Nierensteine: Symptome, Ursachen und Therapie

Rüdiger Freund  |  23.01.2026 13:46 Uhr

Nierensteine sind feste Ablagerungen aus Mineralsalzen, die sich in den Nieren bilden und beim Abgang starke Schmerzen verursachen können. Zu wenig Flüssigkeit, eine unausgewogene Ernährung oder bestimmte Erkrankungen können das Risiko erhöhen. Hier erfahren Sie, welche Symptome auftreten, wie Nierensteine behandelt werden und was Sie zur Vorbeugung tun können.

Mann hält sich im Bett den Rücken.
Plötzliche krampfartige Rückenschmerzen zählen zu den typischen Symptomen bei Nierensteinen.
© Staras/iStockphoto
Inhaltsverzeichnis

Überblick

Nierensteine (Urolithiasis) entstehen, wenn bestimmte Substanzen im Urin in hoher Konzentration vorliegen und sich zu Kristallen verbinden. Diese können in den Nieren verbleiben oder sich in den Harnleiter bewegen – was zu heftigen Schmerzen, sogenannten Koliken, führen kann. Die Größe und Zusammensetzung der Steine ist sehr unterschiedlich: Einige bleiben klein und unauffällig, andere blockieren den Harnabfluss.

Man unterscheidet verschiedene Steinarten, zum Beispiel Kalziumoxalat-, Harnsäure- oder Struvitsteine, je nachdem, welche Stoffe beteiligt sind. Die Behandlung richtet sich nach Größe, Lage und Beschwerden. Nierensteine treten häufig wiederholt auf, weshalb Vorbeugung durch Lebensstil und Ernährung eine wichtige Rolle spielt.

Symptome

Nierensteine verursachen oft keine Beschwerden, solange sie in der Niere bleiben. Sobald sie jedoch in den Harnleiter wandern, kann es zu plötzlichen, sehr starken Schmerzen kommen – ein klassisches Zeichen für eine Nierenkolik. Die Beschwerden hängen von der Größe, Lage und Bewegung des Steins ab.

Typische Symptome:

  • Plötzliche, krampfartige Schmerzen im Rücken, in der Flanke oder im Unterbauch (Nierenkolik)
  • Ausstrahlung der Schmerzen in Leiste, Genitalbereich oder Oberschenkel
  • Übelkeit und Erbrechen, oft begleitend zur Schmerzattacke
  • Blut im Urin, sichtbar oder mikroskopisch
  • Häufiger Harndrang oder Schmerzen beim Wasserlassen, wenn der Stein im unteren Harnleiter liegt
  • Fieber und Schüttelfrost bei gleichzeitigem Harnwegsinfekt – medizinischer Notfall!

Nicht alle Nierensteine verursachen sofort Beschwerden. Kleine Steine können unbemerkt mit dem Urin ausgeschieden werden, während größere oder ungünstig gelegene Steine heftige Koliken auslösen.

Verlauf

Der Verlauf einer Nierensteinerkrankung kann sehr unterschiedlich sein: Manche Betroffene merken lange Zeit nichts von ihren Steinen – besonders, wenn diese klein sind und keine Harnwege blockieren. Oft werden solche Steine zufällig bei Ultraschall oder Röntgen entdeckt.

Wandert ein Stein in den Harnleiter, kann er dort den Harnabfluss behindern – die Folge sind heftige Schmerzen (Nierenkolik) und unter Umständen ein Rückstau des Urins bis in die Niere. Dieser Zustand kann Nierenschäden verursachen, wenn er nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird.

In vielen Fällen lösen sich kleinere Steine bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr von selbst und werden mit dem Urin ausgeschieden. Größere Steine benötigen unter Umständen eine medikamentöse Therapie, Zertrümmerung (Stoßwellentherapie) oder einen chirurgischen Eingriff.

Ohne Behandlung besteht die Gefahr wiederkehrender Koliken, chronischer Schmerzen, Harnwegsinfekte, Blut im Urin und im schlimmsten Fall einer dauerhaften Nierenschädigung.

Ursachen von Nierensteinen

Nierensteine entstehen, wenn sich bestimmte Salze und Mineralien im Urin in zu hoher Konzentration befinden und Kristalle bilden. Bleiben diese Kristalle bestehen, können sie sich zu größeren Ablagerungen verbinden. Der Körper ist zwar in der Lage, kleine Kristalle mit dem Urin auszuscheiden – doch bei einem Ungleichgewicht im Urin können sich diese zu festen Steinen entwickeln.

Häufige Ursachen und begünstigende Faktoren:

  • Zu geringe Flüssigkeitszufuhr, denn konzentrierter Urin fördert die Kristallbildung
  • Ernährungsgewohnheiten, zum Beispiel hoher Konsum von Salz, tierischem Eiweiß oder oxalathaltigen Lebensmitteln
  • Stoffwechselstörungen, zum Beispiel ein erhöhter Kalzium-, Harnsäure- oder Oxalatspiegel
  • Harnwegsinfekte, vor allem bei Struvitsteinen (Infektsteine)
  • Familiäre Veranlagung
  • Geringe körperliche Aktivität, zum Beispiel bei langem Liegen oder Bettlägerigkeit
  • Bestimmte Grunderkrankungen, zum Beispiel Gicht, Hyperparathyreoidismus, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
  • Einige Medikamente, etwa Diuretika, Kalziumpräparate oder bestimmte Antiepileptika

Die Entstehung von Nierensteinen ist oft multifaktoriell. Wer zu wenig trinkt, sich einseitig ernährt oder an bestimmten Vorerkrankungen leidet, hat ein deutlich erhöhtes Risiko.

Diagnose

Die Diagnose beginnt mit einer gründlichen Befragung zu den Beschwerden (zum Beispiel plötzliche Flankenschmerzen, Blut im Urin) sowie einer körperlichen Untersuchung. Schon die typische Schmerzlokalisation und -intensität kann auf eine Nierenkolik hinweisen. Zur Absicherung und genauen Beurteilung kommen die folgenden Untersuchungen zum Einsatz.

Bildgebende Verfahren:

  • Der Ultraschall (Sonografie) ist häufig die erste Untersuchung; gut geeignet zum Nachweis größerer Steine oder Harnstauungen.
  • Eine Röntgenuntersuchung zeigt bestimmte Steinarten (besonders Kalziumsteine), jedoch nicht alle.
  • Die Computertomografie (CT) ist besonders zuverlässig und erkennt auch sehr kleine oder röntgendurchlässige Steine und deren genaue Lage.

Weitere Untersuchungen:

  • Urinanalyse zum Nachweis von Blut, Kristallen oder Infektzeichen
  • Blutuntersuchung zur Kontrolle von Nierenwerten, Elektrolyten, Kalzium oder Harnsäure
  • Steinanalyse, wenn ein Stein ausgeschieden wurde, um Hinweise auf die Zusammensetzung und mögliche Ursachen zu erhalten
  • Langzeitdiagnostik bei wiederholten Steinbildungen wie 24-Stunden-Urin-Sammeltest.

Die Diagnose lässt sich meist schnell stellen – moderne Bildgebung zeigt Größe und Lage des Steins, Blut- und Urinuntersuchungen helfen, mögliche Ursachen und Komplikationen zu erkennen.

Therapie: So lassen sich Nierensteine behandeln

Die Behandlung richtet sich nach Größe, Lage und Beschwerdebild. Viele kleine Nierensteine können spontan mit dem Urin ausgeschieden werden, während größere oder steckengebliebene Steine gezielt behandelt oder entfernt werden müssen.

Konservative Behandlung (bei kleinen Steinen):

  • Viel trinken (mindestens 2–3 Liter pro Tag), um den Stein „auszuspülen“
  • Bewegung, um den Abgang zu erleichtern
  • Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac zur Linderung der Kolikschmerzen
  • Spasmolytika (krampflösende Mittel), um den Harnleiter zu entspannen
  • Medikamente zur Steinauflösung, zum Beispiel bei Harnsäuresteinen (alkalisierende Mittel wie Kaliumcitrat)

Aktive Steinentfernung (bei größeren oder festsitzenden Steinen):

  • Stoßwellenbehandlung (ESWL) zur Zertrümmerung des Steins von außen – schmerzarm, ambulant
  • Ureterorenoskopie (URS) bezeichnet die endoskopische Entfernung oder Zertrümmerung über die Harnröhre
  • Perkutane Nephrolithotomie (PNL) zur Entfernung großer Steine über einen kleinen Hautschnitt in die Niere
  • Eine operative Entfernung ist nur noch selten notwendig, zum Beispiel bei anatomischen Besonderheiten oder sehr großen Steinen

Aktuelle Entwicklungen

Das Diabetesmedikament Empagliflozin zeigt in Studien auch bei nicht-diabetischen Patienten Potenzial zur Vorbeugung von Nierenstein-Rückfällen. Gleichzeitig wurde die Wirksamkeit von Thiazid-Diuretika wie Hydrochlorothiazid infrage gestellt – eine aktuelle Studie fand keinen Vorteil gegenüber Placebo. Diese Erkenntnisse könnten künftig die Behandlung und Vorbeugung von Nierensteinen beeinflussen – derzeit sind weitere Studien in Planung.

Was die Apotheke rät

  • Wärmepflaster oder Wärmflasche im Flankenbereich können entspannend wirken.
  • Trinkmengen gezielt steigern, idealerweise 2–3 Liter am Tag – die Apotheke berät zu geeigneten Mineralwässern oder Tees, je nach Steinart.
  • Harntreibende Tees, zum Beispiel mit Brennnessel, Goldrute oder Birkenblättern, unterstützen die Ausscheidung.
  • Kaliumcitrat oder Natriumcitrat kann den Urin alkalischer machen und die Auflösung von Harnsäuresteinen unterstützen – teils rezeptfrei erhältlich, aber rücksprachepflichtig.
  • Magnesiumpräparate oder Vitamin B6, wenn vom Arzt empfohlen.
  • Eine calciumreiche Ernährung kann das Risiko der Steinbildung reduzieren, da Calcium im Darm Oxalat bindet und somit dessen Aufnahme verringert. Gute Quellen sind Milchprodukte, Orangen und Brokkoli. 

Kurz zusammengefasst

  • Nierensteine entstehen aus Kristallen im Urin, oft durch zu wenig Flüssigkeit oder ungünstige Ernährung.
  • Typisch sind plötzliche, starke Schmerzen (Nierenkoliken), oft mit Übelkeit oder Blut im Urin.
  • Kleine Steine können von selbst abgehen, größere erfordern Medikamente oder einen Eingriff.
  • Viel trinken, Bewegung und eine angepasste Ernährung helfen, Rückfällen vorzubeugen.
  • Neue Studien zeigen: Empagliflozin könnte vorbeugend wirken, während Thiazide an Wirkung verlieren.

zuletzt aktualisiert: 23.01.2025

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