Warum der Körper beim Abnehmen gegen uns arbeitet

Pharmazeutische ZeitungRüdiger Freund  |  19.03.2026 14:56 Uhr

Die Regeln sind klar: weniger essen, mehr bewegen. Trotzdem bleibt der Erfolg aus – oder verschwindet schnell wieder. Ein Facharzt erklärt, warum der Körper beim Abnehmen oft gegen uns arbeitet.

Übergewichtiger Mann im Fitnessstudio.
Trotz guter Motivation fällt das Abnehmen auf lange Sicht oft sehr schwer.
© FG Trade Latin/iStockphoto

Adipositas ist mehr als „zu viel essen“

Hinter starkem Übergewicht, fachsprachlich Adipositas, steckt eine chronische Erkrankung mit komplexen biologischen Ursachen. „Die Betroffenen kommen zu uns und wissen, dass ihr Gewicht nicht gesund ist. Trotzdem schaffen sie es oft nicht, dauerhaft abzunehmen, selbst bei hoher Motivation“, berichtete Professor Jens Aberle vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bei einer Online-Fortbildung.

Warum Abnehmen für viele kaum funktioniert

Es gibt mehrere Gründe, warum Abnehmen so schwer ist:

  • Gene beeinflussen, ob jemand zu Übergewicht neigt
  • Betroffene nehmen Süßes oft anders wahr
  • Das Belohnungssystem im Gehirn ist verändert
  • Das Sättigungsgefühl funktioniert schlechter

Viele Betroffene denken häufiger ans Essen und haben weniger Kontrolle über ihr Hungergefühl. Hinzu kommt die Umwelt: Ein ständiges Überangebot an kalorienreichen Lebensmitteln und zu wenig Bewegung erschweren einen gesunden Lebensstil zusätzlich.

Der Körper verteidigt sein Gewicht

Ein zentraler Mechanismus ist die sogenannte Set-Point-Theorie. Der Körper hat eine Art biologischen Sollwert für das Gewicht. Sinkt das Gewicht, steuert er dagegen:

  • der Appetit steigt
  • Hormone fördern das Hungergefühl
  • der Energieverbrauch sinkt

Das erkläre auch, warum Adipositas eine chronische Erkrankung ist – mit hoher Rückfallquote. „Die Menschen brauchen also eine lebenslange Therapie und Begleitung“, so Aberles Erfahrung

„Jeder Mensch mit Adipositas sollte das Basisprogramm bekommen: Ernährungstherapie, Bewegungstherapie und Verhaltenstherapie.“, erklärt der Facharzt für Endokrinologie und Diabetologie. Die Realität ist davon jedoch weit entfernt. 

Was Abnehmspritzen leisten – und was nicht

Abnehmspritzen ergänzen diese drei Säulen der Therapie. Doch laut Aberle setzen nur 1,8 Prozent der Adipositas-Patienten die medikamentöse Behandlung ein, obwohl sie sehr effektiv ist. Gründe können mangelnde Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen oder Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden sein. Letztere lassen sich jedoch durch gute Beratung und geeignete Maßnahmen besser managen.

Vor allem fehle es aber noch an Strategien, das reduzierte Gewicht nach Absetzen der Medikamente zu halten. „Das braucht viel Disziplin und eine intensive Lebensstiltherapie“, so Aberle. Eine Möglichkeit könne sein, die Abnehmspritze weiter in niedrigerer Dosierung anzuwenden, um das Gewicht stabil zu halten.

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