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Wie die neuen Corona-Antikörper funktionieren

Apotheker Sven Siebenand/PZ/NK  |  27.01.2021

Die deutsche Bundesregierung hat sich im Kampf gegen Covid-19 ein Kontingent von zwei Antikörper-Medikamenten gesichert. Gesundheitsminister Jens Spahn hat mitgeteilt, 200.000 Dosen für 400 Millionen Euro gekauft zu haben, die schon bald zur Verfügung stehen. Hier die wichtigsten Antworten, wie sie wirken und wann sie einsatzbereit sind.

Nahansicht von Gesicht mit OP-Maske.
Um eine Infektion mit dem Coronavirus besser zu behandeln, hat die deutsche Bundesregierung Antikörper-Medikamente erworben.
© Rattankun Thongbun/iStockphoto

Was hat es mit den neuen Antikörper-Medikamenten auf sich?

Therapeutische Antikörper sind eine Möglichkeit, gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 vorzugehen. Die gekauften Antikörper binden an die Rezeptorbindedomäne des Spike-Proteins von SARS-CoV-2. Das Virus wird so daran gehindert, an Zellen anzudocken und in sie einzudringen. Es wird sozusagen ausgeschaltet, bevor es die Wirtszelle befällt. In einem der beiden Präparate ist der Antikörper Bamlanivimab enthalten, in dem anderen sind es Casirivimab und Imdevimab.

Warum sind in dem einen Präparat gleich zwei solcher Antikörper?

Durch die Kombination aus zwei Antikörpern könnte die Wahrscheinlichkeit sinken, dass die Therapie durch Mutationen unwirksam wird. Diese Hypothese ist aber bislang nicht in einer direkten Vergleichsstudie belegt.

Wer soll mit diesen Antikörpern behandelt werden?

Erwachsene Patienten mit milden oder moderaten Symptomen und einem Risiko für schwere Verläufe sollen damit behandelt werden. Die Anwendung soll nach individueller Nutzen-Risiko-Abschätzung der behandelnden Ärzte erfolgen. Am stärksten profitierten den Herstellern zufolge Patienten, deren Immunsystem noch keine eigenen Antikörper gegen das Virus gebildet hatte. Innerhalb der ersten zehn Tage nach Infektion hat es in Studien die besten Ergebnisse gegeben. Das spricht also für einen möglichst frühzeitigen Einsatz. In den USA wird bereits ab einem Alter von zwölf Jahren damit behandelt. Patienten, die bereits im Krankenhaus sind oder Sauerstoff benötigen, dürfen das Medikament nicht bekommen.

Wie ist der Zulassungsstatus?

In den USA gibt es für diese Arzneimittel seit November 2020 eine Notfallzulassung der Arzneimittelbehörde FDA, in der Europäischen Union sind die Mittel bisher nicht zugelassen. Der Deutschen Presse-Agentur zufolge planen die Hersteller, auch in der EU eine Zulassung zu beantragen.

Wie werden die Mittel verabreicht?

Die Mittel werden einmalig intravenös verabreicht. Im Falle von Casirivimab und Imdevimab erfolgt die Gabe beider Antikörper gemeinsam während einer mindestens einstündigen Infusion.

Ab wann können die Medikamente in Deutschland zum Einsatz kommen?

Die Arzneimittel sollen in den kommenden Wochen nach und nach spezialisierten Krankenhäusern kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Was haben Casirivimab und Imdevimab mit Donald Trump zu tun?

Der Ex-US-Präsident wurde während seiner Covid-19-Behandlung unter anderem auch damit behandelt und lobte die Antikörpertherapie später in höchsten Tönen.

Sind Wissenschaftler genauso begeistert wie Trump?

Viele Experten sind noch skeptisch. Beim Apotheker-Fortbildungskongress Pharmacon@home bemängelte zum Beispiel Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz von der Universität Frankfurt am Main eine ausreichende Datenbasis für eine finale Beurteilung. Bei einer fortgeschrittenen Covid-19-Erkrankung können die Antikörper voraussichtlich wenig helfen. Dies ist schon durch ihr Wirkprinzip begründet.

Was ist über Nebenwirkungen bekannt?

Bisher haben sich die Antikörper-Präparate als relativ gut verträglich gezeigt. Möglicherweise besteht ein Risiko für schwere Überempfindlichkeitsreaktionen. Jedoch besteht auch hinsichtlich des Sicherheitsprofils noch weiterer Forschungsbedarf für eine finale Beurteilung.

Wie kommen die Firmen auf Wirkstoffnamen wie Bamlanivimab und Casirivimab?

Das bleibt ein Geheimnis der Hersteller. Vielleicht sollte es dieses Mal besonders einfach sein: Immerhin kamen im vergangenen Jahr schon ganz andere Zungenbrecher auf den Markt: zum Beispiel Onasemnogen-Abeparvovec, Belantamab-Mafodotin und Mogamulizumab.

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