Infektionen & Übergewicht: Jeder 10. Tod mit Adipositas verbunden

Dr. Karen Zoufal  |  20.02.2026 09:54 Uhr

Übergewicht und Adipositas gelten als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Laut einer Studie spielen sie auch bei Infektionskrankheiten eine wichtige Rolle.

Mann mit Übergewicht, eingehüllt in eine Decke mit Tasse in der Hand, blickt auf einen Taschentuchspender und einen Inhalator.
Erkältet? Menschen mit Übergewicht hatten ein höheres Risiko für schwere Verläufe von zum Beispiel Grippe oder COVID-19.
© Vukasin Ljustina/iStockphoto

Weltweit ist mehr als jeder zehnte Tod durch Infektionskrankheiten auf Übergewicht oder Adipositas zurückzuführen. Das hat eine Studie in dem Fachblatt „The Lancet“ ergeben.

Analyse der Todesfälle durch Infektionskrankheiten

Im Jahr 2023 standen weltweit 0,6 von 5,4 Millionen Todesfällen durch Infektionskrankheiten mit Adipositas in Verbindung – das entspricht 10,8 Prozent. Das Forschungsteam schätzt: In Großbritannien wird etwa jeder sechste infektionsbedingte Todesfall (17 Prozent) mit Adipositas in Verbindung gebracht, in den USA sind es 26 Prozent. 

Prof. Mika Kivimäki vom University College London erklärte in einer Mitteilung zur Veröffentlichung: „Übergewicht ist als Risikofaktor für das metabolische Syndrom, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und viele andere chronische Erkrankungen bekannt. Wir liefern jetzt überzeugende Beweise dafür, dass Übergewicht auch mit schwereren Krankheitsverläufen bei Infektionskrankheiten einhergeht. Sie treten bei Menschen mit Übergewicht deutlich häufiger auf.“

Bis zu dreifach höheres Risiko

Die Forschenden werteten Daten von mehr als einer halben Million Menschen aus. Dabei stellten sie fest, dass Personen mit Adipositas (ab einem BMI von 30) ein um 70 Prozent höheres Risiko für eine Krankenhauseinweisung oder Tod durch eine Infektionskrankheit hatten als normalgewichtige Menschen mit einem BMI zwischen 18,5 und 24,9. Dabei stieg das Risiko mit dem Gewicht kontinuierlich an: Menschen mit einem BMI von 40 oder höher hatten sogar ein dreimal so hohes Risiko für schwere Infektionen.

Adipositas: Höheres Risiko für schwere Infektionsverläufe

Für die Analyse wertete das Forschungsteam Daten von mehr als einer halben Million Menschen aus. Das Ergebnis:

  • Menschen mit Adipositas (BMI ab 30) hatten ein um 70 Prozent höheres Risiko für eine Krankenhauseinweisung oder einen Todesfall infolge einer Infektionskrankheit als normalgewichtige Personen (BMI 18,5 bis 24,9).
  • Das Risiko stieg mit zunehmendem BMI kontinuierlich an.
  • Bei einem BMI von 40 oder höher war das Risiko für schwere Infektionen dreimal so hoch.

Nicht für alle Infektionskrankheiten höheres Risiko

In der Studie betrachtete das Team 925 durch Viren, Bakterien und Pilze verursachte Infektionskrankheiten. Eine genauere Untersuchung von zehn häufigen Infektionskrankheiten zeigte: Adipositas war bei den meisten mit einem Risiko für schwere Verläufe verbunden, darunter Grippe, COVID-19, Lungenentzündung, Magen-Darm-Entzündung, Harnwegsinfektionen und Infektionen der unteren Atemwege. Das Risiko für schwere HIV- oder Tuberkuloseverläufe zeigte dagegen keine Zusammenhänge mit dem Körpergewicht. 

Abnehmen senkt das Risiko

Kivimäki vermutet: „Unsere Ergebnisse deuten an, dass Übergewicht die körpereigenen Abwehrkräfte gegen Infektionen schwächt und dadurch zu schwereren Erkrankungen führt.“ Die Forschenden fanden auch Hinweise darauf, dass Gewichtsverlust dem entgegensteuern kann: Übergewichtige Menschen, die abgenommen hatten, wiesen ein um etwa 20 Prozent geringeres Risiko für schwere Infektionen auf als diejenigen, die übergewichtig blieben.

Quelle: DOI 10.1016/S0140-6736(25)02474-2

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