Cholesterinsenker Statine: Viel weniger Nebenwirkungen als bisher angenommen

Dr. Karen Zoufal  |  06.02.2026 10:15 Uhr

Statine sind Medikamente, die das Cholesterin und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Viele Menschen fürchten mögliche Nebenwirkungen, doch eine Studie zeigt: Die meisten im Beipackzettel genannten unerwünschten Wirkungen treten auch bei einer Behandlung mit Placebos auf.

Frau nimmt Tablette ein.
Viele nehmen sogenannte Statine gegen zu hohes Cholesterin ein.
© insta_photos/iStockphoto

Geistige Leistungsfähigkeit durch Statine nicht eingeschränkt

In einer Auswertung von 23 groß angelegten hochwertigen Studien zu Cholesterinsenkern stellte sich heraus, dass fast alle der in den Packungsbeilagen aufgeführten Nebenwirkungen sowohl bei den Statin- als auch bei den Placebo-Anwendern auftraten. Beispielsweise berichteten sowohl bei Behandlung mit Statinen als auch mit einem Placebo jeweils 0,2 Prozent der Personen von geistigen Beeinträchtigungen oder Gedächtnisstörungen. 

Kein Hinweis auf viele andere Erkrankungen und Symptome

Die Einnahme von Statinen löste im Vergleich zu Placebos nicht häufiger Depressionen, Schlafstörungen, Erektionsstörungen, Gewichtszunahme, Übelkeit, Müdigkeit oder Kopfschmerzen aus. Es wurde lediglich ein geringfügig erhöhtes Risiko für Leberfunktionsstörungen beobachtet (ca. 0,1 Prozent). Lebererkrankungen wie Hepatitis oder Leberversagen waren in den Statin-Gruppen aber nicht häufiger als in den Kontrollgruppen. Das spricht dafür, dass die Veränderungen der Leberwerte nicht zu schwerwiegenderen Leberproblemen führen.

Nur 4 von 66 Nebenwirkungen wurden bestätigt

Professor Bryan Williams, wissenschaftlicher Vorsitzender Britischen Herzgesellschaft, sagte: „Diese Ergebnisse bieten Patienten fundierte, evidenzbasierte Sicherheit. Statine sind lebensrettende Medikamente, die nachweislich vor Herzinfarkten und Schlaganfällen schützen. In dieser sorgfältig durchgeführten Analyse, die eine große Anzahl von Patienten untersuchte, wurden nur 4 von 66 Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme von Statinen gefunden, und dies auch nur bei einem sehr kleinen Teil der Patienten.“

Wieso listen Beipackzettel so viele Nebenwirkungen auf?

Sir Rory Collins, emeritierter Professor für Medizin und Epidemiologie der Oxford Universität, erklärte: „Die Beipackzettel von Statinen führen bestimmte unerwünschte Gesundheitsfolgen als mögliche Nebenwirkungen auf, die hauptsächlich auf Informationen aus nicht-randomisierten Studien basieren, welche Verzerrungen unterliegen können.“ 

Studiendesign für zuverlässige Bewertung

In diese Bewertung flossen dagegen nur große randomisierte Kontrollstudien ein, die im Schnitt über fünf Jahre liefen. Die Studien waren doppelblind, d. h. weder die Teilnehmenden noch das Studienpersonal wussten, wer welche Behandlung erhalten hatte. Dadurch wurden Verzerrungen durch erwartete Nebenwirkungen vermieden.

Insgesamt wurden Daten von 123.940 Teilnehmenden in 19 großen klinischen Studien ausgewertet, in denen die Wirkung von Statinen mit einem Placebo verglichen wurde. In weiteren 4 Studien mit 30.724 Teilnehmenden wurden unterschiedlich intensive Statintherapien miteinander verglichen.

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