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Der neue Coronavirus ruft andere Symptome hervor als eine Erkältung.

Bei einem Verdacht auf eine Corona-Infektion ruft man zunächst beim zuständigen Gesundheitsamt oder Arzt an, und erscheint nicht unangemeldet in der Praxis.
© Zinkevych/iStockphoto

Mi. 25. März 2020

Wie sich Coronavirus, Grippe und Erkältung unterscheiden

Die wachsende Zahl an Patienten, die sich in Deutschland mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 angesteckt haben, macht vielen Menschen Angst. Könnte ich mich auch infiziert haben? Bei einem Vergleich sprechen bestimmte Merkmale für Corona und erlauben eine erste Unterscheidung von der Grippe oder einer Erkältung. Endgültige Klarheit schafft jedoch nur ein Labortest.

SARS-CoV-2 oder Covid-19?

Inzwischen erhielt der Erreger den offiziellen Namen SARS-CoV-2, vormals war er als 2019-nCoV bekannt. Die Erkrankung, die dieses Virus auslöst, wird als Covid-19 bezeichnet (Abkürzung für Corona Virus Disease 2019).

Covid-19 kann sich durch eine Reihe unspezifischer Symptome bemerkbar machen, betrifft aber häufiger die unteren Atemwege. Daher treten typische Erkältungssymptome wie Schnupfen, Halsschmerzen und Niesen nach bisherigen Berichten der Fachliteratur im Vergleich seltener auf. Hauptsymptome sind Fieber, Husten und Atemnot. Es kann zu Atemproblemen bis hin zu einer Lungenentzündung kommen. Einige Patienten litten auch unter Durchfall.

SARS-CoV-2 befällt vor allem die unteren Atemwege

In einem Bericht im Fachjournal The New England Journal of Medicine haben chinesische Wissenschaftler 1099 Erkrankungsfälle aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion aus verschiedenen Provinzen in China genauer untersucht. Alle dieser Patienten waren im Krankenhaus behandelt worden. Während ihres Aufenthalts entwickelte sich bei über 91 Prozent eine Lungenentzündung und knapp 90 Prozent der Patienten hatten Fieber, 68 Prozent (trockenen) Husten, 19 Prozent litten unter Kurzatmigkeit und 38 Prozent unter Fatigue. Über Kopfschmerzen klagten 14 Prozent, Durchfall trat bei knapp 4 Prozent auf. Infektionen mit dem neuen Coronavirus können jedoch auch mild bis symptomlos verlaufen. Das betrifft vor allem Kinder: Einer weiteren Studie aus China zufolge stecken sich junge Menschen zwar genauso häufig wie Erwachsene mit SARS-CoV-2 an, entwickeln aber kaum Symptome.

Ein noch etwas genaueres Bild liefert eine Auswertung der ersten 72.314 Covid-19-Fälle in China, die Ende Februar im Fachjournal JAMA veröffentlicht wurde. Diesen Daten zufolge verlief die Erkrankung in 81 Prozent der Fälle mild. 889 der 72.314 ausgewerteten Fälle wurden zwar positiv getestet, zeigten aber keine Krankheitssymptome. Allerdings können nach Angaben der chinesischen Forscher auch asymptomatische Patienten das Virus übertragen.

Professor Dr. Hendrik Streeck, Facharzt für Virologie und Infektionsepidemiologie aus Bonn, berichtete kürzlich gegenüber der Frankfurter Allgemeine Zeitung von neu erfassten Symptomen bei einer SARS-CoV-2 Infektion. Ihm zufolge entwickelten fast alle der rund 100 befragten Infizierten im Kreis Heinsberg einen mehrtägigen Geruchs- und Geschmacksverlust. Der Virologe vermutet, dass diese Symptomatik erst im späteren Verlauf der Infektion auftritt.

Die Inkubationszeit, also der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung, wird derzeit auf durchschnittlich fünf bis sechs Tage geschätzt. Die angegebene Spannweite reicht von einem bis zu 14 Tagen. Unklar ist zurzeit noch, wie lange ein mit SARS-CoV-2 infizierter Mensch andere anstecken kann.

Symptomvergleich im Überblick

Symptom Covid-19 Grippe/Influenza Erkältung
Fieber +++++ +++++ ++
trockener Husten +++++ +++++ ++++
Atemnot ++ + -
verstopfte/laufende Nase + +++ +++++
Halsschmerzen ++ +++++ +++++
Kopfschmerzen ++ +++++ +++
Gliederschmerzen ++ +++++ +++
Geschmacksverlust +++ + +
Durchfall + + +
allgemeine Schwäche ++++ ++++ ++
schwerer Verlauf ++ + -

© aponet.de
(nach Robert Koch-Institut, wissenschaftlicher Literatur, Expertenaussagen; Angaben bieten ungefähre Größenordnungen)

Wie hoch liegt die Sterberate?

Laut Aussage des Robert Koch-Instituts (RKI) traten Todesfälle bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren und/oder zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten. Etwa 2 Prozent der nachweislich an Covid-19 Erkrankten verstarben. Die Studiendaten in JAMA präzisieren das: Die Sterberate bei den 70- bis 79-Jährigen lag bei 8,0 Prozent und bei den Über-80-Jährigen bei 14,8 Prozent. In der Gruppe der Kinder bis neun Jahre gab es keine Todesfälle.

Daten aus Südkorea geben mit etwa 0,8 Prozent eine erheblich niedrigere durchschnittliche Sterberate an. Experten halten diese Zahl für genauer, da Südkorea sehr umfangreich auf das Coronavirus testet. Dadurch fließen auch Fälle infizierter Personen ohne erkennbare Krankheitszeichen in die Statistik ein, während in anderen Ländern vornehmlich die offensichtlich Erkrankten erfasst werden.

Insgesamt kann zur Sterberate noch keine endgültige Aussage getroffen werden. Die Unterschiede von Land zu Land erklären sich zum Teil auch durch den Zugang der Bevölkerung zum Gesundheitssystem und die Qualität der Versorgung.

Im Vergleich dazu schätzt das RKI die Sterberate bei Influenza insgesamt momentan als geringer ein. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu sterben, liege bei 0,1 bis 0,2 Prozent.

Themenspecial Coronavirus

Coronavirus Mehr aktuelle Beiträge zu SARS-CoV-2 und Covid-19 finden Sie im Themenspecial Coronavirus auf aponet.de.

Grippe startet schnell

Von den Symptomen her sind Grippeerkrankungen oft schlecht von Infektionen mit dem neuen Coronavirus zu unterscheiden. Beide verursachen Anzeichen von Atemwegserkrankungen, können aber auch symptomlos verlaufen. Typisch für eine Influenza-Infektion, also eine Grippe, sind neben trockenem Husten und plötzlich einsetzendem, oft hohem Fieber auch ein starkes Krankheitsgefühl sowie Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Inkubationszeit der Grippe ist kurz, laut RKI beträgt sie 1 bis 2 Tage.

Entscheidend für den Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion ist nach derzeitigem Stand der mögliche Kontakt mit anderen Erkrankten. Gefährdet ist vor allem,

  • wer sich gerade in einem Covid-19-Risikogebiet aufgehalten hat
  • wer engen Kontakt mit Personen aus diesen Gebieten oder an Covid-19 erkrankten Menschen hatte.

Wer die oben beschriebenen Symptome an sich bemerkt, ruft beim zuständigen Gesundheitsamt oder seinem Arzt an und teilt den Verdacht mit, anstatt unangemeldet in der Praxis zu erscheinen. Welches Gesundheitsamt für Sie zuständig ist, lässt sich über die Webseite des Robert Koch-Instituts herausfinden.

Erkältung verläuft schleichend

Leichter abzugrenzen sind dagegen banale Erkältungen. Dabei treten die typischen Symptome wie Halsschmerzen, Schnupfen, schleimiger Husten, leicht erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit und leichte bis mäßige Kopfschmerzen meist schleichend über mehrere Tage auf. Oft schmerzt zunächst nur der Hals, der Husten kommt in der Regel erst später dazu. Man fühlt sich zwar krank, aber nicht so vollkommen kraftlos wie bei einer echten Grippe.

PZ/NK/RF


Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag wird regelmäßig nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand aktualisiert.

Quellen:
Robert Koch-Institut
DOI 10.1056/NEJMoa2002032
DOI 10.1101/2020.03.03.20028423
DOI 10.1001/jama.2020.2648

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