Krankheitsbild
Ein Delirium oder Delir ist ein plötzlich auftretender Verwirrtheitszustand, der sich innerhalb von Stunden oder Tagen entwickelt. Betroffene sind orientierungslos und denken oder sprechen wirr. Der Zustand schwankt mitunter zwischen Unruhe und Teilnahmslosigkeit. Mitunter haben Betroffene auch andere Symptome wie Halluzinationen oder Angstzustände. Häufige Ursachen sind Flüssigkeitsmangel, Infektionen, schwere Erkrankungen sowie Medikamente, Drogen oder Entzug. Besonders gefährdet sind ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen wie Demenz oder Parkinson. Bei Krankenhausaufenthalten oder nach Operationen erleben Menschen häufiger ein Delirium. Bei rascher Behandlung der Ursache kann sich ein Delir schnell bessern, ältere Menschen erholen sich jedoch häufig schlechter. Langfristig besteht ein erhöhtes Risiko für Pflegebedürftigkeit und Tod.
Symptome/Verlauf
Ein Delir beginnt meist plötzlich und entwickelt sich innerhalb von Stunden oder Tagen. Typisch ist eine ausgeprägte Störung der Aufmerksamkeit: Betroffene können sich nicht konzentrieren, keine neuen Informationen aufnehmen und sich nicht an kürzlich Geschehenes erinnern. Sie sind oft orientierungslos, denken und sprechen sind verworren. Die Symptome können sich innerhalb von Minuten verändern, von überaktiv zu teilnahmslos oder aggressiv, und sind abends häufig stärker ausgeprägt. Hinzu kommen mitunter optische Halluzinationen, bei denen Dinge oder Menschen gesehen werden, die nicht vorhanden sind. Auch unbegründete Ängste, Verfolgungsgedanken oder Wahnvorstellungen kommen vor. Ein Delir kann Stunden, Tage oder länger andauern. Wird die Ursache rasch erkannt und behandelt, lässt sich der Zustand in vielen Fällen schnell verbessern. Gerade ältere Patienten erholen sich aber schlechter von einem Delirium. Bis zu 2 Jahre nach Auftreten eines Delirs ist das Risiko für kognitive und funktionelle Verschlechterungen, Heimunterbringung und Tod erhöht.
Folgen/Komplikationen
Wenn ein Delir durch klar behandelbare Ursachen (siehe unten) ausgelöst wird, kann es sich unter Therapie rasch zurückbilden. Die vollständige Erholung dauert jedoch häufig länger, teils Tage, Wochen oder sogar Monate, vor allem bei älteren Menschen. Dies führt oft zu längeren Krankenhausaufenthalten, mehr und schwereren Komplikationen und mitunter auch dauerhaften Einschränkungen. Ein Delir ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für Komplikationen und Tod verbunden, besonders bei Menschen, die deswegen ins Krankenhaus kommen oder während eines Krankenhausaufenthalts ein Delir entwickeln. Etwa 30 bis 50 Prozent dieser Patienten sterben innerhalb eines Jahres, was unter anderem auch an höherem Alter und schwerer Grunderkrankungen liegt.
Ursachen/Risikofaktoren
Flüssigkeitsmangel, Infektionen und andere Erkrankungen wie Lungenentzündung, Harnwegsinfektionen, Sepsis oder Leberversagen gehören zu den häufigsten Ursachen für ein Delir. Ausserdem wird es auch häufig durch Medikamente, Beruhigungsmittel oder Drogenkonsum ausgelöst, ebenso durch Medikamenten- oder Drogenentzug. Das Risiko ist bei älteren Menschen erhöht. Menschen mit Vorerkrankungen wie Demenz, Schlaganfall oder Parkinson können mitunter auch bei weniger schweren Auslösern (Schmerzen, Schlafentzug, Verstopfung) ein Delirium entwickeln. Bei Krankenhausaufenthalten oder Operationen ist das Risiko für ein Delirium erhöht. Bis zu 50 Prozent der älteren Patienten erleben während eines Krankenhausaufenthaltes ein Delirium.
Das kann helfen
Das macht der Arzt: Die Behandlung eines Delirs besteht vor allem darin, die auslösende Ursache schnell zu erkennen und zu behandeln, zum Beispiel durch Antibiotika bei Infektionen, Flüssigkeit bei Austrocknung oder gezielter Medikamentengabe bei Drogen- oder Alkoholentzug. Bei starker Unruhe oder Halluzinationen kann der Arzt unter Umständen auch Medikamente verordnen.
Das kann man selbst tun: Zusätzlich sind allgemeine unterstützende Massnahmen wichtig, wie eine ruhige, gut beleuchtete Umgebung, Orientierungshilfen (Uhr, Kalender) oder Beruhigung durch vertraute Personen.
Quellenangaben:
Thieme, Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, (2006) - Gehlen, Delank, Neurologie, (2010), 12. Auflage
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.