Kinder, die innerhalb eines Jahrgangs zu den Jüngsten zählen, zeigten in einer Studie häufiger ungesundes Essverhalten. Als Anzeichen dafür betrachtete das Forschungsteam um Dr. Sven Hartmann von der Universität Trier unter anderem:
- Übergewicht
- ein geringerer Gemüseanteil an den verzehrten Speisen
- mehr Softdrinks
- unregelmäßige Mahlzeiten
- häufigere Diäten
Übergewicht: Ein statistisch relevanter Unterschied
„Beim objektiven Übergewicht gemessen am Body Mass Index sehen wir zum Beispiel, dass die Jüngsten innerhalb eines Schuljahrgangs eine um rund 2 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit haben, übergewichtig zu sein, als die Ältesten“, erläutert Hartmann in einer Mitteilung zur Studie, „Jungs sogar noch stärker als Mädchen.“ Bezogen auf das durchschnittliche Übergewichtsrisiko von 13,9 Prozent sei dieser Unterschied statistisch relevant, so die Uni Trier.
Alter in der Jahrgangsstufe hat Einfluss auf Gesundheit
Dass das relative Alter Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben kann, ist aus früheren Studien bekannt. Klassenjüngere berichten demnach häufiger über mentale Probleme, erhalten öfter ADHS-Diagnosen, haben im Durchschnitt schlechtere Noten und treiben seltener Sport. Die aktuelle Analyse zeigt nun: Auch das Essverhalten ist betroffen.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die Auswertungen basieren auf der internationalen Studie „Health Behaviour in School-Aged Children“. Zwischen 2001 und 2018 wurden rund 600.000 Schülerinnen und Schüler aus 30 europäischen Staaten im Alter von 10 bis 17 Jahren in fünf Befragungswellen zu Gesundheit und Lebensstil befragt. Um den Einfluss des relativen Alters möglichst genau zu erfassen, rechneten die Forschenden andere Faktoren wie familiäre Situation oder Wohlstand heraus. Länder ohne festen Stichtag für die Einschulung – darunter Deutschland – wurden ausgeschlossen.
Was bedeutet das für Eltern?
Die Ursachen für das ungünstigere Essverhalten sind noch nicht eindeutig geklärt. Vermutet werden unter anderem häufiger auftretende mentale Belastungen sowie sozialer Druck durch ältere Mitschüler. Gleichzeitig zeigt die Studie: In Ländern mit flächendeckenden Schulmahlzeiten fallen die Unterschiede geringer aus. Auch ein späterer Schulbeginn, so die Uni Trier, könnte helfen: „Jüngere Schülerinnen und Schüler lassen an Schultagen häufiger das Frühstück ausfallen“, führt das Forschungsteam aus. Das könne darauf hinweisen, dass sie länger schlafen und die fehlende Zeit durch das Weglassen des Frühstücks kompensieren.
Für Eltern, die über eine spätere Einschulung nachdenken, liefern die Ergebnisse vor allem eines: einen weiteren Aspekt für eine informierte Abwägung. Denn es gehe auch darum, Eltern und Lehrkräfte für relative Alterseffekte zu sensibilisieren, so Hartmann.
Quelle: DOI 10.1016/j.econedurev.2025.102756