Bis zu 80 Prozent der Menschen mit Krebserkrankung verlieren viel Fett- und Muskelmasse. Das wird auch Kachexie genannt. Eine Forschungsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover hat herausgefunden, wie entzündungsfördernde Krebs-Botenstoffe zuerst die Funktion von Muskelzellen stören und sie schließlich ganz absterben lassen.
Botenstoffe verändern Muskelzellen
Die Forschenden konnten zeigen, dass die Botenstoffe direkt in den Stoffwechsel der Muskelzellen eingreifen und die Muskelzellen aktiv verändern. Außerdem sorgen sie dafür, dass die Muskelzellen weniger Kalzium freisetzen. Kalzium ist aber essenziell für das Zusammenziehen von Muskelzellen und damit für die Muskelfunktion und Kraft. Das betrifft auch oft den Herzmuskel, was Erkrankte zusätzlich schwächt.
Warum die Muskeln ihre Kraft verlieren
In Versuchen mit Muskelzellen von Mäusen und Ratten stellte sich heraus, dass die innere Struktur der Muskelzellen durch die Botenstoffe gestört wird. Das betrifft besonders die kleinsten Funktionseinheiten des Muskels, Sarkomere genannt. „Wir beobachteten einen drastischen Verlust der Kontraktion der quergestreiften Muskelzellen bei Krebs-induzierter Kachexie, der in erster Linie auf akut desorganisierte Sarkomerstrukturen und einen beeinträchtigten Kalziumtransportprozess zurückzuführen war“, sagte der Wissenschaftler Dr. Arnab Nayak in einer Mitteilung zur Veröffentlichung. Zusätzlich werden Eiweiße in den Muskelzellen abgebaut, die eigentlich noch gebraucht wurden. Dadurch wurden die Muskelzellen langsam zerstört.
Ein möglicher neuer Therapieansatz
Bisher versucht man, mit Nahrungsergänzungsmitteln, Training und Medikamenten den Muskelabbau zu bremsen. Die Forschungsgruppe hat gezielt einen Signalweg so verändert, dass zwei wichtige Eiweiße in den Zellen aktiv blieben. „Wir haben in unserer Untersuchung SENP3 und SENP7 hochreguliert und einen Rückgang des Muskelabbaus beobachtet“, berichtete Nayak. Dadurch blieben die Muskelzellen funktionsfähig. Ob diese Methode auch im Körper wirkt, soll nun in Tierversuchen überprüft werden.
Quelle: DOI 10.1002/jcsm.13776