Wenn der Blutzucker nach dem Essen steigt

Bei manchen Diabetikern steigt der Blutzuckerwert nach dem Essen stark an. Was ist jetzt zu tun?

Bei manchen Diabetikern steigt der Blutzuckerwert nach dem Essen stark an.
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Postprandialer Blutzuckeranstieg – so nennen Ärzte das Zuckerhoch nach dem Essen. Grundsätzlich ein ganz normaler Vorgang: Wenn Nahrung in den Darm gelangt und der Körper die Stärke aus Brot, Nudeln oder Kartoffeln aufspaltet, wandern die einzelnen Zuckerbausteine ins Blut. Wie viel und wie schnell das vonstattengeht, ist zunächst einmal abhängig davon, was man isst. So gelangt Zucker am raschesten ins Blut. Aber auch die Stärke aus weißem Reis, Nudeln oder Weißbrot spaltet der Körper schnell auf. Das Ergebnis: Der Blutzuckerspiegel klettert in die Höhe. "Bei Gesunden steigen die Werte in der Regel nicht über 140 Milligramm pro Deziliter", erklärt Diabetologe Haak. Denn der Körper gibt sofort ausreichend Insulin ins Blut ab, das schnell wirkt und die Zuckerbausteine in die Zellen transportiert.

Was ist normal?

"Bei Menschen mit Diabetes gilt es als günstig, wenn die Werte auch nach dem Essen 180 Milligramm pro Deziliter nicht überschreiten", so der Experte der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Ob dies gelingt, hängt von mehreren Faktoren ab. Wer auf Vollkornprodukte und viel Gemüse setzt, sorgt beispielsweise für einen langsamen Blutzuckeranstieg. Aber auch die Zubereitung hat einen Einfluss: "Die Stärke aus al dente gekochten Nudeln spaltet der Körper langsamer auf als aus ganz weich gekochten. Auch zusammen mit einer fettreichen Soße gehen die Kohlenhydrate langsamer ins Blut", betont Haak.

Positiv sei es, wenn der Blutzucker bei Menschen mit Diabetes nach dem Essen nur um etwa 60 Einheiten ansteige, also beispielsweise von 90 auf 150 Milligramm pro Deziliter. Wie stark der Blutzuckeranstieg nach dem Essen ausfällt, wissen viele Diabetiker gar nicht so genau. Denn wer seine Werte allein durch Tabletten im Griff hat, misst den Blutzuckerwert in der Regel nicht. Dann geben nur der Langzeitblutzuckerwert HbA1c und der Nüchternglukosewert, die der Arzt bei der Kontrolle bestimmt, einen Hinweis. "Der HbA1c ist ein Mittelwert. Ich kann also theoretisch einen guten HbA1c haben, obwohl mein Blutzucker sehr starke Schwankungen aufweist", erklärt Haak.

Manche Experten sehen genau dies problematisch und appellieren, den postprandialen Blutzuckerwert durch häufigere Messungen besser im Blick zu behalten. Weisen doch auch einige Studien darauf hin, dass starke Blutzuckerspitzen nach dem Essen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnten. Haak sieht dies weniger kritisch: "Kurzfristige Spitzen spielen keine Rolle. Es kommt aber durchaus vor, dass der Blutzucker sehr stark ansteigt und dann vor der nächsten Mahlzeit noch erhöht ist." Sei der Wert derart über mehrere Stunden erhöht, wirke sich dies schließlich auch auf den HbA1c-Wert aus. "Dann muss der Arzt die Therapie natürlich anpassen", bestätigt Haak.

Welche Therapie passt?

Wenn ein Patient mit Tabletten allein nicht mehr zurechtkommt, stehen mittlerweile viele weitere Therapieoptionen zur Verfügung. "Sogenannte GLP-Analoga, die man nur einmal täglich oder wöchentlich spritzt, können eine Möglichkeit sein", so Haak. Außerdem lasse sich auf verschiedene Weise mit Insulin therapieren. "Häufig haben Patienten mit Typ-2-Diabetes schon morgens vor dem Frühstück einen zu hohen Wert. Dann reicht es oft, einmal vor dem Schlafengehen ein lang wirksames Basalinsulin zu spritzen."

Wenn der Nüchternwert am Morgen gut ausfällt und der Blutzucker erst nach dem Frühstück stark ansteigt, hilft manchmal auch eine supplementäre Insulintherapie (SIT). Hierbei spritzt der Patient zusätzlich zur medikamentösen Therapie zu den Hauptmahlzeiten ein schnell wirksames Insulin, um die postprandialen Blutzuckerspitzen in den Griff zu bekommen. "Diese Form der Therapie kann in manchen Fällen sinnvoll sein, ist aber aufwendiger, weil die Patienten häufiger spritzen und messen müssen", gibt Haak zu bedenken. Doch lässt sich der Blutzuckerverlauf mitunter genauer kontrollieren, was letztendlich auch zu besseren Langzeitblutzuckerwerten führen kann. "Entscheidend laut internationalen Empfehlungen ist es, individuell die passende Therapie zu finden", so Haak.

Katrin Faßnacht-Lee

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