Sex & Partnerschaft

Die 10 häufigsten Beziehungsfehler

Hanke Huber  |  03.05.2021

Die einen finden sich nach vielen Ehejahren als Single wieder, bei anderen will sich einfach kein dauerhaftes Beziehungsglück einstellen. Welche Fehler viele Paare machen, erklärt der unter anderem auf Paar- und Familientherapie spezialisierte Psychotherapeut und Notfallpsychologe Petros Stathakos aus Berlin.

Mann und Frau, liegen Rücken am Rücken im Bett, beide unglücklich.
Streits und Meinungsverschiedenheiten sind in einer Partnerschaft ganz normal. Wichtig ist, wie man damit umgeht.
© Mann und Frau, liegen Rücken am Rücken im Bett, beide unglücklich.

1. Streit(un)lust

Viele Paare sprechen Probleme nicht an. Diese Vermeidungstaktik ist menschlich. "Niemand hat Lust zu streiten. Es kostet Energie und ist unangenehm. Stattdessen möchte man lieber seinen Kaffee genießen und einen schönen Tag haben", sagt Stathakos. Doch manchmal müsse man diese zehn Prozent seiner Energie investieren und ein Konfliktgespräch führen, um ein Problem zu lösen, und das am besten frühzeitig. Beleidigungen und Verletzungen aber haben in einem Streitgespräch nichts zu suchen.

2. Ich, ich, ich

Um gemeinsam Konflikte zu lösen, benötigt man Empathie. "Das bedeutet, das Problem durch die Augen des anderen betrachten, sich in seine Position hineinversetzen zu können", erklärt der Psychologe. Ein Mangel an Empathie und eine starke Ich-Bezogenheit bringen Gespräche rasch zum Scheitern. Auch wichtig: zuhören und den anderen ausreden lassen.

3. Das große Schweigen

Reden hilft nicht nur bei Konflikten. "Viele Menschen vergessen, ihre eigenen Sehnsüchte, Wünsche, aber auch Grenzen anzusprechen. Sie gehen davon aus, dass der andere ihre Gedanken lesen kann", so Stathakos. "Vielleicht war das am Anfang der Beziehung auch so. Aber wir ändern uns im Laufe der Jahre. Und dann ist es wichtig, zu sagen, was man will und was nicht."

4. Der Schluffi in mir

Im Laufe der Jahre kann es vorkommen, dass Partner anfangen, sich zu vernachlässigen, zum Beispiel ihre Erscheinung oder Hygiene. "Darunter würde ich auch zu viel Alkohol, zu viel Essen, zu wenig Sport oder Schlaf fassen", so der Psychologe. Das wird vor allem dann problematisch, wenn der eine auf sich achtet, der andere aber nicht.

5. Im Klammergriff

"Viele Menschen haben einen falschen Begriff von Loyalität und versuchen, Aktivitäten des Partners außerhalb der Beziehung zu unterbinden", so die Erfahrung des Psychologen. Eng damit verbunden ist oft Eifersucht, die immer auch eigene Unsicherheit widerspiegelt. Aber: "Eine Beziehung floriert, wenn man sich und seinem Partner Freiräume zugesteht", sagt Stathakos. Das gibt Input von außen, und ein bisschen Vermissen wirkt sich durchaus positiv aus.

6. Nur noch Eltern

"Viele Paare verpassen den Moment, an dem man die Elternebene von der Paarebene trennen muss", sagt der Psychologe. "Schließlich entwickeln wir uns weiter und Zeit zu zweit ist auch wichtig. Sonst kann es zum "Leeres-Nest-Syndrom" kommen, sobald die Kinder aus dem Haus sind und als Brücke zwischen zwei Partnern wegfallen.

7. Mangel an Zärtlichkeit

Das Fehlen körperlicher Nähe ist ein starker Beziehungskiller. Damit ist nicht Sex gemeint, sondern Umarmungen, Kuscheln und Zärtlichkeit − im Bett, aber auch im Alltag. "Es ist wichtig, dass man zumindest ab und zu dasselbe Bett teilt", sagt Stathakos

8. Flaute im Bett

Auch hier gilt es, Wünsche auszusprechen. Die Libido verändert sich auch mit den Jahren. Stathakos: "Die Amerikaner sagen ›use it or lose it‹, was so viel heißt wie ›nutze deine Sexualität oder verliere sie‹. Da ist etwas dran." Hinzukommen können Erektionsprobleme beim Mann oder der negative Einfluss der Wechseljahre bei der Frau. Hier ist beidseitiges Einfühlungsvermögen gefragt.

9. Vertrauensbruch

Wenn durch Fremdgehen Vertrauen verloren geht, ist das oft nicht mehr zu kitten. Allerdings werde dieses, wenn es sich nicht um eine langjährige Affäre handle, von älteren Menschen oft milder bewertet als von jüngeren. "Bei Paaren, die länger zusammen sind, hat die emotionale Loyalität oft einen höheren Stellenwert als die sexuelle", so die Erfahrung von Stathakos.

10. Die schwarze Brille

Wir neigen oft dazu, eher das Negative zu sehen als das Positive. "Es gibt eine Paartherapie-Übung: 'Den anderen erwischen, wie er etwas Gutes für mich tut'. Dadurch soll der Blick der Partner für die positiven Dinge geschärft werden." Und: Wer etwas Positives sieht, darf es durchaus auch kommunizieren. Lob und Wertschätzung stärken die Partnerschaft."

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