ChatGPT als Psychotherapeut? Ein Forschungsteam warnt: KI-Chatbots verletzen ethische Standards, selbst wenn sie therapeutisch klingen.

Immer mehr Menschen suchen Rat bei Chatbots wie ChatGPT, wenn es um ihre seelische Gesundheit geht. Doch wie sicher ist das? Eine neue Studie der Brown University zeigt, dass KI-gestützte Chatbots systematisch gegen ethische Standards der Psychotherapie verstoßen – selbst dann, wenn sie ausdrücklich gebeten werden, wissenschaftlich fundierte Methoden wie die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) anzuwenden.
Das Forschungsteam um Zainab Iftikhar, Doktorandin in Informatik an der Brown University, untersuchte, wie sich Chatbots in simulierten Beratungsgesprächen verhalten. Dabei nutzten geschulte Laienberater – also ohne psychotherapeutische Ausbildung – Prompts wie „Nimm die Rolle eines kognitiven Verhaltenstherapeuten ein“ – also Anweisungen, die den Chatbot zu einer therapeutischen Rolle anleiten sollen. Anschließend analysierten Psychologinnen und Psychologen die Chatverläufe.
So fand das Team heraus, dass die Systeme in 15 Punkten gegen gängige Ethikstandards verstießen. Diese ließen sich zusammenfassen in:
Trotz der Risiken sieht die Iftikhar Chancen für KI im Bereich psychischer Gesundheit – etwa, um Zugangshürden durch Kosten oder fehlende Fachkräfte zu verringern. Voraussetzung sei jedoch eine sorgfältige Regulierung und eine ehrliche Bewertung der Möglichkeiten. Nutzerinnen und Nutzer sollten sich bewusst machen, dass KI keinen echten Therapeuten ersetzen kann.
„Wenn Sie mit einem Chatbot über mentale Gesundheit reden, gibt es einige Dinge, auf die Menschen achten sollten“, erklärt die Forscherin in einer Mitteilung zur Studie. Wer also derzeit Chatbots wie ChatGPT zur Unterstützung bei seelischen Belastungen nutzt, sollte sich der Grenzen bewusst sein und besser professionelle Hilfe suchen.
Quelle: DOI 10.1609/aies.v8i2.36632
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