Nach Schlaganfall wieder sprechen – mit tragbarem KI-Gerät

Elisabeth Kerler  |  19.01.2026 15:52 Uhr

Revoice heißt ein neues Gerät in Form eines Halsbands, das Schlaganfall-Patienten bei Sprachstörungen unterstützen soll – ganz ohne Implantate.

Zwei ältere Damen auf einer Bank, ins Gespräch vertieft.
Kommunikation ist wesentlich für Würde und Genesung, so einer der Entwickler von "Revoice".
© Jacob Wackerhausen/iStockphoto

Nach einem Schlaganfall fällt es vielen Betroffenen schwer, sich verständlich auszudrücken – obwohl sie genau wissen, was sie sagen möchten. Ein neu entwickeltes tragbares Gerät namens Revoice könnte Menschen mit Sprachstörungen nach einem Schlaganfall dabei helfen, wieder natürlicher und flüssiger zu kommunizieren. Darauf weist die University of Cambridge hin.

Dysarthrie: Wenn Sprechen zur Herausforderung wird

Etwa die Hälfte aller Schlaganfall-Patienten entwickelt eine sogenannte Dysarthrie, manchmal auch in Kombination mit Aphasie. Bei Dysarthrie sind Muskeln von Gesicht, Mund und Stimmbändern geschwächt. Oft können Betroffene nur verwaschen, langsam oder bruchstückhaft sprechen. Für Betroffene ist das oft sehr belastend: „Wenn Menschen nach einem Schlaganzahl Dysarthrie entwickeln, kann das für sie frustrierend sein: Sie wissen genau, was sie sagen wollen, aber sie bekommen es physisch kaum über die Lippen“, erklärt Professor Luigi Occhipinti in einer Mitteilung zur Veröffentlichung.

Revoice: Mit KI aus leisen Signalen Sätze formen

Daran soll das Gerät Revoice ansetzen, das wie ein weiches, flexibles Halsband getragen wird. Es erfasst den Puls sowie feinste Vibrationen der Halsmuskulatur. Künstliche Intelligenz rekonstruiert daraus beabsichtigte Wörter und Sätze in Echtzeit,  ohne auf invasive Hirnimplantate angewiesen zu sein.

Dabei arbeiten zwei KI-Systeme zusammen: Eines setzt lautlos geformte Wörter zusammen, das andere bezieht emotionale Signale und Kontextinformationen wie Tageszeit oder Situation ein, um kurze Aussagen zu vollständigen, ausdrucksstarken Sätzen zu erweitern.

Vielversprechende Ergebnisse aus erster Studie

In einer kleinen Studie mit fünf Schlaganfall-Patienten mit Dysarthrie erreichte Revoice eine niedrige Fehlerquote: Demnach waren 4,2 Prozent bei Wörtern und 2,9 Prozent bei Sätzen fehlerhaft. Anders als bisherige Hilfsmittel, die oft langsames Buchstabieren oder Blicksteuerung erfordern, ermöglicht Revoice eine flüssige Kommunikation in Echtzeit.

Ein Beispiel aus der Studie zeigt das Potenzial: Aus den lautlos geformten Worten „Wir gehen Krankenhaus“ wurde der vollständige Satz: „Auch wenn es etwas spät wird, fühle ich mich noch immer unwohl. Können wir jetzt ins Krankenhaus gehen?" (Im Original von „We go hospital“ zu „Even though it’s getting a bit late, I’m still feeling uncomfortable. Can we go to the hospital now?“)

Revoice noch nicht verfügbar

Das Forschungsteam berichtet von einer 55-prozentigen Steigerung der Zufriedenheit der Teilnehmner. „Hier geht es darum, Menschen ihre Unabhängigkeit zurückzugeben“, sagt Occhipinti. „Kommunikation ist wesentlich für Würde und Genesung.“ Allerdings: Bevor Revoice breit eingesetzt werden kann, sind weitere klinische Studien nötig.

Quelle: DOI 10.1038/s41467-025-68228-9 

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