Atemübungen gegen Alkohol, Zigaretten & Co.: Verlangen nach Suchtmitteln einfach wegatmen?

Hanke Huber  |  31.07.2026 10:02 Uhr

Menschen mit einer Suchterkrankung erleben häufig einen starken Drang, Alkohol zu trinken, zu rauchen oder andere Drogen zu konsumieren. Dieses Verlangen könnte man einer neuen Studie zufolge mit kontrollierten Atemübungen möglicherweise abschwächen.

Frau hat die Hände auf der Brust und atmet
Bewusstes Atmen könnte das starke Verlangen nach Suchtmitteln vorübergehend abschwächen.
© Dima Berlin/iStockphoto

Die Übersichtsarbeit deutet darauf hin, dass kontrollierte Atemübungen das starke Verlangen nach Alkohol, Nikotin oder anderen Drogen verringern könnte. 

Kleine Effekte, aber noch offene Fragen

Forschende der Monash University in Australien hatten die Ergebnisse von 20 Studien mit insgesamt 1.249 Teilnehmenden ausgewertet. Untersucht wurden Menschen mit Suchterkrankungen, darunter mit Abhängigkeiten von Alkohol, Nikotin, Opiaten, Stimulanzien oder anderen Drogen. Insgesamt verringerte kontrolliertes Atmen den sogenannten Suchtdruck zwar nur gering, aber statistisch signifikant. Die positiven Effekte zeigten sich unabhängig von der konsumierten Substanz. Weniger eindeutig war die Datenlage zu Entzugssymptomen und Abhängigkeit. 

Diese Atemtechniken wurden untersucht

Zum Einsatz kamen verschiedene Methoden:

  • Herzratenvariabilitäts-Biofeedback (HRVB): Die Atmung wird mithilfe eines Sensors, der die Herzfrequenz erfasst, an den Herzrhythmus angepasst.
  • Resonanzatmung: Ähnelt der HRVB, wird aber ohne Biofeedback durchgeführt. Die Atmung entspricht in der Regel etwa sechs Atemzügen pro Minute.
  • Yogische Atemtechniken: Verschiedene Atemmuster mit Einatmen, Ausatmen und manchmal auch Atemanhalten. Die Atmung kann sich je nach Yoga-Praxis in Geschwindigkeit, Atemtiefe und Dauer des Atemanhaltens unterscheiden.
  • Rhemercise: Langsame Atmung kombiniert mit Lächeln, Gähnen und positiven Selbstbotschaften.
  • Rauchbewegung nachahmen: Tiefe Atemzüge in einem festen Rhythmus ähnlich dem Rauchen.
  • Dreiteilige Atmung: Tiefes Einatmen mit Fokus auf Bauch, Brustkorb und oberen Brustbereich. 

Weitere Forschung nötig

Die Autoren halten Atemübungen für einen vielversprechenden Baustein der Suchtbehandlung, etwa über Smartphone-Apps. Allerdings unterschieden sich die Studien deutlich hinsichtlich Atemtechnik, Dauer und Zielgrößen. Zudem handelte es sich um relativ kleine Studien. Ob die Effekte langfristig bestehen und den Behandlungserfolg verbessern, müssen weitere und vor allem größere Studien zeigen. Für eine allgemeine Empfehlung reicht die Studienlage daher bislang nicht aus, und die Forschenden betonen, dass die Methoden eine Ergänzung bestehender Behandlungsangebote darstellen könnten, aber kein Ersatz für eine Suchttherapie sind.

Quelle: DOI 10.1111/add.70542 

Mehr aponet.de bei Google

Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Senioren

Im Fokus diesmal: Welche Milch das meiste Omega-3 enthält, dass es Sportallergie tatsächlich gibt…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben