Wie gut helfen Chatbots bei Gesundheitsfragen? Eine Studie beleuchtet Schwächen bei Diagnosen, Empfehlungen und – Anfragen. Experten ordnen die KI-Leistungen ein.

Viele Menschen nutzen Chatbots als niedrigschwellige Anlaufstelle für Gesundheitsfragen, lassen jedoch in ihren Anfragen häufig wichtige Informationen weg. So zeigt sich: Bei Verdachtsdiagnosen und Empfehlungen liegen die Systeme mitunter daneben. Das liegt nicht nur an der Technik, sondern auch daran, wie Menschen mit der KI kommunizieren.
Eine Studie in Nature Medicine untersuchte genau dieses Zusammenspiel. Rund 1.000 Freiwillige aus Großbritannien bearbeiteten fiktive medizinische Fallbeispiele – entweder mithilfe von drei gängigen KI-Modellen (GPT-4o, Llama 3, Command R+) oder durch klassische Internetrecherche ohne KI.
Das Ergebnis: Teilnehmende ohne KI-Unterstützung fanden mit etwa eineinhalbfach höherer Wahrscheinlichkeit eine passende Verdachtsdiagnose. Dabei unterschätzten alle Gruppen die Dringlichkeit der geschilderten Situationen.
Darüber hinaus ergab die Analyse der Chatverläufe, dass die Sprachmodelle durchaus korrekte Verdachtsdiagnosen lieferten – die Teilnehmenden griffen sie aber nicht als Entscheidungsgrundlage auf. Als das Forschungsteam der KI aber die vollständigen Fallbeschreibungen zur Verfügung stellte, stieg sowohl die diagnostische Treffsicherheit als auch die Qualität der Empfehlungen. Simulierten die Modelle selbst einen Nutzer oder eine Nutzerin, erzielten sie im Schnitt bessere Ergebnisse, als wenn reale Personen Anfragen stellten.
Nutzende wüssten oft nicht, welche Informationen sie angeben müssten oder wie sie KI-Antworten einordnen sollten, erklärt Professor Dr. Iryna Gurevych, Technische Universität Darmstadt, in ihrer Einschätzung zur Studie gegenüber dem Science Media Center (SMC). Ein medizinischer Chatbot sollte ihrer Auffassung nach mehr als nur Fragen beantworten können. Stattdessen sollte der Bot etwa aktiv fehlende Angaben erfragen, Unsicherheiten klar markieren und nur in einem eng definierten, risikoarmen Bereich zum Einsatz kommen.
Professor Dr. Kerstin Denecke, Berner Fachhochschule, sieht weitere Verbesserungen für einen medizinisch spezialisierten Chatbot notwendig. So müsste das System…
Zudem müssten Menschen lernen, den Systemen passende Anfragen (prompts) zu geben. Denn Missverständnisse im Austausch mit der KI entstünden häufig aus einem Mangel an Erfahrung im Formulieren präziser Anfragen bzw. an medizinischem Grundwissen, so Professor Dr. Ute Schmidt von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Auf lange Sicht könnten Hausarztpraxen und Kassen einmal qualitätsgeprüfte Systeme empfehlen.
Zudem sei das Vertrauen in die KI oft stärker vom erhofften Nutzen getrieben als von einer tatsächlichen KI- oder Gesundheitskompetenz, betonte Dr. Anne Reinhardt von der Ludwig-Maximilians-Universität München gegenüber dem SMC. Sie fordert, die Gesundheitskompetenz der Menschen zu stärken.
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel, Luftbelastung durch duftende Putzmittel…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern