
    Sicherheitsbericht des PEI v. 7.5.2021

     

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