GesellschaftArzneimittel

Wohin mit dem ganzen Diabetes-Müll?

Natascha Koch  |  16.11.2022

Viele Menschen möchten nachhaltiger leben und Müll vermeiden. Bei der Diabetes-Therapie fällt das schwer. Hier ist vor allem die Industrie gefragt, sagt der Diabetologe Professor Dr. Andreas Fritsche vom Universitätsklinikum Tübingen.

Junges Mädchen, misst ihren Blutzucker.
Bei der Therapie von Diabetes entsteht einiges an Arzneimittelabfall.
© Allchonok/iStockphoto

Spätestens seit der Corona-Pandemie dürfte den meisten Menschen klar sein: Im Gesundheitssektor entstehen Unmengen an Müll. Woran liegt das?

Fritsche: Das stimmt, im Gesundheitswesen wird enorm viel Müll produziert, ganz besonders in Krankenhäusern und auf Intensivstationen. Das liegt daran, dass es in der Medizin sehr strikte Hygienerichtlinien gibt, die Schutzkleidung und Einmal-Artikel erforderlich machen. Man kann sagen: Je schwerer ein Patient erkrankt ist, desto mehr Müll entsteht bei der Versorgung. Durch die Corona-Pandemie wurde ebenfalls extrem viel Abfall produziert. Erst kürzlich habe ich gelesen, dass weltweit jeden Monat 129 Milliarden Atemschutzmasken weggeworfen werden. Das ist Wahnsinn. Natürlich produziert auch die Therapie von chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Asthma Abfall. Das ist meiner Meinung nach aber nicht das zentrale Problem.

Kann ich als Patient mit einer chronischen Krankheit überhaupt etwas tun, um die Umwelt zu schonen?

Fritsche: Das ist leider in der Tat schwierig. Die Patienten haben wenig Handlungsspielraum, denn Diabetes-Utensilien müssen natürlich hygienisch verpackt sein, und es ist auch keine Lösung, Pen-Nadeln oder anderes Zubehör häufiger zu verwenden als empfohlen wird. Von solchen Vorgehensweisen rate ich ab. Denn die Nadeln werden schnell stumpf, können die Haut verletzen oder das Insulin wird nicht mehr richtig resorbiert. Ich empfehle auch nicht, seltener den Blutzucker zu messen, um Teststreifen zu sparen – auch das geht am Ende möglicherweise auf Kosten der eigenen Gesundheit. Was aber jeder einzelne tun kann, ist, den Abfall, der bei der Therapie entsteht, richtig zu entsorgen.

Wie funktioniert das?

Fritsche: Die offizielle Empfehlung lautet, alle spitzen Utensilien wie Nadeln, Pens oder Kanülen in separaten Boxen zu sammeln. Diese sind in der Regel gelb mit einem roten Deckel, solche Behälter sind unter anderem in Apotheken erhältlich. Diese können dann im Restmüll entsorgt werden, da sie sicher verschlossen werden können. Viele Apotheken nehmen die Boxen auch entgegen und entsorgen sie separat. Ansonsten werden die Umverpackungen von Medikamenten im Altpapier entsorgt, leere Blister gehören in die gelbe Tonne. Aber: Diabetes-Utensilien, die mit Körperflüssigkeiten in Kontakt gekommen sind, wie zum Beispiel Blutzuckerteststreifen, dürfen nicht über die gelbe Tonne entsorgt werden, sondern über den Restmüll.

Gibt es Ideen, wie sich der Müll im Gesundheitswesen in Zukunft reduzieren lässt?

Fritsche: In der Medizin ist das auf alle Fälle schwieriger als in anderen Bereichen. Der Trend geht heutzutage auch eher zu großen Kliniken, Pflegeheimen und Stationen, um Personal zu sparen. Hier ist zu befürchten, dass dann auch mehr Müll als in kleineren Krankenhäusern anfällt. Im Bereich Verpackungen lässt sich meiner Ansicht nach eine Menge Müll einsparen. Einer meiner Patienten hat mir zum Beispiel berichtet, dass seine Diabetes-Utensilien bei einer Flugreise wegen der großen Umverpackungen nicht ins Handgepäck gepasst haben. Im Koffer sollte man die Medikamente und das Zubehör aber nicht transportieren – unter anderem für den Fall, dass der Koffer verloren geht. Bei den Verpackungen gäbe es also sicher Einsparpotenzial und intelligentere Möglichkeiten. Denkbar wäre auch, dass Hersteller anbieten, bestimmtes Zubehör wie Einmal-Pens zurückzunehmen und recyceln. Es könnte auch eine Lösung sein, Applikations- beziehungsweise Stechhilfen wiederverwendbar zu gestalten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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