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Corona-Impfstoffe: Diese Nebenwirkungen traten bisher auf

Natascha Koch / Apotheker Rüdiger Freund  |  06.05.2022

Mittlerweile liegen erste Daten für Nuvaxovid, den fünften in Deutschland zugelassenen Covid-19-Impfstoff, vor. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sammelt kontinuierlich Daten zu gemeldeten Impfreaktionen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit und zu schweren Impfkomplikationen. Lesen Sie hier, wie häufig diese vorkommen.

 

Zwei Senioren mit Maske und Pflaster auf dem Oberarm, halten einen Daumenhoch in die Kamera.
Impfreaktionen nach einer Covid-19-Impfung sind völlig normal und harmlos. Nur in sehr seltenen Fällen gibt es unerwünschte Komplikationen.
© whyframestudio/iStockphoto

Seit die Corona-Impfkampagne in Deutschland am 27.12.2020 startete, protokollieren Gesundheitsbehörden alle Impfungen und die gemeldeten unerwünschten Wirkungen. Deutlich wurde in dieser Zeit: Die ganz überwiegende Mehrzahl der Nebenwirkungen sind vorübergehende lokale und systemische Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit. Schwerwiegende Nebenwirkungen, über die im Folgenden berichtet wird, sind sehr selten, der Nutzen der Impfung übertrifft diese Risiken bei Weitem. 

Bislang kamen in Deutschland die mRNA-Impfstoffe "Comirnaty" von Biontech/Pfizer und "Spikevax" von Moderna zum Einsatz, sowie die Vektor-Impfstoffe "Vaxzevria" der Firma AstraZeneca und "Jcovden", ehemals "COVID-19-Impfstoff Janssen", von Johnson & Johnson. Im Februar 2022 kam der proteinbasierte Impfstoff "Nuvaxovid" von Novavax dazu. Zu diesen fünf Impfstoffen verzeichnet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in seinem aktuellen Sicherheitsbericht insgesamt 296.233 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. Die Melderate betrug für alle Impfstoffe zusammen 1,7 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Reaktionen 0,2 Meldungen pro 1.000 Impfdosen. Wie sich die Melderate auf die einzelnen Impfstoffe verteilt, zeigt die folgende Tabelle. 

Melderate von Nebenwirkungen pro 1000 Impfungen für Covid-19-Impfstoffe in Deutschland

Impfstoffinsgesamtschwerwiegend
Durchschnitt1,70,2
Comirnaty (Biontech/Pfizer)1,20,2
Spikevax (Moderna)1,70,1
Vaxzevria (AstraZeneca)3,60,5
Jcovden (Johnson & Johnson)2,60,3
Nuvaxovid (Novavax)4,20,3

Quelle: Sicherheitsbericht PEI vom 4.5.2022

Bei der Auffrischungsimpfung liegt die Zahl der gemeldeten Nebenwirkungen deutlich niedriger: Bis zum 31.3.2022 lag die Melderate pro 1000 Impfungen bei Comirnaty bei 0,5 und die der schwerwiegenden Fälle bei 0,04. Für Spikevax lag die Rate bei 0,6 bzw. 0,04. Gerade die Fälle von Herzmuskelentzündungen sind nach der Booster-Impfung deutlich seltener als nach der ersten oder zweiten Impfung.

Neu: Nuvaxovid

Bis zum 31. März 2022 kam der sogenannte Totimpfstoff Nuvaxovid etwa 172.000 zu Einsatz. Dem PEI wurden in diesem Zeitraum insgesamt 390 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen gemeldet. Am häufigsten wurden Ermüdung, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Injektionsstelle sowie andere in der Fachinformation genannte grippeähnliche Beschwerden und Allgemeinreaktionen berichtet.

Zudem wurden Nervenprobleme wie Parästhesien, Hypoästhesie und Gefühlsstörung beschrieben. »Parästhesie bezeichnet eine unangenehme, aber primär nicht schmerzhafte Körperempfindung, die nicht durch adäquate Reize ausgelöst wird«, schreibt das PEI. Diese Störungen seien auch nach Immunisierung mit anderen Impfstoffen, einschließlich Covid-19-Impfstoffen, berichtet worden. Die Ursache ist laut PEI unbekannt. Drei Verdachtsfallmeldungen bezogen sich auf einen Herpes Zoster (Gürtelrose), davon ein Fall eines Herpes Zoster opticus, also einer Gürtelrose am Auge. Eine Verdachtsfallmeldung beschreibt eine Fazialisparese (Gesichtslähmung).

Häufige Nebenwirkungen halten nur kurz an

Allgemein sind die häufigsten Impfreaktionen harmlos und dauern nur wenige Stunden bis Tage an. Solche Impfreaktionen lassen sich mit schmerz- und fiebersenkenden Arzneimitteln behandeln. Experten empfehlen die Mittel jedoch mit Einschränkungen

Die 10 häufigsten Nebenwirkungen

  1. Kopfschmerzen
  2. Ermüdung
  3. Schmerzen an der Impfstelle
  4. Fieber
  5. Schüttelfrost
  6. Grippeähnliche Erkrankung
  7. Gliederschmerzen
  8. Schwindelgefühl
  9. Muskelschmerzen
  10. Übelkeit

Comirnaty ist ab einem Alter von 5 Jahren und Spikevax ab einem Alter von 6 Jahren zugelassen. Dem Paul-Ehrlich-Institut sind seit Beginn der Impfkampagne insgesamt 5.862 Verdachtsfälle einer Nebenwirkung in dieser Altersgruppe gemeldet worden. Die häufigsten Nebenwirkungen ähneln denen der Erwachsenen, am häufigsten wurden Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Ermüdung, Fieber, Schwindelgefühl und grippeähnliche Erkrankung genannt.

Anaphylaxie: Allergischer Schock

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in sehr seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen. Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, die die Experten als medizinisch bedeutsam einstufen oder bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden, wie bei der sogenannten Anaphylaxie. Dabei ist die Melderate einer Anaphylaxie nach mRNA-Impfung bei weiblichen Impflingen insbesondere nach der ersten Dosis mit 0,98 Meldungen pro 100.000 Impfungen für Comirnaty und mit 1,07 pro 100.000 Impfungen nach Spikevax insgesamt höher als bei männlichen Impflingen und höher als bei nachfolgenden Impfungen.

Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen 

Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und/oder eine Entzündung des Herzbeutels (Perikarditis) sind ebenfalls eine sehr seltene Nebenwirkungen nach den mRNA-Impfstoffen Comirnaty und Spikevax. Eine Myokarditis kann sich mit Brustschmerzen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen äußern. Häufig ist gleichzeitig auch der Herzbeutel entzündet. In den meisten Fällen bildet sich eine akute Entzündung des Herzens innerhalb kurzer Zeit von alleine oder mit Hilfe von Medikamenten und körperlicher Schonung zurück.

Bis 31.3.2022 erhielt das PEI 2.026 Verdachtsfallmeldungen einer Myo-/und Perikarditis nach Comirnaty und 532 Verdachtsfallmeldungen nach Spikevax berichtet. Dies entspricht einer Melderate von 1,6 Verdachtsfälle pro 100.000 Impfdosen Comirnaty und 1,8 Verdachtsfälle pro 100.000 Impfdosen Spikevax. Nach einer Booster-Impfung sind die Zahlen deutlich geringer.

Laut PEI haben männliche Jugendliche und junge Männer zwischen 18 und 29 Jahren nach der zweiten Impfung das größte Risiko für diese Impfkomplikation. Bei Kindern, Jugendlichen und Frauen treten noch seltener Herzmuskelentzündungen nach der Impfung auf. Da die Melderate nach einer Impfung mit Spikevax deutlich höher lag als bei Comirnaty, wird dieser Impfstoff in Deutschland nur noch für Personen über 30 Jahren verwendet. Nach treten sie dagegen seltener auf.

Typischerweise treten erste Beschwerden innerhalb von wenigen Tagen nach der Impfung auf. Geimpfte, die einen mRNA-Impfstoff erhalten haben, sollten auf folgende Symptome achten:

  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • kräftiger Herzschlag, der auch arrhythmisch sein kann 

In der Regel verbessern sich die Beschwerden durch eine Behandlung oder durch Ruhe und verlaufen mild. In Einzelfällen treten aber auch schwerwiegende und tödliche Fälle auf: 

Thrombosen nach der Impfung

Den Impfstoff von AstraZeneca empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) nur für Personen über 60 Jahre. Grund dafür sind Thrombosen mit begleitender Thrombozytopenie (TTS), zum Teil auch mit Blutungen. Bei einer Thrombozytopenie sinkt die Zahl der Blutplättchen unter einen bestimmten Wert, was Blutungen hervorrufen kann. Diese Komplikationen wurden in sehr seltenen Fällen bei Menschen unter 60 Jahren nach der Impfung mit Vaxzevria in Deutschland und anderen europäischen Ländern beobachtet. Dies schließt sowohl Meldungen venöser Thrombosen, wie Blutgerinnsel der Hirnvenen, so genannten Sinusthrombosen, als auch arterieller Thrombosen ein. 

Wer vier bis 16 Tage nach einer Impfung – also nach Abklingen der üblichen Impfreaktionen – Symptome wie Kurzatmigkeit, Unterleibsschmerzen oder Schwellungen in Armen oder Beinen entwickelt, soll sich an einen Arzt wenden. Auch bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sollten Betroffene sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ausführlicher informiert dazu der Beitrag Kopfschmerzen nach Impfung: Ist es eine Thrombose?.

Guillain-Barré-Syndrom nach Vektor-Impfstoffen?

Darüber hinaus beobachtet das PEI auch sehr seltene Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (GBS). Beim GBS handelt es sich um eine Entzündung von Nerven, die mit Lähmungen einhergeht. Auf folgende mögliche Symptome weist die US-Arzneimittelbehörde FDA in diesem Zusammenhang hin: 

  • Schwäche in Armen und Beinen
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Schwierigkeiten bei Bewegungen des Gesichts (auch beim Kauen, Sprechen und Schlucken)
  • Schwierigkeiten, Blase und Darm zu kontrollieren
  • Schwierigkeiten, die Augen zu bewegen, und Doppeltsehen

Wer diese Symptome bemerkt, sucht am besten einen Arzt auf. In den der FDA gemeldeten Fällen traten sie meist innerhalb von 42 Tagen nach der Impfung auf. 

    Wie häufig welches Präparat verimpft wurde und weitere Statistiken rund um den Fortschritt der Covid-19-Impfkampagne gibt das Robert Koch-Institut tagesaktuell auf der Website impfdashboard.de bekannt.

    Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

    Quellen:
    Sicherheitsbericht des PEI vom 4.5.2022
    Sicherheitsbericht des PEI vom 7.2.2022
    Sicherheitsbericht vom 23.12.2021
    Sicherheitsbericht des PEI vom 29.10.2021
    Sicherheitsbericht des PEI v. 20.9.2021
    Sicherheitsbericht des PEI v. 15.7.2021
    Sicherheitsbericht des PEI v. 10.6.2021
    Sicherheitsbericht des PEI v. 7.5.2021

     

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