Sie sind in: Startseite Service Neue Apotheken Illustrierte Archiv 2016 1. November 2016 Notfall: Hodenschmerzen im Kindes- und Jugendalter

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Plötzliche Schmerzen im Hodensack sind immer ein Notfall.

Plötzliche, stechende Schmerzen, Rötung und Schwellung in einer Hälfte des Hodensacks: Das sind mögliche Anzeichen einer Hodendrehung.
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Notfall: Hodenschmerzen im Kindes- und Jugendalter

Eltern sollten plötzliche, starke Hodenschmerzen ihres Kindes stets ernst nehmen und mit dem Kind dann rasch einen Kinderchirurgen oder -urologen aufsuchen. In etwa einem Fünftel der Fälle liegt eine "Hodendrehung" vor, die rasch operiert werden muss. So steht es in einer neuen medizinischen Leitlinie, entstanden unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH). Das Risiko, eine Hodendrehung zu erleiden, liegt bei etwa 1:4000.

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"Dreht sich der Hoden mit dem Nebenhoden um den Samenstrang, sprechen wir von einer Hodentorsion", erläutert der Bremer Kinderchirurg Professor Dr. Christian Lorenz. Er hat die neue medizinische Leitlinie "Akutes Skrotum im Kindes- und Jugendalter" koordiniert, in der es auch um die Hodentorsion geht. Bei dieser wird die Blutversorgung des betroffenen Hodens vermindert. Dies kann zu plötzlichen, starken Schmerzen einer Hälfte des Hodensacks mit starkem, lokalem Druckschmerz, Schwellung und Rötung eines, seltener beider Hodenfächer führen. Die Schmerzen können in die Leiste und den Unterbauch ausstrahlen und mit Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbruch und Herzrasen bis hin zum Schock einhergehen.

Die Folgen einer Hodentorsion können beträchtlich sein: "Hodengewebe ist sehr empfindlich", betont Dr. Tobias Schuster, Pressesprecher der DGKCH und Chefarzt der Kinderchirurgie am Klinikum Augsburg. Ist die Blutzufuhr ganz unterbrochen, sterben die spermienbildenden Zellen nach spätestens sechs bis acht Stunden ab. Die hormonproduzierenden Zellen des Hodens gehen nach etwa zwölf Stunden zugrunde – es droht der Verlust des betroffenen Hodens.

Diagnose im Kindes- und Jugendalter oft zu spät

Hodentorsionen können in jedem Lebensalter auftreten. Ursache sind oft besonders locker befestigte und damit im Hodenfach sehr bewegliche Hoden. Aber auch Kinder mit verspäteter, also nicht bis zur Geburt erfolgten Senkung eines oder beider Hoden in den Hodensack haben ein bis zu zehnfach erhöhtes Torsionsrisiko. "Im Kindes- und Jugendalter gibt es jedoch Besonderheiten gegenüber Erwachsenen, die Diagnose und Therapie erschweren", erklärt Lorenz, Direktor der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie am Klinikum Bremen-Mitte. Während sich sehr kleine Patienten noch nicht präzise äußern können, tun dies in der Pubertät betroffene Jungen oft aus Scham nicht oder zu spät, schildert Lorenz die Problematik. "Dies kann dazu führen, dass die Drehung oft schon Stunden zurückliegt, bis wir die Patienten sehen, und die Prognose für den Hoden trotz zügig eingeleiteter Operation entsprechend schlecht ist." Deshalb sind akute Hodenbeschwerden immer ein Notfall mit höchster Dringlichkeit.

Den Hoden bei einer Operation zurückdrehen

Für die Diagnose ist eine gründliche Untersuchung entscheidend. »Besteht trotz zeitgerechter Ausschöpfung aller Untersuchungstechniken der geringste Zweifel an einer ausreichenden Durchblutung des betroffenen Hodens, ist eine notfallmäßige operative Eröffnung des betroffenen Hodenfaches mit Inspektion des Hodens und adäquater Therapie die zwingend gebotene Maßnahme«, so Professor Dr. Bernd Tillig, Präsident der DGKCH.

Liegt eine Hodendrehung vor, wird bei der Operation der betroffene Hoden in seine ursprüngliche Lage zurückgedreht, so dass die Durchblutung wieder möglich ist und der Hoden erhalten bleibt. Auch wird er mit zwei bis drei Nähten gesondert im Hodenfach befestigt. Die neue Leitlinie empfiehlt dies auch für den bislang unauffälligen Hoden auf der Gegenseite, um so einer möglichen späteren Hodendrehung vorzubeugen.

"Nur wenn der Hoden unwiederbringlich geschädigt ist, muss er entfernt werden", betont Tillig. Eine prothetische Versorgung des leeren Hodenfaches ist heute Teil der Nachsorge für alle Patienten, die einen Hodenverlust erlitten haben und deren Körperwachstum abgeschlossen ist. Dabei setzen die Chirurgen ein Implantat aus Kunststoff ein, das aussieht und sich ähnlich anfühlt wie ein natürlicher Hoden.

DGKCH/FS

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