Bauernhofstaub gegen Asthma? Was genau der Stallstaub bei allergischem Asthma bewirkt, haben Forscher aus München und Heidelberg in einer Studie an Mäusen und in Blutproben von Asthmapatienten untersucht. Der Hintergrund: Schon länger ist bekannt, dass Bauernhofstaub dazu beiträgt, dass auf dem Lande aufwachsende Kinder vergleichsweise seltener als andere Kinder an Allergien und Asthma leiden.
Was ist (allergisches) Asthma und wie äußert es sich?
Menschen mit Asthma haben eine chronische Entzündung in den Atemwegen und können bei bestimmten Reizen Asthma-Anfälle erleiden. Mögliche Symptome sind dann Atemnot, Kurzatmigkeit, ein Gefühl von Brustenge, Reizhusten und die Bildung von schlecht abzuhustendem Schleim. Bei allergischem Asthma verursachen bestimmte, eigentlich harmlose Reize wie Blütenpollen Asthma-Anfälle. Asthma tritt in unterschiedlicher Ausprägung auf und kann sehr belastend sein.
Es gibt Möglichkeiten, die Asthma-Symptome zu behandeln: Betroffene können Glukokortikoide inhalieren, die ähnlich wie Cortison wirken. Dennoch besteht weiter Bedarf an gezielteren Behandlungen – daher die Forschung am Bauernhofstaub.
Mäuse: Weniger Überempfindlichkeit und Entzündungen mit Kuhstallstaub
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand ein Extrakt aus dem Staub von Kuhställen. Er zeigte in Mäusen mit asthmaartig entzündeten Atemwegen vielversprechende Effekte. Mit dem Extrakt waren die für Asthma typische Überempfindlichkeit der Atemwege und dort ablaufende Entzündungen geringer, in einem ähnlichen Maß wie mit einem zum Vergleich mitgetesteten Glukokortikoid.
Stallstaub-Extrakt: Immunsystem-Abläufe für Asthma und Allergie normalisiert
Interessant war auch, dass sich mit dem Stallstaub-Extrakt bestimmte für Asthma und Allergien bedeutsame Abläufe im Immunsystem wieder normalisierten. Dieser Befund fand sich auch durch bei der Untersuchung von Blutproben von Asthma-Patienten. Außerdem gibt es Hinweise, dass der Extrakt die Barrierefunktion der Atemwegsschleimhaut stärken könnte. Das ist wichtig, weil diese Schutzschicht hilft, entzündungsfördernde Reize abzuwehren.
Noch keine Therapie für den Alltag
So ermutigend die Daten sind: Die Studie liefert zunächst experimentelle Hinweise. Unklar ist noch, welche Bestandteile des Stallstaub-Extrakts genau dessen Effekte bewirken. Die Forschenden betonen daher, dass weitere Untersuchungen nötig sind, bevor aus den Erkenntnissen zur Wirkung von Stallstaub neue Asthma-Therapien entstehen können.
Quelle: DOI 10.1111/all.70121