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Corona-Impfung: Diese Nebenwirkungen traten bisher auf

Natascha Koch / Apotheker Rüdiger Freund  |  11.06.2021

Welche Nebenwirkungen können nach der Covid-19-Impfung auftreten? Das zeigt der aktuellste Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts. Zu den weitaus häufigsten gehören eher harmlose grippeähnliche Impfkomplikationen. Aber auch schwerere Nebenwirkungen wie Thrombosen oder Anaphylaxien traten bei Biontech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson auf.

Mann zeigt seine mit Pflaster beklebte Impfstelle am Oberarm.
Die meisten Menschen bemerken kaum unerwünschte Effekte durch die Covid-19-Impfung.
© Prostock-Studio/iStockphoto.com

Seit die Corona-Impfkampagne in Deutschland startete, protokollieren Gesundheitsbehörden alle Impfungen und die gemeldeten unerwünschten Wirkungen. Bislang kamen in Deutschland die Covid-19-Impfstoffe Comirnaty von Biontech/Pfizer, Covid-19-Impfstoff Moderna, Vaxzevria der Firma AstraZeneca und COVID-19-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson zum Einsatz. Zu diesen verzeichnet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in seinem aktuellen Sicherheitsbericht insgesamt 79.106 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung. 8.134 davon wurden als schwerwiegend eingestuft. Wie sich die Melderate auf die einzelnen Impfstoffe verteilt, zeigt die folgende Tabelle. 

Melderate von Nebenwirkungen für Covid-19-Impfstoffe in Deutschland

Melderate pro 1000 ImpfungenDurchschnittComirnaty
(Biontech/Pfizer)
ModernaVaxzevria
(AstraZeneca)
Janssen
insgesamt1,60,92,13,81,6
schwerwiegend0,20,10,10,40,03

Quelle: Sicherheitsbericht PEI vom 10.6.2021

Etwa drei Viertel der Verdachtsfallmeldungen betreffen Frauen - für alle Impfstoffe fast gleichermaßen. Das PEI führt das auf den höheren Frauenanteil bei den Impfungen zurück. Ob die Verdachtsfallmeldungen nach der ersten oder zweiten Impfung erfolgt sind, kann das PEI nicht immer eindeutig feststellen, da teilweise die Angabe dazu in den Berichten fehlt. Der Wert für Covid-19-Vaccine Janssen ist statistisch noch nicht so verlässlich wie die für die anderen Impfstoffe, da im aktuellen Berichtszeitraum bis zum 31.5.2021 erst knapp 473.000 Impfungen damit stattfanden. Spitzreiter war Comirnaty mit insgesamt über 36 Millionen Impfungen.

Häufige Nebenwirkungen halten nur kurz an

Allgemein sind die häufigsten Impfreaktionen eher harmlos, dauern nur wenige Stunden bis Tage an. Sie unterscheiden sich je nach Impfstoff: Nach Comirnaty standen Kopfschmerzen, Ermüdung und Schmerzen an der Injektionsstelle im Vordergrund, nach Vaxzevria lauteten die Meldungen vor allem grippeähnliche Erkrankung, Fieber und Schüttelfrost. Nach Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff Moderna wurden am häufigsten Lokalreaktionen, inklusive Schmerzen an der Injektionsstelle, gemeldet. 

Bei den bisher in Deutschland gemeldeten Reaktionen handele es sich laut PEI „um bekannte und in der Fachinformation aufgeführte systemische, vorübergehende unerwünschte Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- und Gliederschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl, die insgesamt als Grippe-ähnliche Beschwerden zusammengefasst werden können“. Diese Reaktionen treten kurz nach der Impfung auf und seien nicht mit schwereren oder länger andauernden Erkrankungen verbunden. Solche Impfreaktionen lassen sich mit schmerz- und fiebersenkenden Arzneimitteln behandeln. Experten empfehlen die Mittel jedoch mit Einschränkungen

Die 10 häufigsten Nebenwirkungen

  1. Kopfschmerzen
  2. Ermüdung
  3. Schmerzen an der Impfstelle
  4. Örtliche Reaktion
  5. Fieber
  6. Schüttelfrost
  7. Muskelschmerzen
  8. Grippeähnliche Erkrankung
  9. Schwindelgefühl
  10. Unwohlsein

Schwerwiegende Nebenwirkungen sind sehr selten

Auch wenn die häufigsten Nebenwirkungen harmlos und vorübergehend sind, kommt es in sehr seltenen Fällen auch zu schweren unerwünschten Reaktionen. Als schwerwiegende Reaktionen gelten solche, die die Experten als medizinisch bedeutsam einstufen oder bei denen die Personen im Krankenhaus behandelt werden, wie bei der sogenannten Anaphylaxie. Seit dem Impfstart in Deutschland bis zum 31. Mai 2021 traten laut PEI insgesamt 175 Fälle auf, bei denen die Reaktion der internationalen Klassifizierung entsprach. 134 davon betrafen den Impfstoff von Biontech/Pfizer. Bei dem Impfstoff des US-Konzerns Moderna wurden in Deutschland bisher 7 Fälle, bei AstraZeneca 33 Anaphylaxie-Fälle berichtet. Ein weiterer Fall konnte keinem Impfstoff zugeordnet werden.

Den Impfstoff von AstraZeneca empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) mittlerweile nur noch für Personen über 60 Jahre. Grund dafür sind Thrombosen mit begleitender Thrombozytopenie (TTS), zum Teil auch mit Blutungen. Bei einer Thrombozytopenie sinkt die Zahl der Blutplättchen unter einen bestimmten Wert, was Blutungen hervorrufen kann. Diese Komplikationen wurden in sehr seltenen Fällen bei Menschen unter 60 Jahren nach der Impfung mit Vaxzevria in Deutschland und anderen europäischen Ländern beobachtet. Dies schließt sowohl Meldungen venöser Thrombosen, wie Blutgerinnsel der Hirnvenen, so genannten Sinusthrombosen, als auch arterieller Thrombosen ein. Bis zum 31.5.2021 wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 106 Fälle einer TTS berichtet, die nach Impfung mit Vaxzevria auftraten. Nach Comirnaty wurde bisher kein Fall und nach COVID-19-Impfstoff Moderna Einzelfälle eines TTS berichtet, die jedoch nicht klar als Impfnebenwirkung zu identifizieren sind. Unter 60-Jährige, die bereits einmal mit Vaxzevria geimpft wurden, sollen für die zweite Impfung einen anderen Wirkstoff erhalten. Mehr dazu lesen Sie in dem Beitrag Corona-Impfung von AstraZeneca nur noch ab 60 Jahre

Auch die „Covid-19-Vaccine Janssen“ kann in seltenen Fällen ungewöhnliche Thrombosen verursachen, wie die die EMA festgestellt hat. Darüber informiert auch der Hersteller in einem Rote-Hand-Brief an die Fachkreise. Trotzdem empfehlen die Experten den Impfstoff ohne Einschränkungen, da die Nebenwirkungen sehr selten seien. 

Wer vier bis 16 Tage nach einer Impfung – also nach Abklingen der üblichen Impfreaktionen – Symptome wie Kurzatmigkeit, Unterleibsschmerzen oder Schwellungen in Armen oder Beinen entwickelt, soll sich an einen Arzt wenden. Auch bei starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sollten Betroffene sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ausführlicher informiert dazu der Beitrag Kopfschmerzen nach Impfung: Ist es eine Thrombose?.

Entzündungen am Herzen unter Beobachtung

Weitere Nebenwirkungen, die das Paul-Ehrlich-Institut genauer betrachtet, sind eine Herzmuskelentzündung, fachsprachlich Myokarditis, bzw. eine Entzündung des Herzbeutels, Perikarditis genannt. Meistens verläuft die Myokarditis ohne Symptome, es können dadurch aber auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten. Im zeitlichen Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung wurden bisher in Deutschland 92 Fälle einer Myokarditis und/oder Perikarditis diagnostiziert, hauptsächlich nach Impfung mit Comirnaty und bei Personen unter 50 Jahren. Das PEI sieht hierin bislang kein Risikosignal, beobachtet die Berichte jedoch weiterhin.

Vereinzelt wurde auch über Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung berichtet. Bis zum 31.5.2021 verstarben insgesamt 873 Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung, durchschnittlich im Alter von 82 Jahren. Bei der Mehrzahl der verstorbenen Personen bestanden mehrfache Vorerkrankungen, wie z. B. Krebsleiden, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen und arteriosklerotische Veränderungen, die vermutlich todesursächlich waren. 73 verstarben an Covid-19.

Darüber hinaus beobachtet das PEI auch Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (GBS), einer Entzündung von Nerven, die mit Lähmungen einhergeht. Insgesamt wurden 39 Fälle davon ans PEI gemeldet, wobei die 14 Fälle, die mit größter Sicherheit diagnostiziert wurden, alle in Zusammenhang mit der Gabe von Vaxzevria standen,

Insgesamt betrachtet sind schwerwiegende Nebenwirkungen sehr selten und der Nutzen einer Impfung gegen Covid-19 überwiegt deutlich den Risiken. Zur selben Einschätzung gelangte auch die Europäische Arzneimittelagentur EMA in ihren Auswertungen zu Comirnaty, dem Moderna-Impfstoff und der AstraZeneca-Impfstoff. Sie sieht darüber hinaus keine Anhaltspunkte für bisher unbekannte Risikofaktoren.

    Wie häufig welches Präparat verimpft wurde und weitere Statistiken rund um den Fortschritt der Covid-19-Impfkampagne gibt das Robert Koch-Institut tagesaktuell auf der Website impfdashboard.de bekannt.

     

    Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert.

    Quellen:

    Aktueller Sicherheitsbericht des PEI (v. 10.6.2021)
    Sicherheitsbericht des PEI (v. 7.5.2021)
     

     

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