Abnehmspritzen: Erhöhtes Risiko für einen Nährstoffmangel

Pharmazeutische Zeitung Lina Müller  |  09.02.2026 15:43 Uhr

Die sogenannten Abnehmspritzen helfen erfolgreich gegen Übergewicht. Doch neue Erkenntnisse zeigen: Unter der Therapie kann es zu bedeutsamen Nährstoffmängeln kommen.

Eine übergewichtige Frau spritzt sich mit der Rechnet Hand ein Medikament in den Bauch.
Abnehmspritzen sind zur Behandlung von Adipositas und Diabetes-Typ-2 zugelassen.
© JNemchinova/iStockphoto

Spritzen mit den Wirkstoffen Semaglutid, Liraglutid oder Tirzepatid dämpfen nicht nur das Hungergefühl, sondern können auch dazu führen, dass insgesamt weniger Nährstoffe aufgenommen werden. Fachleute weisen auf gesundheitliche Folgen hin – insbesondere dann, wenn die Therapie nicht ausreichend begleitet wird.

Mehr als die Hälfte betroffen

Mehr als 60 Prozent der Patientinnen und Patienten nahmen während der Behandlung mit sogenannten Abnehmspritzen weniger Calcium und Eisen auf als empfohlen. Auch die Proteinzufuhr war häufig zu gering. Die Folge: Beim Abnehmen geht nicht nur Fett verloren, sondern auch wichtige fettfreie Masse wie Muskulatur.

Darauf weist ein Übersichtsartikel aus dem Fachjournal „Clinical Obesity“ hin, der sechs Studien mit insgesamt 480.000 Teilnehmenden ausgewertet hat. Zudem beobachtete das Autorenteam der Universität Guadalajara in Mexiko unter der Therapie vermehrt Mängel bestimmter B-Vitamine.

Fachleute empfehlen gezielte Begleitung

Die Autorengruppe kommt zu dem klaren Schluss, dass die Therapie mit erheblichen Nährstoffmängeln verbunden sein kann. „Eine gezielte Ernährungsberatung und individuelle Laboruntersuchungen können für Patienten mit erhöhtem Risiko für Mangelernährung sinnvoll sein.«

In Deutschland ist die Verordnung der Medikamente bei Adipositas ausdrücklich als Ergänzung zu einer kalorienreduzierten Ernährung und mehr Bewegung vorgesehen. Ob Betroffene dabei ausreichend ernährungsmedizinisch begleitet werden – ist jedoch unklar.

Weniger Durst – ein unterschätztes Risiko

Auch dämpfen Abnehmspritzen nicht nur den Appetit, sondern auch das Durstgefühl. Besonders bei älteren Menschen droht das Risiko einer Dehydratation. Eine bewusste und regelmäßige Flüssigkeitszufuhr ist daher unter der Therapie besonders wichtig – auch dann, wenn kein ausgeprägtes Durstgefühl vorhanden ist.

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Beratung

Im Fokus diesmal: Spermienqualität bei Alkoholkonsum, Statine mit weniger Nebenwirkungen als…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben