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Verflixt und zugenäht! Warum Fluchen so guttut

Michaela Asmuß  |  15.06.2021

Wer häufig flucht, gilt als unbeherrscht und aufbrausend. Doch Fluchen hat auch seine guten Seiten, wie wissenschaftliche Studien belegen.

Junge Frau, schreit wütend und schaut in die Luft.
Fluchen hat auch positive Seiten, wie diverse Studien offenlegen.
© stockfour/iStockphoto

Möchten Sie einen kleinen Test machen? Halten Sie Ihre Hand in einen Eimer mit eiskaltem Wasser und stoppen Sie die Zeit. Sie dürfen dabei nur das Wort "neutral" sagen. Wie lange haben Sie es ausgehalten? Wiederholen Sie das Ganze. Diesmal jedoch dürfen Sie herzhaft fluchen – so viel und so laut Sie möchten. Wie lange haben Sie Ihre Hand diesmal im Eiswasser gelassen? Laut des Psychologen Richard Stephens und seiner Kollegen an der Keele University in Großbritannien ertragen Menschen Schmerzen besser, wenn sie dabei fluchen. Den Eiswasser-Test hatte Stephens mit 64 freiwilligen Probanden durchgeführt und wie sich zeigte, hielten die Schimpfenden länger durch. Messungen ergaben, dass ihr Herz beim Fluchen schneller schlug. Stephens ist der Meinung, dass dies die Angriffslust steigert und die Schmerzempfindlichkeit vorübergehend senkt. In einer weiteren Studie fand der Psychologe zudem heraus, dass Fluchen auch mehr Kraft freisetzt. Dafür strampelten Studienteilnehmer auf einem Ergometer. Das Ergebnis: Wer fluchen durfte, war schneller unterwegs.

Psycho-Hygiene

Doch Fluchen hat nicht nur körperliche Auswirkungen. Es ist auch gut für die Psyche. Sprachwissenschaftler Dr. André Meinunger vom Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaften (ZAS) in Berlin bestätigt:
"Der Hauptgrund fürs Fluchen ist tatsächlich, dass wir Stress abbauen und uns abreagieren." Nicht umsonst heißt es, man solle seinen Gefühlen auch mal freien Lauf lassen und nicht alles in sich hineinfressen. "Fluchen ist ein Akt der emotionalen Entlastung." Noch einen weiteren Vorteil sieht Meinunger im Fluchen und Schimpfen: "Es ist ein Fortschritt für die gesamte Menschheit. Eine sehr große Kulturleistung, wenn man so will. Aggression wird nicht mehr in physische Gewalt umgesetzt, sondern in verbale." Doch auch hier gibt es Grenzen, denn Wörter können auf ihre  Art genauso verletzen wie Waffen. So gesund und befreiend Fluchen also ist, verzichten Sie dabei auf rassistische, beleidigende und diskriminierende Ausdrücke. Diese helfen nicht dabei, Emotionen zu regulieren. Sie dienen nur dazu, andere herabzusetzen.

Kreative Leistung

Viel spannender ist es, kreative neue Schimpfwörter zu erfinden oder alte wiederzuentdecken. Blättern Sie zur Inspiration doch mal im Deutschen Schimpfwörterlexikon von 1838 (online zu finden bei der Bayerischen Staatsbibliothek). Auch der Duden hat ein Schimpfwörterlexikon herausgegeben, in dem sich so schöne Kreationen wie "Döskopp" oder "Verbalerotiker" finden. Viele dieser Beleidigungen sind heute nicht mehr gebräuchlich. Auch Schimpfworte entwickeln sich weiter und sind ein Spiegel der Kultur. Meinunger erklärt: "Fluch- und Schimpfwörter speisen sich aus Tabus. Also aus Bereichen, die verdrängt, versteckt und unterdrückt werden." Dazu gehören in den meisten Kulturen die Sexualität, Körperausscheidungen und Krankheiten. "Besonders in Deutschland sind Schimpfwörter fäkal geprägt", sagt Meinunger. "Arsch(loch)" und "Scheiße" gehören hierzulande zu den beliebtesten Kraftausdrücken. "In unseren Nachbarländern ist das Sexuelle viel prominenter", weiß der Linguist. Italiener beziehen sich zum Beispiel oft auf die Geschlechtsteile.

Doch es gibt interessante Beobachtungen: Fluchen wird internationaler. So fluchen auch Deutsche inzwischen gerne mit dem englischen "Fuck". Weniger ist mehr Egal wie und wann: Übertreiben sollte man es nicht, denn je öfter man flucht, desto weniger wirksam ist es. Besser ist es, das Fluchen gezielt einzusetzen, um Gefühlen Ausdruck zu verleihen oder wenn es anstrengend oder schmerzhaft wird, zum Beispiel beim Sport oder bei einer Spritze.

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