Karpaltunnelsyndrom: Standardtherapie mit Schiene infrage gestellt

Pharmazeutische Zeitung  |  14.04.2026 13:59 Uhr

Wer ein Karpaltunnelsyndrom hat, erhält als Standardtherapie oft eine starre Handgelenkschiene. Eine neue Studie zweifelt den Ansatz an.

Callcenter? Junge Frau mit Headset sitzt an einem Computer und tastet kritisch das Handgelenk ab.
Eine übermäßige Belastung der Handgelenke – auch am Arbeitsplatz – kann zu einem Karpaltunnelsyndrom führen. Beschwerden sollten immer ernstgenommen werden.
© PeopleImages/iStockphoto

Hilft eine starre Handgelenkschiene, die der Standardtherapie entspricht, besser als eine Scheinbehandlung beim Karpaltunnelsyndrom? Dieser Frage ging ein schwedisches Forschungsteam nach. Denn für die Standardtherapie gibt es bislang keine eindeutige Evidenz. Das Forschungsteam prüfte auch, ob die Schiene eine Operation vermeidbar macht.

Was ist das Karpaltunnelsyndrom?

Das Karpaltunnelsyndrom (CTS) beschreibt eine Nervenkompression im Handgelenk, die mit Schmerzen, Kraftverlust und Taubheitsgefühlen in der Hand einhergeht. Als Auslöser kommen verschiedene Faktoren infrage, wie beispielsweise eine Überlastung, eine Sehnenscheidenentzündung aber auch hormonelle Veränderungen.

Standardtherapie mit Handgelenkschiene vs. weiche Bandage

An Studie nahmen 142 Patienten teil, die seit mindestens vier Wochen ein Karpaltunnelsyndrom ohne Behandlung hatten. Etwa die Hälfte erhielten eine Handgelenkschiene, die andere eine weiche Bandage (Scheinbehandlung) für sechs Wochen. Bestanden die Beschwerden dann noch immer, verlängerte das Forschungsteam die Behandlung um vier Wochen. Wer nach zwölf Wochen noch immer Symptome hatte, konnte eine Operation in Erwägung ziehen. Ob und wie weit die Symptome zurückgegangen waren, untersuchte das Forschungsteam anhand eines Kurzfragebogens.

Leichte Verbesserung bei allen Personen

So fand das Forschungsteam heraus: 

  • Gleich, ob mit Handgelenkschiene oder weicher Bandage: Alle Studienteilnehmer erlebten eine leichte, aber nicht spürbar relevante Symptombesserung. Der Unterschied zwischen den Therapien war nicht deutlich genug, als dass er nicht zufällig sein könnte.
  • Ein Jahr nach der Studie ließen 57,1 Prozent der Schienengruppe und 51,4 Prozent der Bandagengruppe operieren. Auch das gilt als recht ähnlich.
  • In beiden Gruppen traten nur leichte, lokale Nebenwirkungen auf.

Standardtherapie überdenken 

Die Studie zeigt: Die Standardtherapie mit der Handgelenkschiene lindert weder die Symptome des Karpaltunnelsyndroms besser noch senkt sie die Wahrscheinlichkeit für eine Operation als die Scheinbehandlung. In beiden Fällen war die Symptomverbesserung zu gering, um für die Betroffenen als spürbar relevant zu gelten.

Somit stellt die Studie eine gängige Therapie infrage. Dass die Therapie mit einer Scheinbehandlung verglichen wurde, verleiht den Ergebnissen zusätzliches Gewicht. Es sind wirksame Behandlungsformen nötig, mit denen sich eine Operation beim Karpaltunnelsyndrom vermeiden lässt.

DOI: 10.1056/EVIDoa2500261

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