Gesundheit

Medizin-Nobelpreis: Neandertaler-DNA steckt bis heute in uns

Max-Planck-Gesellschaft/NK  |  04.10.2022

Der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin geht in diesem Jahr an Svante Pääbo. Der Schwede ist Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Zu seinen bedeutendsten wissenschaftlichen Erfolgen zählt die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms.

Svante Pääbo
Der Paläogenetikiker Svante Pääbo hat das Genom des Neandertalers entschlüsselt.
© Karsten Möbius/Max-Planck-Gesellschaft

„Seine Arbeiten haben unser Verständnis der Evolutionsgeschichte der modernen Menschen revolutioniert“, so Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. So habe Pääbo zum Beispiel nachgewiesen, dass Neandertaler einen wesentlichen Beitrag zur Abstammung der heutigen Menschen geleistet haben.

Pääbo studierte an der Universität Uppsala in Schweden Ägyptologie und Medizin. Als Doktorand wies er nach, dass DNA in altägyptischen Mumien überdauern kann, und erlangte so fachlichen Ruhm als Pionier des neuen Forschungsgebietes der sogenannten Paläogenetik. Paläogenetiker erforschen die Genome altertümlicher Organismen und ziehen daraus Rückschlüsse auf den Verlauf der Evolution.

Neandertaler-Genom erforscht

Bereits Mitte der 1990er-Jahre konnten Pääbo und sein Team einen Bestandteil der DNA eines Neandertalers entschlüsseln. Diese unterschied sich deutlich von dem Erbgut heutiger Menschen. Damit war erwiesen, dass Neandertaler nicht die direkten Vorfahren jetziger Menschen sind. Im Laufe der Jahre gelang es Pääbo mithilfe modernerer Methoden, das komplette Genom der Neandertaler zu sequenzieren. Die Schwierigkeit dabei: Die Knochen von Neandertalern sind nach Jahrtausenden im Boden von Bakterien und Pilzen derart stark besiedelt, dass bis zu 99,9 Prozent der darin gefundenen DNA von Mikroben stammt. Zudem liegen die geringen Mengen verbliebener Neandertaler-DNA nur in kurzen Bruchstücken vor, die wie ein gigantisches Puzzle zusammengesetzt werden müssen. Viele Wissenschaftler glaubten, diese Aufgabe sei unlösbar.

Pääbos Team fand dafür jedoch neue Lösungen und 2010 gelang es den Wissenschaftlern, eine erste Version des Genoms der Neandertaler aus Knochen zu rekonstruieren, die Zehntausende von Jahren alt sind. Die Vergleiche des Neandertaler-Genoms mit den Genomen heutiger Menschen ergaben, dass moderne Menschen und Neandertaler bei ihrem Zusammentreffen vor rund 50.000 Jahren gemeinsamen Nachwuchs gezeugt hatten, als moderne Menschen Afrika verließen und in Europa und Asien ankamen. Noch heute finden sich deshalb im Genom heutiger nichtafrikanischer Menschen zirka zwei Prozent Neandertaler-DNA. Dieser genetische Beitrag beeinflusste die menschliche Evolution: Er stärkte beispielsweise das Immunsystem der modernen Menschen, trägt jedoch auch heute noch zur Anfälligkeit für mehrere Krankheiten bei.

Derzeit arbeiten die Forscher um Pääbo an neuen Methoden, DNA-Fragmente zu rekonstruieren, die noch stärker zersetzt und in noch geringeren Mengen vorhanden sind. Ziel ist es, die Erforschung noch älterer DNA zu ermöglichen sowie Erbgut aus Teilen der Welt, in denen das Überdauern der DNA aufgrund von heißem und feuchtem Klima noch seltener ist.

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