Laut einer gängigen Annahme haben mehr Jungen Autismus als Mädchen. Eine Studie aus Schweden kommt aber zu einem anderen Ergebnis: Frauen werden nur später diagnostiziert als Männer, so dass der Unterschied im Erwachsenenalter nicht mehr zu beobachten ist.
Denn die Ergebnisse in dem Fachblatt „BMJ“ zeigen einen deutlichen Aufholeffekt bei Mädchen in der Jugend: Anhand nationaler Register untersuchten die Forschenden die Häufigkeit von Autismus-Diagnosen bei 2,7 Millionen Personen bis 37 Jahren. Bei 78.522 Personen (2,8 Prozent) wurde Autismus diagnostiziert, und das in einem durchschnittlichen Alter von 14,3 Jahren.
Mädchen bekommen die Diagnose etwa fünf Jahre später
Die meisten Jungen erhielten die Autismus-Diagnose im Alter von 10 bis 14 Jahren. Mädchen bekamen sie dagegen meist erst mit 15 bis 19 Jahren. Mit etwa 20 Jahren war das Verhältnis von Jungen und Mädchen mit Autismus annähernd ausgeglichen.
Autismus ist bei Mädchen oft schwerer zu erkennen
Die Forschenden vermuten, dass die bei Mädchen oft besser ausgeprägten sozialen und kommunikativen Fähigkeiten dazu führen, dass ihr Autismus schwerer zu erkennen ist. Sie folgern aus den Ergebnissen: „Das Verhältnis von Männern zu Frauen mit Autismus ist im Laufe der Zeit und mit steigendem Diagnosealter gesunken. Es könnte daher deutlich niedriger sein als bisher angenommen. Die Beobachtungen unterstreichen die Notwendigkeit zu untersuchen, warum Frauen später diagnostiziert werden als Männer.“
Quelle: DOI 10.1136/bmj-2025-084164