Ein Drittel wird in der Jugend gegenüber Eltern körperlich aggressiv

Elisabeth Kerler  |  02.02.2026 14:47 Uhr

Eine Langzeitstudie aus Zürich zeigt, dass körperliche Aggression gegenüber Eltern oft im Alter von 13 Jahren auftreten. Gleichzeitig macht die Forschung deutlich, welche Faktoren das Risiko erhöhen – und was Familien schützen kann.

13-Jährige schreit eine Erwachsene an, den Finger ausgestreckt.
Streit zwischen Mutter und Tochter? Besonders im Alter von 13 Jahren tritt aggressives Verhalten auf, so eine Studie.
© Dima Berlin/iStockphoto

32,5 Prozent der befragten jungen Menschen gaben an, ihre Eltern zwischen dem 11. und 24. Lebensjahr mindestens einmal körperlich angegriffen zu haben – etwa durch Schlagen, Treten oder das Werfen von Gegenständen. Das ist das zentrale Ergebnis einer Langzeitstudie der Universität Zürich (UZH), an der mehr als 1.500 junge Menschen über mehrere Jahre hinweg teilgenommen haben. 

Am häufigsten trat das aggressive Verhalten im Alter von 13 Jahren auf. In diesem Alter berichteten rund 15 Prozent von entsprechenden Vorfällen. Danach nahm die Häufigkeit ab und lag im jungen Erwachsenenalter bei etwa fünf Prozent. 

Meist einzelne Vorfälle – aber nicht immer

„Dass ein Drittel der Jugendlichen im Laufe der Adoleszenz aggressiv gegenüber den Eltern wird, mag auf den ersten Blick überraschen“, sagt Lilly Shanahan in einer UZH-Mitteilung. „Doch meist handelt es sich um einzelne Vorfälle – wohl häufig im Kontext eskalierender Eltern-Kind-Konflikte während der Pubertät.“ Besorgniserregend sei jedoch, dass zwei von fünf Menschen, die in ihrer Jugend mindestens einmal handgreiflich wurden, dieses aggressive Verhalten zu mehreren Zeitpunkten zeigten.

Welche Faktoren mit höherem Risiko einhergehen

Soziale Herkunft oder Bildungsniveau spielen laut Studie keine entscheidende Rolle. „Kind-Eltern-Aggressionen betreffen alle Gesellschaftsschichten gleichermassen“, betont Erstautorin Laura Bechtiger. Erhöht ist das Risiko jedoch bei häufigen elterlichen Konflikten, verbaler oder körperlicher Bestrafung sowie bei Jugendlichen mit ADHS, vermutlich aufgrund eingeschränkter Impulskontrolle.

Was Familien schützen kann

Ein unterstützendes, wertschätzendes Erziehungsumfeld wirkt schützend. Kinder und Jugendliche, die lernen, mit Emotionen und Konflikten konstruktiv umzugehen, zeigen seltener körperlich aggressives Verhalten. „Einzelne kleinere Ausraster in der Pubertät sollte man reflektieren, sie sind aber nicht unbedingt Grund zur Sorge“, erklärt Denis Ribeaud von der UZH. „Wiederholte körperliche Aggression und deren steigende Intensität sind hingegen Warnsignale.“

Warum frühe Prävention wichtig ist

Auch wenn körperliche Aggressionen im jungen Erwachsenenalter seltener werden, bleibt Prävention entscheidend. „Präventionsmaßnahmen sollten früh ansetzen: sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern“, betont der Soziologe Manuel Eisner, UZH. Ziel sei es, Konflikte frühzeitig konstruktiv zu begleiten und Eskalationen zu vermeiden.

Quelle: DOI 10.1007/s00787-025-02953-w

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