Eine Studie aus den USA zeigt, wie wichtig es ist, dass alle Patientendaten an einem Ort gesammelt werden: Personen mit doppelten Patientenakten hatten nach der Einlieferung in ein Krankenhaus eine fünffach höhere Sterblichkeit als Personen mit nur einer Patientenakte. Ein Vergleich von 1.698 Personen mit zwei Patientenakten und 4.388 Personen mit nur einer ergab, dass bei einer Krankenhausbehandlung jene mit doppelten Patientenakten ein deutlich höheres Risiko für einen ungünstigen Krankheitsverlauf hatten.
Das wirkte sich auf verschiedene Aspekte aus:
- 11 Prozent der Patienten mit doppelten Patientenakten verstarben während der stationären Behandlung, fast 5-mal mehr als diejenigen ohne doppelte Patientenakte (2,5 Prozent).
- Personen mit doppelten Patientenakten blieben durchschnittlich 101 Stunden im Krankenhaus im Vergleich zu 74 Stunden bei denen mit nur einer Patientenakte.
- Patienten mit doppelten Patientenakten benötigten häufiger eine Notfallbehandlung (6 im Vergleich zu 5 Prozent).
- Patienten mit doppelten Patientenakten benötigten häufiger eine Behandlung auf der Intensivstation (46 im Vergleich zu 19 Prozent).
- Sie wurden auch häufiger innerhalb von 30 Tagen erneut eingeliefert (12 im Vergleich zu 11 Prozent).
Wichtige Informationen stehen nicht zur Verfügung
Die Forschenden vermuten als Grund für die gefundenen Zusammenhänge, dass die doppelte Patientenakte den Zugang zu wichtigen Informationen wie Allergien oder der Krankengeschichte verhindert oder erschwert: „Doppelte Patientenakten können zu Verzögerungen in der Behandlung oder fehlerhaften Anordnungen führen, da medizinische Teams nach schwer zugänglichen Informationen suchen, zusätzlichen Aufwand beim Navigieren zwischen mehreren Akten betreiben oder versehentlich wichtige Details übersehen.“
Darum ist die elektronische Patientenakte so wichtig
Das Fazit der Forschenden lautet: „Diese Ergebnisse verdeutlichen den Zusammenhang zwischen doppelten Patientenakten und negativen Patientenergebnissen.“ Ein Ergebnis, das auch für Deutschland relevant ist, denn hier sind Patientendaten oft über verschiedene Praxen verstreut. Die elektronische Patientenakte bietet die Möglichkeit, alles an einem Ort zu sammeln und wesentliche Daten allen Beteiligten zugänglich zu machen: Vom Notfalldatensatz über wichtige Diagnosen und Befunde bis hin zu verordneten Medikamenten, damit Wechselwirkungen bestmöglich im Blick behalten werden können.
Quelle: DOI 10.1136/bmjqs-2025-019112