Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung beim Mann. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen liegt eine aggressive Form vor, bei der die Erkrankung nach der Operation ein hohes Rückfallrisiko trägt. Bisher gilt die Entfernung der Prostata, teils kombiniert mit Bestrahlung und einer medikamentösen Hormonbehandlung, als Standard. Trotzdem erleidet bis zur Hälfte der Betroffenen mit einem solchen aggressiven Tumor innerhalb von fünf Jahren einen Rückfall.
Mehr als 2.100 Männer untersucht
Forschende des Dana-Farber-Krebsinstituts untersuchten, ob eine zusätzliche Behandlung mit dem Medikament Apalutamid die Ergebnisse verbessern kann. Apalutamid blockiert die Wirkung männlicher Geschlechtshormone, die das Wachstum von Prostatakrebs antreiben. In einer sogenannten Phase-III-Studie, die wichtig für die Zulassung eines Medikaments ist, bekamen über 2.100 Männer mit aggressivem Prostatakrebs entweder Apalutamid plus Hormonbehandlung oder nur eine Hormonbehandlung, jeweils sechs Monate vor und nach der Operation.
Weniger Metastasen, erneute Therapie später nötig
Nach rund fünf Jahren blieben in der Apalutamid-Gruppe 78,2 Prozent der Patienten ohne Streuung des Tumors in andere Organe, gegenüber 73,5 Prozent in der Gruppe mit alleiniger Hormonbehandlung. Der greifbarste Vorteil: Patienten mit Apalutamid mussten im Schnitt fast drei Jahre später mit einer weiteren Behandlung beginnen als die Vergleichsgruppe.
Was bedeutet das für Betroffene?
Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber das Medikament ist für diese Behandlungssituation noch nicht zugelassen. Bis es tatsächlich breit eingesetzt werden kann, müssen Zulassungsbehörden die Daten prüfen. Wer an aggressivem Prostatakrebs erkrankt ist, sollte mit seinem Arzt besprechen, welche Behandlungsoptionen aktuell zur Verfügung stehen.
Quelle: DOI 10.1056/NEJMoa2603878