Die Übersichtsarbeit deutet darauf hin, dass kontrollierte Atemübungen das starke Verlangen nach Alkohol, Nikotin oder anderen Drogen verringern könnte.
Kleine Effekte, aber noch offene Fragen
Forschende der Monash University in Australien hatten die Ergebnisse von 20 Studien mit insgesamt 1.249 Teilnehmenden ausgewertet. Untersucht wurden Menschen mit Suchterkrankungen, darunter mit Abhängigkeiten von Alkohol, Nikotin, Opiaten, Stimulanzien oder anderen Drogen. Insgesamt verringerte kontrolliertes Atmen den sogenannten Suchtdruck zwar nur gering, aber statistisch signifikant. Die positiven Effekte zeigten sich unabhängig von der konsumierten Substanz. Weniger eindeutig war die Datenlage zu Entzugssymptomen und Abhängigkeit.
Diese Atemtechniken wurden untersucht
Zum Einsatz kamen verschiedene Methoden:
- Herzratenvariabilitäts-Biofeedback (HRVB): Die Atmung wird mithilfe eines Sensors, der die Herzfrequenz erfasst, an den Herzrhythmus angepasst.
- Resonanzatmung: Ähnelt der HRVB, wird aber ohne Biofeedback durchgeführt. Die Atmung entspricht in der Regel etwa sechs Atemzügen pro Minute.
- Yogische Atemtechniken: Verschiedene Atemmuster mit Einatmen, Ausatmen und manchmal auch Atemanhalten. Die Atmung kann sich je nach Yoga-Praxis in Geschwindigkeit, Atemtiefe und Dauer des Atemanhaltens unterscheiden.
- Rhemercise: Langsame Atmung kombiniert mit Lächeln, Gähnen und positiven Selbstbotschaften.
- Rauchbewegung nachahmen: Tiefe Atemzüge in einem festen Rhythmus ähnlich dem Rauchen.
- Dreiteilige Atmung: Tiefes Einatmen mit Fokus auf Bauch, Brustkorb und oberen Brustbereich.
Weitere Forschung nötig
Die Autoren halten Atemübungen für einen vielversprechenden Baustein der Suchtbehandlung, etwa über Smartphone-Apps. Allerdings unterschieden sich die Studien deutlich hinsichtlich Atemtechnik, Dauer und Zielgrößen. Zudem handelte es sich um relativ kleine Studien. Ob die Effekte langfristig bestehen und den Behandlungserfolg verbessern, müssen weitere und vor allem größere Studien zeigen. Für eine allgemeine Empfehlung reicht die Studienlage daher bislang nicht aus, und die Forschenden betonen, dass die Methoden eine Ergänzung bestehender Behandlungsangebote darstellen könnten, aber kein Ersatz für eine Suchttherapie sind.
Quelle: DOI 10.1111/add.70542