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Corona-Impfung: Diese Nebenwirkungen traten bisher auf

LR/RF  |  05.03.2021

Bei der Impfung gegen das Coronavirus beschäftigt viele die Frage: Welche Nebenwirkungen können dabei auftreten? Seit die Impfkampagne Ende 2020 in Deutschland startete, protokollieren Gesundheitsbehörden wie das Paul-Ehrlich-Institut die gemeldeten unerwünschten Wirkungen der mittlerweile drei auf dem Markt befindlichen Impfstoffe. Zu den weitaus häufigsten gehören eher harmlose Impfkomplikationen, wie die Sicherheitsberichte zeigen. Aber auch schwerere Nebenwirkungen traten auf.

Kanüle und Fläschchen mit Impfstoff
Das Paul-Ehrlich-Institut überwacht fortlaufend die Sicherheit von Impfstoffen. Es veröffentlicht alle zwei Wochen einen Sicherheitsbericht über die Impfstoffe gegen Covid-19.
© filmfoto/iStockphoto

Bei 5.910.537 Impfungen (Stand 26. Februar 2021) kam 5.378.703-mal Comirnaty von Biontech/Pfizer zum Einsatz, 168.189-mal der Covid-19-Impfstoff Moderna und 363.645-mal der Covid-19-Impfstoff der Firma AstraZeneca. Er wurde bis Anfang März nur bei Personen unter 65 Jahren eingesetzt.

Insgesamt verzeichnet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in seinem aktuellen Sicherheitsbericht über 11.915 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. 3.290 davon wurden als schwerwiegend eingestuft. Wie sich die Melderate auf die einzelnen Impfstoffe verteilt, zeigt die folgende Tabelle. Wegen der bisher geringen Anzahl von Impfungen mit den Impfstoffen von Moderna und AstraZeneca betrachtet das PEI die Berichtsrate für diese Präparate als vorläufigen Wert.

Melderate von Nebenwirkungen für Covid-19-Impfstoffe in Deutschland

Fälle pro 1000 ImpfungenDurchschnittBiontech/PfizerModernaAstraZeneca
insgesamt2,01,62,97,6
schwerwiegend0,60,30,63,7

Quelle: Sicherheitsbericht PEI vom 4.3.2021

Obwohl die Melderate von Verdachtsfällen von Nebenwirkungen für den AstraZeneca-Impfstoff in Deutschland derzeit höher ist als die für die beiden mRNA-Impfstoffe, heißt das laut PEI nicht zwangsläufig, dass der Impfstoff tatsächlich mehr Reaktionen auslöst. Die erhöhte Melderate könne auch mit der erhöhten medialen Aufmerksamkeit für den Impfstoff und den unterschiedlichen Altersgruppen der geimpften Personen zusammenhängen. „Auch wurden viele Meldungen als gefühlt schwerwiegend gemeldet, obwohl es sich beispielsweise um vorübergehende Fieberreaktionen gehandelt hat“, schreibt das PEI in seinem aktuellen Bericht. „Offenbar zeigte sich zumindest in Großbritannien kein großer Unterschied der Melderaten zwischen Comirnaty und dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca“, so das PEI weiter.

Häufige Nebenwirkungen halten nur kurz an

Die häufigsten Impfreaktionen sind eher harmlos, dauern nur wenige Stunden bis Tage an und lassen sich gut mit schmerz- und fiebersenkenden Arzneimitteln behandeln. Sie unterscheiden sich je nach Impfstoff: Bei dem Biontech/Pfizer-Präparat handelte es sich bei jeweils gut sieben Prozent der gemeldeten Nebenwirkungen um Kopfschmerzen und Fieber. Beim Moderna-Impfstoff stehen Fieber mit acht Prozent der Komplikationen und Schmerzen an der Impfstelle mit sechs Prozent im Vordergrund. Beim AstraZeneca-Präparat bestanden etwa 15 Prozent der Impfreaktionen in grippeähnlichen Symptomen. Fieber machte knapp 14 Prozent aus. Bei den bisher in Deutschland gemeldeten Reaktionen handele es sich laut PEI „um bekannte und in der Fachinformation aufgeführte systemische, vorübergehende unerwünschte Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl, die insgesamt als Grippe-ähnliche Beschwerden zusammengefasst werden können“. Diese Reaktionen treten kurz nach der Impfung auf und seien nicht mit schwereren oder länger andauernden Erkrankungen verbunden.

Schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in sehr seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen wie der sogenannten Anaphylaxie. Seit dem Impfstart in Deutschland bis zum 26. Februar 2021 traten laut PEI insgesamt 67 Fälle auf, bei denen die Reaktion der internationalen Klassifizierung entsprach. 63 davon betrafen den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Bei dem Impfstoff des US-Konzerns Moderna wurde in Deutschland bisher ein Fall, bei AstaZeneca drei Anaphylaxie-Fälle berichtet. In den USA traten bei insgesamt mehr als 17 Millionen verimpfter Dosen 4,7 Fälle pro 1 Million Comirnaty-Impfungen und 2,5 Fälle pro 1 Million Impfdosen für den Covid-19-Impfstoff Moderna auf.

Vereinzelt wurde auch über Todesfälle berichtet. Bis zum 26. Februar 2021 verstarben insgesamt 330 Personen im Zeitraum von wenigen Stunden bis zu 34 Tage nach der Impfung, davon 157 an einer ungeklärten Ursache. Diese Zahl übersteigt jedoch nicht den Wert, der statistisch im selben Zeitraum in dieser Altersgruppe zu erwarten ist.

Insgesamt betrachtet sind schwerwiegende Nebenwirkungen sehr selten und der Nutzen einer Impfung gegen Covid-19 überwiegt deutlich den Risiken. Zur selben Einschätzung gelangte auch die Europäische Arzneimittelagentur EMA in ihren Auswertungen zu Comirnaty und dem Moderna-Impfstoff. Sie sieht darüber hinaus keine Anhaltspunkte für bisher unbekannte Risikofaktoren.

Die 10 häufigsten Nebenwirkungen

  1. Fieber
  2. Kopfschmerzen
  3. Schüttelfrost
  4. Ermüdung
  5. Grippeähnliche Erkrankung
  6. Muskelschmerzen
  7. Schmerzen an der Impfstelle
  8. Schwindelgefühl
  9. Schwäche 
  10. Übelkeit

 

Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

Quellen:
Sicherheitsbericht des PEI v. 4.3.2021
EMA Sicherheitsupdates: Comirnaty v. 28.1.2021, Moderna v. 5.2.2021
PEI zu AstraZeneca-Impfstoff

 

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