Entzugssyndrom

ABDATA Pharma-Daten-Service  |  19.03.2026 00:00 Uhr

Entzugssyndrom bezeichnet körperliche und psychische Beschwerden, die auftreten, wenn eine Substanz, zum Beispiel Alkohol, Medikamente oder Drogen, nach regelmässiger Einnahme plötzlich abgesetzt oder stark reduziert wird. Der Körper hat sich an den Stoff gewöhnt und reagiert auf das Fehlen mit Stresssymptomen.

Inhaltsverzeichnis

Krankheitsbild

Viele Substanzen beeinflussen das Gehirn und das Nervensystem. Bei längerem oder häufigem Konsum passt sich der Körper an. Wird die Substanz dann nicht mehr zugeführt, gerät dieses Gleichgewicht aus dem Takt. Wie stark die Beschwerden ausfallen, hängt von der Art der Substanz, der eingenommenen Menge, der Dauer des Konsums und vom allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Ein Entzug kann zum Beispiel nach regelmässigem Alkoholkonsum, nach der Einnahme von Opioiden in der Schmerztherapie, bei Cannabis- oder Kokainkonsum sowie nach täglichem Konsum von Nikotin oder grösseren Mengen Koffein auftreten. Nicht jeder Entzug bedeutet automatisch eine Suchterkrankung. Bei Opioiden kann beispielsweise auch eine medizinisch notwendige Dosisreduktion Entzugssymptome auslösen.

Symptome / Verlauf

Zu körperlichen Entzugssymptomen zählen:
-Übelkeit und Erbrechen
-Zittern, Schweissausbrüche oder Frieren
-Kreislauf-Probleme oder Herzrasen
-Kopfschmerzen
-Muskel- und Gliederschmerzen
Zu psychischen Symptomen zählen:
-Innere Unruhe
-Angst
-Schlafstörungen
-Konzentrationsprobleme
-Reizbarkeit
-Halluzinationen
-Gedrückte Stimmung
-Starkes Verlangen nach der Substanz (Craving)
Je nach Substanz können sehr unterschiedliche Symptome im Vordergrund stehen: Beim Alkoholentzug können Zittern, starkes Schwitzen und in schweren Fällen Verwirrtheit oder Krampfanfälle auftreten. Beim Opioidentzug stehen starkes Substanzverlangen und grippeähnliche Beschwerden mit Muskel- und Bauchschmerzen im Vordergrund. Nach Kokainkonsum kommt es häufig zu einem "Crash" mit Erschöpfung und depressiver Stimmung. Bei Nikotin- oder Koffeinentzug sind Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme typisch.
Die Beschwerden beginnen meist innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen nach dem Absetzen. Manche Entzüge verlaufen mild und klingen nach einigen Tagen ab, andere können mehrere Wochen anhalten.

Folgen / Komplikationen

Die Entzugsbeschwerden können sehr ausgeprägt sein, unter Umständen sogar lebensbedrohlich. Insbesondere beim Alkoholentzug können Krampfanfälle oder ein sogenanntes Delir mit Verwirrtheit und Kreislaufproblemen auftreten. Das ist ein medizinischer Notfall. Auch starke depressive Einbrüche, etwa nach Kokainkonsum, können gefährlich werden, vor allem wenn Suizidgedanken auftreten. Bei schweren körperlichen Vorerkrankungen, etwa Herz- oder Leberproblemen, kann ein Entzug zusätzlich belastend sein. Deshalb sollte ein Entzug am besten unter ärztlicher Aufsicht oder in Spezialkliniken durchgeführt werden.

Ursachen / Risikofaktoren

Ein Entzug entsteht, weil sich das Gehirn an die regelmässige Wirkung einer Substanz angepasst hat. Fällt diese Wirkung plötzlich weg, reagiert das Nervensystem mit Über- oder Untererregung. Risikofaktoren sind ein längerer und regelmässiger Konsum, hohe Dosierungen, Mischkonsum mehrerer Substanzen sowie psychische oder körperliche Vorerkrankungen. Auch ein abruptes Absetzen ohne ärztliche Begleitung erhöht das Risiko für stärkere Beschwerden.

Das kann helfen

Das macht der Arzt: Zunächst schätzt der Arzt ein, wie schwer der Entzug voraussichtlich verläuft und ob eine ambulante Begleitung ausreicht oder eine stationäre Behandlung sinnvoll ist. Bei Bedarf werden Medikamente eingesetzt, um Beschwerden zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Bei Alkoholentzug erfolgt die Behandlung häufig unter engmaschiger Überwachung. Zudem wird gemeinsam ein Plan zur weiteren Behandlung oder Rückfallvorbeugung erstellt.
Das kann man selbst tun: Bei starken oder unsicheren Symptomen sollte man ärztlichen Rat einholen und riskante Substanzen, insbesondere Alkohol, nicht eigenständig abrupt absetzen. Unterstützend helfen ausreichend Flüssigkeit, regelmässige Mahlzeiten, feste Schlafzeiten und Schonung. Wichtig ist ausserdem soziale Unterstützung, etwa durch Familie, Freunde oder Beratungsstellen. Bei Verwirrtheit, Krampfanfällen oder Suizidgedanken sollte sofort medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Quellenangaben:
Thieme, Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, (2006) - Arolt, Reimer, Dilling, Basiswissen Psychiatrie und Psychotherpaie, Springer, (2011), 7. Auflage - W.F. Haupt et al., Neurologie und Psychiatrie für Pflegeberufe, Thieme, (2009), 10. Auflage

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

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