Scheidenpilz: Warum die Infektion so häufig auftritt
Juckreiz, Brennen und Ausfluss – eine Scheidenpilzinfektion kann die Lebensqualität von Frauen erheblich beeinträchtigen. Meist steckt der Hefepilz Candida albicans dahinter. Er gehört zwar zur natürlichen Besiedlung des Körpers, kann sich unter bestimmten Bedingungen jedoch stark vermehren und zu entzündlichen Infektionen der Schleimhäute führen. Vor allem wiederkehrende Infektionen stellen viele Betroffene vor eine große Belastung.
Backhefe könnte den Scheidenpilz-Erreger ausbremsen
Ein internationales Forschungsteam aus Belgien und Deutschland hat nun einen ungewöhnlichen Kandidaten für die Behandlung untersucht: die Backhefe Saccharomyces cerevisiae. Sie ist vor allem aus der Herstellung von Brot und Bier bekannt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass ein spezieller Hefestamm das Wachstum von Candida albicans deutlich hemmen kann.
Darüber hinaus erschwerte die Hefe dem Krankheitserreger, an Schleimhautzellen anzuhaften und sogenannte Biofilme zu bilden. Diese schützenden Strukturen machen Krankheitserreger häufig widerstandsfähiger gegen die körpereigene Abwehr und gegen Behandlungen.
So wirkt die Backhefe gegen Entzündungen und den Pilz
Die Forschenden untersuchten außerdem, wie die Backhefe mit dem Immunsystem zusammenarbeitet. Dabei zeigte sich ein überraschender Effekt: Die Hefe schwächte nicht nur den Erreger. Auch die Entzündungsreaktionen fielen geringer aus, gleichzeitig konnten Immunzellen den Krankheitserreger sogar effektiver bekämpfen. In einem Mausmodell führte die Behandlung sowohl zu einer geringeren Pilzbelastung als auch zu weniger Entzündungen.
Welche Chancen die Entdeckung für die Behandlung bietet
Die Ergebnisse könnten den Weg für neue Behandlungsansätze ebnen. Statt Krankheitserreger ausschließlich mit Medikamenten zu bekämpfen, könnten künftig gezielt nützliche Mikroorganismen eingesetzt werden. Ziel wäre es, das natürliche Gleichgewicht der Scheidenflora wiederherzustellen und gleichzeitig überschießende Entzündungsreaktionen zu bremsen. Gerade bei wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen könnte ein solcher Ansatz langfristig eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Therapien sein.
Noch keine Therapie für den Alltag
So vielversprechend die Ergebnisse auch sind: Die Untersuchungen wurden bislang im Labor und im Tiermodell durchgeführt. Ob die Backhefe auch beim Menschen sicher und wirksam eingesetzt werden kann, müssen nun klinische Studien zeigen. Bis dahin gilt: Wer unter wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen leidet, sollte weiterhin ärztlichen Rat einholen und nicht auf eigene Faust mit Hefekulturen experimentieren.
Die Studie zeigt jedoch eindrucksvoll, dass Mikroorganismen nicht nur Krankheiten verursachen, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch zu wertvollen Verbündeten im Kampf gegen Infektionen werden können.
Quelle: DOI https://doi.org/10.1038/s41467-026-74733-2