Bakterielle Vaginose: Probiotika könnten Rückfälle verhindern

Dr. Karen Zoufal  |  20.03.2026 12:06 Uhr

Ein unangenehmer Geruch, vermehrter Ausfluss und ein gestörtes Intimgefühl: Die bakterielle Vaginose gehört zu den häufigsten Vaginalerkrankungen bei Frauen. Viele Betroffene kämpfen mit wiederkehrenden Beschwerden. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass Probiotika helfen könnten, Rückfälle wirksam zu verhindern.

Ärztin spricht mit junger frau.
Gegen eine bakterielle Vaginose verordnen Ärzte meist Antibiotika.
© nortonrsx/iStockphoto

Bakterielle Vaginose: Wenn die Vaginalflora aus dem Gleichgewicht gerät

Bei einer bakteriellen Vaginose verschiebt sich das natürliche Gleichgewicht der Vaginalflora. Normalerweise dominieren Milchsäurebakterien, sogenannte Lactobazillen, die ein saures Milieu schaffen und so vor schädlichen Keimen schützen.

Gerät dieses System aus der Balance, können sich andere Bakterien stark vermehren. Typische Anzeichen sind dünnflüssiger Ausfluss, ein fischiger Geruch und gelegentlich Reizungen. Auch wenn die Erkrankung oft als harmlos wahrgenommen wird, kann sie Folgen haben – etwa ein erhöhtes Risiko für Infektionen oder Komplikationen in der Schwangerschaft.

Häufige Rückfälle trotz Antibiotika

Die Standardtherapie besteht meist aus Antibiotika. Diese bekämpfen die schädlichen Bakterien zuverlässig und lindern die Beschwerden schnell. Das Problem: Die nützlichen Bakterien werden dabei nicht gezielt wieder aufgebaut. Dadurch bleibt die Vaginalflora anfällig. Die Folge sind häufige Rückfälle: Bei bis zu 60 Prozent der Frauen kehrt die bakterielle Vaginose innerhalb von sechs Monaten zurück.

Probiotika für die Vaginalflora: Neuer Therapieansatz im Fokus

Ein internationales Forschungsteam hat nun untersucht, ob sich die Vaginalflora gezielt stabilisieren lässt. Der Ansatz: Probiotika mit mehreren lebenden Bakterienstämmen, die das natürliche Gleichgewicht unterstützen.

Im Mittelpunkt stand das Bakterium Lactobacillus crispatus, das eine wichtige Rolle für ein gesundes Scheidenmilieu spielt. Frühere Studien hatten bereits Hinweise geliefert, dass Probiotika helfen können – allerdings oft nur kurzfristig.

Studie zeigt: Mehrere Bakterienstämme wirken nachhaltiger

In der aktuellen Untersuchung erhielten 90 Frauen entweder ein Placebo oder Probiotika mit fünf beziehungsweise fünfzehn Stämmen von Lactobacillus crispatus – über mehrere Tage hinweg. Die Ergebnisse sind deutlich:

  • Zwei Drittel der behandelten Frauen hatten nach fünf Wochen wieder schützende Lactobazillen in der Vaginalflora.
  • Bei fast der Hälfte blieben diese sogar nach zwölf Wochen erhalten.
  • Das Risiko für einen Rückfall sank spürbar.

Bemerkenswert ist, dass einige Teilnehmerinnen nur drei Tage lang behandelt wurden und trotzdem langfristig profitierten.

Experten: Therapie könnte Ursachen statt nur Symptome behandeln

Die Studie zeigt einen möglichen Paradigmenwechsel in der Behandlung. Statt nur die schädlichen Bakterien zu bekämpfen, rückt der gezielte Aufbau der gesunden Vaginalflora in den Fokus. "Diese Studie ist mehr als nur die Prüfung einer neuen Behandlung; sie bietet die Möglichkeit, die nützlichen Bakterien zu untersuchen und die Ursachen ihrer Besiedlung zu identifizieren“, sagte Dr. Caroline Mitchell, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe am Massachusetts General Hospital.

Die Ärztin betont: „Bakterielle Vaginose ist nicht nur mit belastenden Symptomen verbunden, sondern kann auch die reproduktive Gesundheit beeinträchtigen. Jahrzehntelang haben wir uns auf Medikamente verlassen, die zwar die Infektion bekämpfen, aber die nützlichen Bakterien nicht wiederherstellen und so das vaginale Milieu anfällig machen.“

Die Ergebnisse machen Hoffnung auf eine nachhaltigere Behandlung der bakteriellen Vaginose. Probiotika könnten künftig dabei helfen, die Vaginalflora gezielt zu stärken und Rückfälle zu vermeiden. Bis zur breiten Anwendung sind jedoch weitere Studien nötig.

Quelle: DOI 10.1016/j.chom.2026.02.016

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