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Corona-Impfung: Diese Nebenwirkungen traten bisher auf

Natascha Koch / Apotheker Rüdiger Freund  |  24.09.2021

Nach der Covid-19-Impfung treten bei vielen Menschen Impfreaktionen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schmerzen an der Einstichstelle auf. In sehr seltenen Fällen wird auch von schweren Impfkomplikationen berichtet. Wie häufig diese vorkommen und wie sie verlaufen, zeigt der aktuelle Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts sowie die Auswertungen internationaler Gesundheitsbehörden zu den Impfstoffen von Biontech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson.

Junge Frau mit Pflaster von der Impfung.
Impfreaktionen nach einer Covid-19-Impfung sind völlig normal und harmlos. Nur in sehr seltenen Fällen gibt es unerwünschte Komplikationen.
© stefanamer/iStockphoto

Seit die Corona-Impfkampagne in Deutschland startete, protokollieren Gesundheitsbehörden alle Impfungen und die gemeldeten unerwünschten Wirkungen. Bislang kamen in Deutschland die mRNA-Impfstoffe "Comirnaty" von Biontech/Pfizer und "Spikevax" von Moderna zum Einsatz, sowie die Vektor-Impfstoffe "Vaxzevria" der Firma AstraZeneca und "COVID-19-Impfstoff Janssen" von Johnson & Johnson. Zu diesen verzeichnet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in seinem aktuellen Sicherheitsbericht insgesamt 156.360 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. 15.122 (9,7 Prozent) davon wurden als schwerwiegend eingestuft. Wie sich die Melderate auf die einzelnen Impfstoffe verteilt, zeigt die folgende Tabelle. 

Melderate von Nebenwirkungen für Covid-19-Impfstoffe in Deutschland

Melderate pro 1000 ImpfungenDurchschnittComirnaty
(Biontech/Pfizer)
Spikevax
(Moderna)
Vaxzevria
(AstraZeneca)
Janssen
(Johnson & Johnson)
insgesamt1,51,12,63,31,7
schwerwiegend0,150,10,10,40,1

Quelle: Sicherheitsbericht PEI vom 20.9.2021

Frauen haben insgesamt deutlich häufiger Verdachtsfälle iner Nebenwirkung berichtet als Männer. Ob die Verdachtsfallmeldungen nach der ersten oder zweiten Impfung erfolgt sind, kann das PEI nicht immer eindeutig feststellen, da teilweise die Angabe dazu in den Berichten fehlt. 

Häufige Nebenwirkungen halten nur kurz an

Allgemein sind die häufigsten Impfreaktionen eher harmlos, dauern nur wenige Stunden bis Tage an. Sie unterscheiden sich je nach Impfstoff: Nach Comirnaty standen Kopfschmerzen, Ermüdung und Schmerzen an der Injektionsstelle im Vordergrund, nach Vaxzevria lauteten die Meldungen vor allem Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost. Nach Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff Moderna wurden am häufigsten Lokalreaktionen, inklusive Schmerzen an der Injektionsstelle, gemeldet. 

Bei den bisher in Deutschland gemeldeten Reaktionen handele es sich laut PEI „um bekannte und in der Fachinformation aufgeführte systemische, vorübergehende unerwünschte Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl, die insgesamt als Grippe-ähnliche Beschwerden zusammengefasst werden können“. Diese Reaktionen treten kurz nach der Impfung auf und seien nicht mit schwereren oder länger andauernden Erkrankungen verbunden. Solche Impfreaktionen lassen sich mit schmerz- und fiebersenkenden Arzneimitteln behandeln. Experten empfehlen die Mittel jedoch mit Einschränkungen

Die 10 häufigsten Nebenwirkungen

  1. Ermüdung
  2. Kopfschmerzen
  3. Schmerzen an der Impfstelle
  4. Lokal Reaktion
  5. Fieber
  6. Muskelschmerzen
  7. Schüttelfrost
  8. Schwindelgefühl
  9. Gliederbeschwerden
  10. Unwohlsein

Nebenwirkungen bei den 12- bis 17-Jährigen

Seit einigen Monaten sind die Impfstoffe Comirnaty und Spikevax für die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen zugelassen. Dem Paul-Ehrlich-Institut sind seit Beginn der Impfkampagne insgesamt 1.228 Verdachtsfälle einer Nebenwirkung gemeldet worden, in denen bei Kindern und Jugendlichen mindestens eine Impfreaktion berichtet worden ist. Die häufigsten Nebenwirkungen ähneln denen der Erwachsenen, am häufigsten wurden Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Ermüdung, Fieber, Schwindelgefühl und Schüttelfrost genannt.

Schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in sehr seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen. Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, die die Experten als medizinisch bedeutsam einstufen oder bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden, wie bei der sogenannten Anaphylaxie. Die Melderate beträgt in Deutschland (Stand 31.08.2021) ca. sechs Fälle auf eine Million Erstimpfungen für jeden der beiden mRNA-Impfstoffe und ca. ein bis zwei Fälle auf eine Million Zweitimpfungen. Für den AstraZeneca-Impfstoff liegt die Melderate etwa gleich hoch wie für die beiden mRNA-Impfstoffe und mit drei Fällen pro eine Million Impfungen etwas niedriger für den COVID-19 Impfstoff Janssen.

Den Impfstoff von AstraZeneca empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) mittlerweile nur noch für Personen über 60 Jahre. Grund dafür sind Thrombosen mit begleitender Thrombozytopenie (TTS), zum Teil auch mit Blutungen. Bei einer Thrombozytopenie sinkt die Zahl der Blutplättchen unter einen bestimmten Wert, was Blutungen hervorrufen kann. Diese Komplikationen wurden in sehr seltenen Fällen bei Menschen unter 60 Jahren nach der Impfung mit Vaxzevria in Deutschland und anderen europäischen Ländern beobachtet. Dies schließt sowohl Meldungen venöser Thrombosen, wie Blutgerinnsel der Hirnvenen, so genannten Sinusthrombosen, als auch arterieller Thrombosen ein. Bis zum 31.8.2021 wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 174 Fälle eines TTS berichtet, die nach Impfung mit Vaxzevria auftraten, 103 bei Frauen und 70 bei Männern. Unter 60-Jährige, die bereits einmal mit Vaxzevria geimpft wurden, sollen für die zweite Impfung einen anderen Wirkstoff erhalten. Mehr dazu lesen Sie in dem Beitrag Corona-Impfung von AstraZeneca nur noch ab 60 Jahre. Aber auch bei den anderen Impfstoffen wurden Fälle verzeichnet: 13 Fälle nach Impfung mit dem COVID-19 Impfstoff Janssen, 24 Fälle nach Comirnaty und nach Spikevax wurde 3 Fälle eines TTS berichtet. 

Wer vier bis 16 Tage nach einer Impfung – also nach Abklingen der üblichen Impfreaktionen – Symptome wie Kurzatmigkeit, Unterleibsschmerzen oder Schwellungen in Armen oder Beinen entwickelt, soll sich an einen Arzt wenden. Auch bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sollten Betroffene sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ausführlicher informiert dazu der Beitrag Kopfschmerzen nach Impfung: Ist es eine Thrombose?.

Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei jungen Männern

Weitere Nebenwirkungen, die das Paul-Ehrlich-Institut genauer betrachtet, sind eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und/oder eine Entzündung des Herzbeutels (Perikarditis). Eine Myokarditis kann sich mit Brustschmerzen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzversagen äußern. Häufig ist gleichzeitig auch der Herzbeutel entzündet. In den meisten Fällen bildet sich eine akute Entzündung des Herzens innerhalb kurzer Zeit von alleine oder mit Hilfe von Medikamenten und körperlicher Schonung zurück.

Laut PEI haben junge Männer zwischen 20 und 50 Jahren das größte Risiko für diese Impfkomplikation. Im zeitlichen Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung wurden bisher in Deutschland 792 Fälle einer Myokarditis und/oder Perikarditis diagnostiziert, hauptsächlich nach Impfung mit den mRNA-Impfstoffen Comirnaty (703 Fälle) und Spikevax (89 Fälle). Nach Vaxzevria wurden 55 Fälle beobachtet, nach Jannsen 15 Fälle. Die Symptome sind bei den meisten Patienten in den ersten fünf Tagen der Impfung aufgetreten. 

Auch nach der Impfung von Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren mit Comirnaty wurden Fälle einer Myo-/Perikarditis häufiger nach der zweiten Impfdosis beobachtet. Betroffen sind auch hier vorwiegend männliche Jugendliche. So wurden bis zum 31.08.2021 aus Deutschland 58 Fälle einer Myo-/Perikarditis be Jugendlichen berichtet (56 bei Jungen, 2 bei Mädchen).

Auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die US-Amerikanische Gesundheitsbehörde CDC haben die Berichte zu Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen genauer ausgewertet. Alle kommen zu der Bewertung, dass der Nutzen der Covid-19-Impfung trotzdem in allen Bevölkerungsgruppen die Risiken überwiegt. Lediglich bei Jüngeren (mit dem höchsten Myokarditis-Risiko) fällt der Nutzen wegen eines niedrigeren Risikos für schwere Covid-19-Verläufe geringer aus als bei Älteren. Die entzündlichen Erkrankungen traten in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung auf, bei der zweiten Dosis etwas häufiger als bei der ersten. Geimpfte, die einen mRNA-Impfstoff erhalten haben, sollten auf folgende Symptome achten:

  • Atemnot
  • Brustschmerzen
  • kräftiger Herzschlag, der auch arrhythmisch sein kann 

In der Regel verbessern sich die Beschwerden durch eine Behandlung oder durch Ruhe.

Guillain-Barré-Syndrom nach Vektor-Impfstoffen?

Darüber hinaus beobachtet das PEI auch sehr seltene Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (GBS), einer Entzündung von Nerven, die mit Lähmungen einhergeht. Diese traten ausschließlich nach einer Impfung mit den Vektorimpfstoffen Vaxzevria und Janssen auf. Auf folgende mögiche Symptome weist die US-Arzneimittelbehörde FDA in diesem Zusammenhang hin: 

  • Schwäche in Armen und Beinen
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Schwierigkeiten bei Bewegungen des Gesichts (auch beim Kauen, Sprechen und Schlucken)
  • Schwierigkeiten, Blase und Darm zu kontrollieren
  • Schwierigkeiten, die Augen zu bewegen, und Doppeltsehen

Wer diese Symptome bemerkt, sucht am besten einen Arzt auf. In den der FDA gemeldeten Fällen traten sie meist innerhalb von 42 Tagen nach der Impfung auf.

Zyklusstörungen nach der Impfung

Das PEI hat sich ebenfalls speziell mit Meldungen zu Zyklusstörungen bei Frauen befasst, etwa starke Menstruationsblutung, Zwischenblutungen, postmenopausale Blutungen und eine schmerzhafte Menstruation. Hierzu gab es insgesamt 310 Meldungen (157 Comirnaty, 25 Spikevax, 127 Vaxzevria, 1 Janssen). Aufgrund der Zahl der geimpften Frauen und der generellen Häufigkeit von Zyklusstörungen sieht das PEI hier derzeit kein Risikosignal. Mehr dazu lesen Sie auch im Beitrag Beeinflusst die Covid-Impfung die Menstruation? auf aponet.de.

Nutzen der Impfung überwiegt Risiken bei weitem 

Insgesamt betrachtet sind schwerwiegende Nebenwirkungen sehr selten und der Nutzen einer Impfung gegen Covid-19 überwiegt deutlich die Risiken. Zur selben Einschätzung gelangte auch die Europäische Arzneimittelagentur EMA in ihren Auswertungen zu Comirnaty, dem Moderna-Impfstoff und der AstraZeneca-Impfstoff. Sie sieht darüber hinaus keine Anhaltspunkte für bisher unbekannte Risikofaktoren.

    Wie häufig welches Präparat verimpft wurde und weitere Statistiken rund um den Fortschritt der Covid-19-Impfkampagne gibt das Robert Koch-Institut tagesaktuell auf der Website impfdashboard.de bekannt.

     

    Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

    Quellen:
    Aktueller Sicherheitsbericht des PEI vom 20.9.2021
    Sicherheitsbericht des PEI (v. 15.7.2021)
    Sicherheitsbericht des PEI (v. 10.6.2021)
    Sicherheitsbericht des PEI (v. 7.5.2021)
     

     

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