Bei starkem Übergewicht verwenden immer mehr Menschen „Abnehmspritzen“ mit dem Wirkstoff Semaglutid. Selbst bei unangenehmen Nebenwirkungen verwenden viele das Medikament weiter, wenn es als wirksam empfunden wird, stellen Forschende im „Journal of Medical Internet Research“ fest.
In einer Befragung gaben etwa zwei Drittel (67 Prozent) der Anwender an, dass Semaglutid bei ihnen Gewichtsverlust, weniger Appetit oder eine Verringerung von Heißhungerattacken bewirkte. Diese Ergebnisse waren am stärksten mit der Zufriedenheit und einer fortgesetzten Behandlung verbunden. Für die Wirkung tolerierten viele Menschen sogar Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, von denen 62 Prozent der Anwender berichteten. Im Gegensatz dazu brachen Personen mit geringem oder gar keinem Gewichtsverlust die Behandlung deutlich häufiger ab.
Manche nehmen erhebliche Beschwerden in Kauf
„Wir haben festgestellt, dass die Entscheidung für viele Anwender einfach ist: Wenn das Medikament ihnen beim Abnehmen hilft, sind sie bereit, erhebliche Beschwerden in Kauf zu nehmen. Das sagt uns etwas Wichtiges über die Nachfrage nach effektiven Optionen zur Gewichtsreduktion und darüber, wie wir diese Patienten unterstützen können“, sagte Morgan James, Dozentin für Psychologie an der Universität Sydney in einer Mitteilung zur Veröffentlichung. Zum Beispiel könne das Wissen, dass Nebenwirkungen unterschiedlich stark ausgeprägt sein können und der Gewichtsverlust mit der Zeit stagnieren kann, realistischere Erwartungen fördern und eine bessere Entscheidung über die Fortsetzung der Behandlung ermöglichen.
So wirkt Semaglutid
Semaglutid verbessert die Insulinausschüttung im Körper und verlangsamt die Magenentleerung. Es beeinflusst außerdem appetitzügelnde Hirnregionen und fördert ein Sättigungsgefühl, so dass Anwender weniger essen. Ursprünglich wurde Semaglutid einmal wöchentlich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes verwendet. Wegen seiner appetitzügelnden und gewichtsreduzierenden Eigenschaften wird es mittlerweile aber auch bei Adipositas zur Gewichtsreduktion eingesetzt.
Quelle: DOI 10.2196/78391