GesundheitspolitikArzneimittel

Steuer treibt Preise für Medikamente in die Höhe

HAV/NK  |  23.02.2022

Medikamente sind in Deutschland besonders teuer. Grund dafür ist, dass der Staat den vollen Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel erhebt – davon sehen die meisten anderen europäischen Länder ab. Damit erhält der Staat für Medikamente weitaus mehr Geld als die Apotheke. Darauf weist der Hessische Apothekerverband hin.

Geldscheine und Tablettenpackungen.
In Deutschland sind Medikamente teurer als im europäischen Ausland.
© czarny_bez/iStockphoto

Nur drei europäische Länder erheben den vollen Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel. Deutschland gehört dazu. Nach Dänemark (25 Prozent) und Bulgarien (20 Prozent) liegt Deutschland mit 19 Prozent Mehrwertsteuer auf Arzneimittel an dritter Stelle des europäischen Vergleichs. „Die regierende Ampelkoalition hatte dies ändern wollen – doch am Ende fiel die entsprechende Formulierung aus dem Koalitionsvertrag“, bedauert Holger Seyfarth, Vorsitzender des Hessische Apothekerverband (HAV).

Der Apotheker erklärt, wie sich die Preise verschreibungspflichtiger Arzneimittel zusammensetzen: „Nur drei Prozent des gesetzlich festgelegten Apothekeneinkaufspreises erhalten die Apotheken für ihre Lagerhaltung und die Vorfinanzierung der Arzneimittel – die immer häufiger auch mal mehrere 10.000 Euro pro Packung kosten können.“ Zusätzlich erhalten die Apotheken für rund 80 Prozent der Arzneimittel, die sie abgeben, pro Packung 6,58 Euro. Für die übrigen Arzneimittel – diejenigen, mit denen sie Privatversicherte versorgen – erhalten die Apotheken 8,35 Euro. Diese Zuschläge müssen die Kosten der Beratung, der pharmazeutischen Leistung sowie derjenigen Aufgaben decken, die dem Gemeinwohl dienen, aber niemals kostendeckend sind. „Dazu gehören Nacht- und Notdienste, die Herstellung individueller Arzneimittel im Labor sowie die Versorgung der Arztpraxen mit Impfstoffen“, erläutert Seyfarth.

Zuzahlungen der Patienten zu ihren Arznei- oder Hilfsmitteln leiten die Apotheken an die Krankenkassen weiter. „Die Preise verordneter Arzneimittel setzen sich nach gesetzlich festgelegten Regeln zusammen, die die Apotheke nicht beeinflussen kann. Der Staat kann das über die Höhe der Mehrwertsteuer sehr wohl“, betont Seyfahrt. Der Apotheker fordert den Gesetzgeber auf, den Beispielen der europäischen Nachbarn zu folgen, deren Mehrwertsteuersätze auf Arzneimittel im einstelligen Bereich liegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Anzeige
Anzeige

Fresubin® - Guter Geschmack im neuen Look

Entdecken Sie die Vorteile der Fresubin-Trinknahrungen im neuen und optimierten Design.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast "gecheckt!"
Frau, wäscht sich die Haare.
Podcast: gecheckt!
Haut, Zähne & Schönheit

Podcast: Haarseife und festes Shampoo

Es muss nicht immer flüssig sein. Immer mehr Menschen benutzen Haarseife oder festes Shampoo für die…

Apotheken Magazin

Alle 14 Tage neu in Ihrer Apotheke: Das Apotheken Magazin ist eine kostenlose Zeitschrift für Apothekenkunden, die fundiert und leicht verständlich alle Fragen rund um die Gesundheit beantwortet.

Telepharmazie

Sie suchen eine Apotheke mit Telepharmazieangebot?

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben
Notdienst finden