Frauen und Männer unterscheiden sich bei Lungenerkrankungen: Anatomie, Hormone und Reagieren auf Umweltfaktoren prägen Risiko und Verlauf.

Auch bei Erkrankungen der Lungen spielt das Geschlecht eine wichtige Rolle: So sind Frauen und Männer unterschiedlich anfällig für Lungenerkrankungen, Symptome und Therapieerfolge können variieren: Denn soziale, anatomische und hormonelle Unterschiede können sich direkt auswirken. Das erklärte Professor Dr. Dirk Keiner, Zentralapotheke des St. Georg Klinikums in Eisenach, bei einer Fortbildungsveranstaltung der Apothekerkammer Brandenburg.
Wer die Anatomie von Männern und Frauen vergleicht, stellt fest:
Das führt dazu, dass chronische Lungenerkrankungen Frauen oft stärker belasten und ihr Lebensqualität mehr beeinträchtigen. Auch hormonelle Faktoren beeinflussen die Atemwege: Estrogene können die Bronchien empfindlicher machen und so die Anfälligkeit für Asthma und Allergien erhöhen, während Testosteron tendenziell einen schützenden Effekt hat.
Gleichzeitig reagieren Frauen empfindlicher auf schädliche Einflüsse aus der Umwelt („Umweltnoxen“). Experimentelle Studien zeigen, dass sich bei ihnen mehr Feinstaubpartikel (< 2,5 µm) in den Atemwegen ablagern. „Rauchen ist, egal in welchem Alter, besonders für Frauen schädlich“, betonte der Professor Keiner. Sie erkrankten im Durchschnitt früher an COPD – selbst, wenn sie weniger Zigaretten konsumierten als Männer. Außerdem falle ihnen der Rauchverzicht tendenziell schwerer.
Keiner sprach auch von einem „besseren Fünfjahresüberleben“ von Frauen bei COPD: Mehr Frauen leben folglich noch fünf Jahre nach der Diagnose. Auch profitierten sie häufig stärker von Therapien zum Inhalieren. Bei Pulverinhalatoren sei jedoch unbedingt zu prüfen, ob ihr Atemzugvolumen groß genug ist.
Auch bei Lungenkrebs überleben anteilig mehr Frauen. Dabei suchten sie bei Symptomen wie Husten oder Heiserkeit früher ärztliche Hilfe. Daher werde der der Krebs häufiger in einem früheren Stadium diagnostiziert. Gleichzeitig sprechen Frauen tendenziell besser auf Therapien an – allerdings hätten sie auch mehr Nebenwirkungen, wie Keiner anmerkte.
Sein Fazit: Das Geschlecht wirkt in vielen Bereichen als „stiller Krankheitsmodifikator“. Wer es berücksichtigt, verbessere die Versorgung.
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